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Peter Lehmann / Peter Stastny (Hg.)
Statt Psychiatrie 2

Cover Kartoniert, 448 Seiten, 14,8 x 21 cm
ISBN 978-3-925931-38-3

Berlin / Eugene / Shrewsbury: Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2007

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Das große Buch über Alternativen zur Psychiatrie in aller Welt, über die aktuellen Ansätze von Selbsthilfe und nichtpsychiatrischen Alternativen im Falle akuter psychischer Probleme sowie Wege zu einer Behandlung, die die Menschenrechte respektiert. Psychiatriebetroffene, Therapeuten, Juristen, Sozialwissenschaftler, Psychiater und Angehörige von allen Kontinenten informieren über ihre alternative Arbeit, ihre Ziele, Erfahrungen und Erfolge und gehen auf folgende Fragen ein:

  • Was kann ich tun, wenn ich verrückt werde? Wo finde ich vertrauenswürdige Hilfe für eine Angehörige oder Freundin in Not?

  • Wie schütze ich mich vor Zwangsbehandlung? Wie kann ich als Familienangehöriger oder Freund aktiv werden?

  • Was soll ich tun, wenn ich es nicht mehr ertrage, in der Psychiatrie weiterzuarbeiten? Welche Alternativen zur Psychiatrie gibt es, wie kann ich mich an deren Aufbau beteiligen?

  • Angenommen, die Psychiatrie soll abgeschafft werden: Was schlagt ihr vor ... statt Psychiatrie?

Nähere Informationen zu ausgewählten Kapiteln

In "Was hilft mir, wenn ich verrückt werde?" beschreiben 14 ehemalige Psychiatriebetroffene, wie sie mir ihren akuten psychischen Krisen klarkommen, ohne in die Räder der Psychiatrie zu geraten. Außerdem geht es hier um natürliche Heilmethoden bei Depressionen, um Selbsthilfegruppen von Menschen mit außergewöhnlichen Überzeugungen, um Stimmenhörer, die ihre Stimmen verstehen und produktiv mit ihnen arbeiten.

Im Kapitel "Modelle professioneller Unterstützung" werden eine Vielzahl funktionierende Alternativen präsentiert: vom Soteria-Ansatz über das Windhorse-Projekt und das Weglaufhaus Berlin bis hin zu nicht- und antipsychiatrischen Projekten in Alaska und Sizilien und Jaakko Seikkulas "Offenen Dialog" in Finnland – gewaltreduzierenden und -vermeidenden Kriseninterventionen, die zu einer wesentlichen Reduzierung von Zwangsmaßnahmen und Psychopharmakaverschreibungen führen. Karyn Baker zeigt, wie in Toronto psychiatriebetroffene Familien geschult werden, ihren Angehörigen beim Recovery-Prozess beizustehen statt wie üblich diese zur Psychopharmaka-Einnahme zu drängen und Patienten-"Karrieren" zu fördern. Spezifische Unterstützungsformen für Migranten, Kinder und Jugendliche, verwirrte Alte und Männer in emotionalen Krisen sind weitere Schwerpunkte.

In "Strategien zur Durchsetzung von Alternativen und menschlicher Behandlung" beschreibt Maths Jesperson das Modell des Personenbezogenen Ombudsmanns in Skåne (Schweden), Jim Gottstein seinen Verein PsychRights in Alaska und wie er mit Schadenersatzklagen durchsetzt, dass Millionenbeträge für die Entwicklung nichtpsychiatrischer Alternativen umgewidmet werden. Laura Ziegler und Miriam Krücke erläutern den Rechtsschutz- und Selbsthilfefaktor von Vorausverfügungen, David Oaks stellt die Organisation MindFreedom International vor, die bei den Vereinten Nationen als beratende Nichtregierungsorganisation akkreditiert ist und sich für Menschenrechte als Grundlage einer gewaltfreien Revolution im psychosozialen System engagiert. Dan Taylor schildert den Kampf seiner Organisation um humane Lebensbedingungen für Psychiatriebetroffene im afrikanischen Staat Ghana, die Engländerin Jan Wallcraft beschreibt den Nutzen betroffenenkontrollierter Forschung zur Untermauerung alternativer Ansätze, ihr Landsmann Andrew Hughes berichtet, wie umfangreich sein Verein Psychiatriebetroffene schult, um sie für Betroffenenbeteiligung fit zu machen.

Im Schlusskapitel vertritt der irische Psychiater Pat Bracken die Notwendigkeit eines radikalen Paradigmenwechsels: weg von der Tendenz, menschliche Schwierigkeiten als technische Probleme zu verstehen, hin zu einem nichtpsychiatrischen Verständnis, das in einem ernsthaft reformierten psychosozialen Bereich Beziehungen, Zusammenhänge, Bedeutungen, Werte und Aspekte der Macht als vorrangig einstuft; Therapie, Dienste und sogar Psychopharmaka werden abgelehnt, jedoch zweitrangig. Lehmann und Stastny kritisieren die mehr als hundert Jahre währende Psychiatriereform als verantwortlich für die sich ausweitende Zwangsbehandlung auch im ambulanten Bereich, für vermehrte Elektroschocks, für die um sich greifende Psychiatrisierung von Kindern und alten Menschen und massive psychopharmakabedingte Behandlungsschäden. Sie fordern, endlich Alternativen und somit – angesichts der Vielzahl der aufgezeigten erfolgreichen Alternativen – Wahlmöglichkeiten zu schaffen, wie es für eine sich demokratisch verstehende Gesellschaft selbstverständlich sein sollte.

Die Ausgabe von 2007 folgt auf das 1993 im Antipsychiatrieverlag erschienene (längst vergriffene) Buch "Statt Psychiatrie". Mit Ausnahme der – teils aktualisierten, teils völlig neu geschriebenen – Artikel von Harold Maio, Kate Millett, Andy Smith und Zoran Solomun sind in "Statt Psychiatrie 2" keine Texte der 1993er-Ausgabe nachgedruckt. Vorwort von Robert Whitaker

Über die Herausgeber

Stastny und Lehmann sehen sich als ideales Paar, um die Möglichkeiten der individuellen und kollektiven Selbsthilfe, strukturelle Reformen, den Schutz vor unerwünschten psychiatrischen Maßnahmen und das Engagement für Alternativen zur Psychiatrie übersichtlich vorzustellen und zu einer gelungenen Synthese zu führen. Peter Lehmann, Berlin, ist Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen (ENUSP) und seit fast drei Jahrzehnten aktiv im Bereich der Selbstorganisierung von Psychiatriebetroffenen und ihrer selbstbewussten Zusammenarbeit mit den wenigen kritischen psychiatrisch Tätigen. Peter Stastny ist Associate Professor der Psychiatrie am Albert Einstein College of Medicine in New York und Gründungsmitglied des (im Buch ebenfalls vorgestellten) Internationalen Netzwerks für Alternativen und Recovery (INTAR), in dem sich die weltweit bedeutsamsten Alternativprojekte zusammengeschlossen haben.

Die Herausgeber

Foto von Peter LehmannPeter Lehmann (links) ist Autor und Verleger in Berlin. 1986 Gründung des Antipsychiatrieverlags. 1989 Gründungsmitglied des Vereins zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. (Trägerverein des Weglaufhauses Berlin), 1990 von PSYCHEX (Schweiz), 1991 des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen (ENUSP). Von 1994 bis 2000 Vorstandsmitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. Von 1996 bis 1999 Vorstandsmitglied bei Mental Health Europe, der europäischen Sektion der World Federation for Mental Health. Von 1997 bis 1999 ENUSP-Vorsitzender, bis 2010 Vorstandsmitglied. 2010 Verleihung der Ehrendoktorwürde in Anerkennung des "außerordentlichen wissenschaftlichen und humanitären Beitrags für die Durchsetzung der Rechte Psychiatriebetroffener" durch die Aristoteles-Universität Thessaloniki. 2011 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. Diverse Buchpublikationen, u.a. "Der chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen" (1986, 6. Auflage 2010), "Psychopharmaka absetzen – Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern" (Hg. 1998; 4. Aufl. sowie E-Book 2013) und »Schöne neue Psychiatrie« (1996). Mehr über Peter Lehmann

Peter Stastny (rechts), geboren 1952 in Wien, hat dort 1976 das Medizinstudium abgeschlossen und lebt seit 1978 in New York. Er lehrte bis 2009 am Albert Einstein College of Medicine und leitete mehrere staatlich geförderte Forschungsprojekte in den Bereichen Arbeitsplatzsicherung, soziale Unterstützung und Selbsthilfe, in Zusammenarbeit mit Menschen, die persönliche Krisen und psychiatrische Intervention überstanden haben. Im Besonderen arbeitet er am Aufbau von Einrichtungen, die psychiatrische Maßnahmen vermeiden und autonome Alternativen anbieten. Durch diese Tätigkeit hat sich eine enge Zusammenarbeit mit der Betroffenenbewegung entwickelt, die in gemeinsamen Forschungsaufträgen, Publikationen, Öffentlichkeitsarbeit und Demonstrationsprojekten aufgeht. Gründungsmitglied von INTAR. Mehr über Peter Stastny