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Kerstin Kempker
Mitgift
Notizen vom Verschwinden
Kartoniert, 208 Seiten, 34 Abbildungen, 15 x 21 cm
ISBN 978-3-925931-15-4
Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 2000
€ 14.90 / sFr 17.90
Sofort lieferbar
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Mutmachendes Buch für Betroffene und Familien: auch wenn keiner mehr
daran glaubt, kann man es schaffen, den psychiatrischen Sumpf nach Jahren
zu verlassen und wieder auf eigene Füße zu kommen. Autobiographischer
Bericht über eine Jugend in der Psychiatrie, über das Verschwinden in
den Gedanken, über die Bedeutung und die Last der Wörter und darüber,
wie die Psychiatrie sie mit Psychopharmaka und Elektroschocks auslöschen
will.
Kerstin Kempker beschreibt, wie sie Mitte der siebziger Jahre aus einer
Beamtenfamilie und katholischen Klosterschule heraus in die Psychiatrie
fiel, was sie in mehr als drei Jahren dort erlebte und wie sie daraus
hervorging. Es ist keine Leidensgeschichte, kein Verarbeitungs- oder Selbstfindungstext
der alten Schule. Ein Bericht, trocken, lakonisch, aus großer zeitlicher
Distanz gewonnen. Ein poetischer Text immer da, wo die Autorin ihre damaligen
Gedichte, Briefe und Zeichnungen einfügt. Und wenn sie den psychiatrischen
Akten ihre eigenen Erinnerungen gegenüberstellt, klafft dazwischen
die Sprachlosigkeit. Das schönste Buch der humanistischen Antipsychiatrie!
Wie landet eine Siebzehnjährige, die nie den Verstand verlor, in
der Geschlossenen Frauenstation und wird elektrogeschockt? Wie reagiert
die Umwelt auf das von Insulinschocks und Neuroleptika entstellte Monster,
das in wenigen Monaten aus ihr geworden ist? Wie passt sie sich einer
ver-rückten Welt an? Wird der Suizid zum Lebensziel? Und wie findet
sie wieder heraus? Wie eng wird es da »draußen«? Wozu
ist ein Phantom nützlich und eine Schreibmaschine? Und was wird so
der Zukunft diktiert?
Unverfroren und niemals larmoyant schreibt die Autorin trotzig »Ich«
und nennt die Beteiligten beim Namen: die Behandler der biologisch orientierten
Universitätspsychiatrie in Mainz, der daseinsanalytisch orientierten
Psychiatrie im Schweizer Kreuzlingen und der gemeindepsychiatrisch orientierten
Psychiatrie Häcklingen (u.a. Henrik Uwe Peters, Wolfgang Binswanger,
Niels Pörksen). Im Jahr 2000, wo in Deutschland Psychiater und Politiker
»25 Jahre Psychiatrie-Enquête« feiern, zeigt »Mitgift«
die andere Seite der reformierten Psychiatrie.
Präzise und mit kühlem Witz präsentiert Kerstin Kempker
ihre Fundstücke aus sieben Jugendjahren. Sie beschreibt und
weil sie nur dies tut, nicht wertet, nicht ins Allgemeine ausschweift,
steht der gesamte Text unter einer Spannung, die sich nirgends entlädt.
Die sprachliche Leichtfüßigkeit, mit der die Autorin den Schrecken
wiedergibt, ihre illusionslose Sicht auf sich selbst und eine immer wieder
aufflackernde Lust am Untergang, am Sprachspiel, am Widerspruch,
am Leben selbst machen es leicht, als Leser dabeizubleiben und
über Abgründe mit hinweg zu hüpfen.

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