|
||||||
»Flucht in die Wirklichkeit« berichtet von den ersten Jahren Praxis im Berliner Weglaufhaus. Diese bundesweit einzige öffentlich finanzierte antipsychiatrische Zufluchtstätte für Psychiatriebetroffene, die der psychiatrisch verordneten Verwahrung und Chemobehandlung den Rücken kehren, wurde im Januar 1996 eröffnet. Fern von Diagnosen und Psychopharmaka sind es die Unterstützung rund um die Uhr durch oft selbst psychiatriebetroffene MitarbeiterInnen und das aktive Zusammenleben, die vielen BewohnerInnen eine Alternative zum passiven Betreutwerden bieten. Nachdenklich und selbstkritisch, wild und widersprüchlich beschreiben und illustrieren 20 AutorInnen das Besondere und das Alltägliche im Weglaufhaus, frei von therapeutischen Ambitionen. Der zehnjährige Hürdenlauf bis zur Eröffnung und der ständige Kampf mit den Amtsschimmeln in den Sozialämtern werden von den MitarbeiterInnen und BewohnerInnen plastisch dargestellt, ebenso die Bilanz der bisherigen Arbeit, die Bewältigung von Krisensituationen und die von Anerkennung in Presse und Fernsehen bis zu hartnäckigem Widerstand von Nachbarn reichende Resonanz in der Öffentlichkeit. Eine sehr persönliche und spannende, sprachlich wie inhaltlich abwechslungsreiche Sammlung von teilweise bizarren Erfahrungen. Kerstin Kempker hat das Berliner Weglaufhaus, eine Kriseneinrichtung für Psychiatriebetroffene, mit aufgebaut und von 1996 bis 2001 geleitet und ist Mitbegründerin des Für alle Fälle e.V.. Sie konzipierte 2003 den Literaturwettbewerb »Nehmt mich beim Wort« und gemeinsam mit Bernd Kempker das Literaturfest des Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung. 2003-04 Mitarbeit beim Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Diskriminierungen der Europäischen Kommission. Literarische Tätigkeit seit 2002. Weitere Publikationen von Kerstin Kempker: »Das wird ein Fest« (Roman); »Die Betrogenen« (Roman); »Mitgift Notizen vom Verschwinden«; »Teure Verständnislosigkeit Die Sprache der Verrücktheit und die Entgegnung der Psychiatrie«); »Das Weglaufhaus Von der Idee zur Praxis«. (Hg. mit Uta Wehde); »Statt Psychiatrie« (Hg. mit Peter Lehmann); Beiträge in: Peter Lehmann (Hg.): »Psychopharmaka absetzen« / »Coming off Psychiatric Drugs« / »Βγαίνοντας από τα ψυχοφάρμακ Εμπειρίες επιτυχημένης διακοπής νευροληπτικών, αντικαταθλιπτικών, λιθίου, καρβαμαζεπίνης και αγχολυτικών« u.v.m. (Stand Juni 2012) Mehr über Kerstin Kempker |