Peter Lehmann

Der moderne Elektroschock. Wirkungsweise, Risiken, Schäden und Alternativen

Peter LehmannBerlin & Lancaster: Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag · lieferbar im Lauf von 2027

Gedruckte Buchausgabe · ca. € 19.90 · Preis in sFr · ISBN 978-3-910546-28-8   Vormerkbutton

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Über das Buch

Betroffene, Angehörige, medizinisch Tätige, Juristinnen und Juristen, Betreuungspersonen, Pflegepersonal, Journalistinnen und Journalisten, die sich eine eigene Meinung bilden und/oder eine Vorausverfügung für oder gegen Elektroschocks ("Elektrokonvulsionstherapie") verfassen wollen, sollten dieses Buch lesen. Es liefert verständliche und wissenschaftlich belegte Informationen über die aktuellen Varianten des Elektroschocks, seine Risiken, Schäden und Alternativen.

International – auch in Österreich und der Schweiz – verabreicht man zunehmend Elektroschocks: in psychiatrischen Kliniken, insbesondere in Universitätskliniken, gelegentlich auch ambulant in psychiatrischen Praxen. Dabei ist der im Faschismus entwickelte Elektroschock mit seinen aktuell von Herstellerfirmen eingestandenen Risiken, insbesondere »verheerenden kognitiven Folgen« und bleibenden Gedächtnisschäden, hoch umstritten. Dennoch pocht der Interessenverband der deutschen Psychiaterschaft, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), auf das Recht auf Verabreichung von Elektroschocks auch gegen den natürlichen Willen der Betroffenen. Ihnen will man sogar die sogenannte Erhaltungs-EKT aufzwingen, das heißt, nach der Klinikentlassung auf Dauer Elektroschocks jeden Monat.

Elektroschocks verabreicht man besonders gerne Frauen und älteren Menschen. Mit Serien künstlich ausgelöster epileptischer Anfälle sollen psychische Probleme gelindert oder gelöst werden. Während die DGPPN Elektroschocks als Standardbehandlung (neben Antidepressiva und Neuroleptika) durchsetzen will, empfiehlt der Interessenverband der gemeindepsychiatrisch Tätigen, die Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie e.V. (DGSP), gar Hochdosis-Elektroschocks.

Inhaltsverzeichnis

Der Elektroschock und sein Zweck .....

  • Wirkungsweise .....

  • Moderne Technik und Modifikation .....

  • Indikationen .....

  • Weitere Faktoren für die Verabreichung .....

  • Ansprechrate .....

  • Kontraindikationen .....

Unerwünschte Wirkungen des Elektroschocks .....

  • Kognitive Störungen und Gedächtnisverlust .....

  • Weitere neurologische Störungen .....

  • Verwirrtheit, Delir und Suizidalität .....

  • Herz- und Kreislaufstörungen .....

  • Weitere Organstörungen .....

  • Schwangerschaftsschäden .....

  • Probleme beim Beenden von Elektroschockserien .....

  • Lebensgefährliche Schäden .....

Aufklärung, Diskussionen und Kritik .....

  • Aufklärung über Risiken und Alternativen .....

  • Diskussionen pro und contra .....

  • Elektroschock und Psychosoziale Patientenverfügung .....

Fazit .....

Anmerkungen .....

Quellen .....

Einleitung

Wer denkt, der Elektroschock gehöre in die graue Zeit der Psychiatrievergangenheit, hat sich getäuscht. Psychiaterverbände in Deutschland, Südtirol (Italien), Österreich und der Schweiz riefen 2012 dazu auf, flächendeckend Elektroschockapparate anzuschaffen und konsequent, vorbeugend und kontinuierlich Elektroschocks zu verabreichen. Laut einer Statistik im Stern im März 2019 wurden 2016 in Deutschland 5700 Menschen Elektroschocks verabreicht, siebenmal mehr als vor 40 Jahren. In der Schweiz verzehnfachte sich die Elektroschockrate von 2007 bis 2010. Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass sich die Situation in Österreich anders gestaltet.

Im deutschsprachigen Raum werden derzeit die Elektroschockapparate Thymatron® und spECTrum™ eingesetzt. Produziert werden sie von den US-amerikanischen Firmen Somatics LLC bzw. Mecta Corporation. Sie sind mit einem modernen Design einschließlich LCD/Touchscreen ausgestattet und computergesteuert. Die Wirkungsweise des Elektroschocks – die Auslösung eines großen epileptischen Anfalls – ist allerdings unverändert.

Heutige Anwender des Elektroschocks bevorzugen durchweg moderne Begriffe wie »Elektrokrampftherapie (EKT)«, »elektrische Durchflutungstherapie«, »Elektrokonvulsionstherapie«, »Elektrostimulation« oder »Schlaftherapie«. Hersteller und Vertriebsfirmen benutzen in ihren Produktbeschreibungen und Gebrauchsanleitungen nach wie vor auch den eingeführten und allgemein bekannten Begriff »Elektroschock«.

Mit der »Stimulation«, das heißt dem Elektroschock, lösen Psychiater die beabsichtigten epileptischen Anfälle aus, vorwiegend bei Menschen mit sogenannten behandlungsresistenten Depressionen und Psychosen, bei Frauen und älteren Menschen. Mit den in Serien ausgelösten Hirnkrämpfen sollen ernsthafte psychische Probleme gelindert oder gelöst werden.

In ihren an Psychiater gerichteten Produktbeschreibungen sprechen Hersteller von »verheerenden kognitiven Folgen«. Mit »kognitiv« meint man Funktionen, die mit Wahrnehmung, Denken, Wissen und Lernen verbunden sind. Aufmerksamkeit, Erinnerung, Kreativität, Planen, Orientierung, Vorstellungskraft und Wille zählen ebenfalls zu den kognitiven Fähigkeiten. Auf diese erheblichen Risiken weisen Psychiater vor der Verabreichung von Elektroschocks nicht hin.

Über den Autor

Peter LehmannPeter Lehmann, Dr. phil. h.c., Dipl.-Pädagoge, arbeitet als selbstständiger Autor und Verleger in Berlin. Bis 2010 langjähriges Vorstandsmitglied des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen (ENUSP). Externes Mitglied im Fachausschuss Psychopharmaka der Deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie (DGSP). Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).
2010 Verleihung der Ehrendoktorwürde in Anerkennung des »außerordentlichen wissenschaftlichen und humanitären Beitrags für die Durchsetzung der Rechte Psychiatriebetroffener« durch die Aristoteles-Universität Thessaloniki. 2011 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.
Weitere Buchpublikationen: Humanistische Antipsychiatrie. Texte aus 45 Jahren (2025; E-Book 2026); Psychopharmaka reduzieren und absetzen. Praxiskonzepte für Fachkräfte, Betroffene, Angehörige (2024, hg. gemeinsam mit Craig Newnes); Neue Antidepressiva, atypische Neuroleptika – Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierung und Alternativen. Mit einem Exkurs zur Wiederkehr des Elektroschocks (2017, gemeinsam mit Volkmar Aderhold, Marc Rufer und Josef Zehentbauer, E-Book 2026); Statt Psychiatrie 2 (2007, hg. gemeinsam mit Peter Stastny, E-Book 2026); Psychopharmaka absetzen – Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern (1998; 5. Aufl. 2019, E-Book 2026); Schöne neue Psychiatrie – Band 1: Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken, Band 2: Wie Psychopharmaka den Körper verändern (1996; E-Books 2026); Der chemische Knebel – Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen (1986; 6. Aufl. 2010; PDF E-Book 2026) u.v.m.
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