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Kerstin Kempker
Teure Verständnislosigkeit
Die Sprache der Verrücktheit und die Entgegnung
der Psychiatrie
Kartoniert, französische Broschur, 128 Seiten, 18 Abbildungen,
15 x 21 cm
ISBN 978-3-925931-04-8
Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 1991
€ 9.90 / sFr 11.90
Sofort lieferbar
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Kerstin Kempker bringt die
grenzziehende psychiatrische und die grenzüberschreitende verrückte
Welt an ihren Berührungspunkten zum Sprechen. Dabei nutzt sie die
Kunst der Collage, um sonst nur getrennt geführte Diskurse
literarische, philosophische, psychiatrische wie antipsychiatrische
aufeinanderprallen zu lassen. Gerade die literarischen Stimmen
wie Ingeborg Bachmann, Antonin Artaud, Sylvia Plath, Unica Zürn,
Robert Walser machen deutlich, dass un(zeit)gemäße und
ungemäßigte Wahrnehmungen, Empfindungen und Äußerungen
eine Gabe sein können, die zwar ihren Preis, mit Krankheit aber nichts
zu tun hat. Preis der Verrücktheit ist das Risiko der Psychiatrisierung
und der Verlust der gemeinsamen Sprache; Preis der Anpassung wäre
jedoch die Preisgabe der eigenen Identität.
Die Schweizer Publizistin
Ursula Zangger (Zürich) folgte in ihrer Buchbesprechung der Autorin in den
hermetisch geschlossenen Käfig der Sprache, wobei ihr so manches Mal Hören
und Sehen verging. Auf verdiente Weise mache die Autorin auf ein modisches Wechselbalg
der psychiatrischen Ausgrenzung von Verrücktheit aufmerksam, die literarische
Mode Wahnsinn; die böseste Fiktion und die perfideste Art der Ausgrenzung
sei eine verklärende utopisch-romantische Gegenwelt von der reichen Erfahrungswelt
der Krankheit. »Kerstin Kempkers Buch hat eine reinigende Wirkung, es ermöglicht,
Abstand zu gewinnen vom selbstverständlichen Sprachgebrauch und von falschen
und unklaren Vorstellungen von der tatsächlichen Vorgehensweise der Psychiatrie.
Die Ausgrenzung der sogenannt Verrückten findet eben nicht am Rande der Gesellschaft
und durch anonyme Institutionen statt. Jede/r ist beteiligt und beteiligt sich
an ihren Mechanismen und gerät auch nur allzu schnell ins klebrige
Netz. Kerstin Kempker erweitert unseren Wirklichkeitssinn mit sowohl Verstandeskraft
wie auch mit Musil gesprochen mit vitaler Möglichkeitssinneslust.«
»Teure Verständnislosigkeit« zeigt durch
die Montage belletristischer, philosophischer, psychiatrischer und antipsychiatrischer
Zitate sowie ausgewählter grenzüberschreitender Kunstwerke,
wie wenig Psychiatrie schon von ihren Prämissen her
von Verrücktheit versteht bzw. dem, was sie Schizophrenie nennt.
Psychiater wie Eugen Bleuler, Klaus Dörner, Emil Kraepelin oder Leo
Navratil auf der einen Seite tauchen in dem Buch ebenso auf wie Thomas
Anz, Franca Basaglia-Ongaro, Samuel Beckett, Gaetano Benedetti, Paul Celan,
David Cooper, Fernand Deligny, Michel Foucault, Erving Goffman, Ronald
D. Laing, Mariella Mehr, Adolf Muschg, Urs Ruckstuhl, Marc Rufer, Thomas
S. Szasz, Paul Watzlawick und Ludwig Wittgenstein auf der anderen, der
nicht- bzw. antipsychiatrischen Seite, ebenso Bildende KünstlerInnen
der art brut und der Prinzhorn-Sammlung. Der Text fordert
heraus zum Querdenken, zum Befragen des Selbstverständlichen.

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