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Uta Wehde
Das Weglaufhaus
Zufluchtsort für Psychiatrie-Betroffene.
Erfahrungen, Konzeptionen, Probleme
Kartoniert, 192 Seiten, 15 x 21 cm
ISBN 978-3-925931-05-5
Peter Lehmann Antipsychiatrieverlag 1991
€ 5.90 / sFr 6.95
Sofort lieferbar
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»Die Macht des Weglaufens
ist immens«, schreibt Jeffrey M. Masson, ehemaliger Psychoanalytiker
und Direktor des Sigmund-Freud-Archivs, in seinem Vorwort
zum ersten Buch der Berliner Psychologin, und weiter:
»In der DDR kam der
erste Hoffnungsschimmer der Freiheit, als ein paar mutige Menschen tatsächlich
wegliefen. Uta Wehde zeigt uns, dass dies auch im Bereich der Psychiatrie möglich
ist und dass die Mauern dieser maroden Institution ebenfalls eingerissen werden
können.« Täglich laufen Menschen aus psychiatrischen
Anstalten weg. Sie flüchten vor der Behandlung mit psychiatrischen Psychopharmaka
und Elektroschocks, vor Fixierung und demütigender Behandlung. In zehn größeren
Städten der Niederlande dienen sogenannte Weglaufhäuser vergleichbar
mit den Frauenhäusern als Zufluchtsorte für die Weggelaufenen.
Uta Wehde berichtet über ihre Beobachtungen in einem solchen holländischen
Weglaufhaus, diskutiert diese vor dem Hintergrund weiterer Alternativen zur Psychiatrie
und zieht Konsequenzen für die konzeptionelle Gestaltung der ersten deutschen
Weglaufhauses in Berlin. Dieses soll Anfang 1992 seinen Betrieb eröffnen.
Die Weggelaufenen sollen hier juristische, soziale, psychologische und medizinische
Unterstützung sowie Hilfe beim Entzug von Psychopharmaka erhalten.
Das spritzig geschriebene Buch geht allerdings in seinen Aussagen über diese
spezielle Form der Unterstützung hinaus und kommt auf die prinzipielle Frage
zu sprechen, wie Menschen zu helfen ist, die Probleme mit ihrer Psyche und/oder
der Psychiatrie haben. Die Autorin orientiert sich zentral am Recht auf Psychopharmaka-freie
Hilfe. Ihre Kriterien echter menschlicher Hilfeleistung entwickelt sie aus Gesprächsaussagen
von BewohnerInnen und MitarbeiterInnen, die sie im Weglaufhaus in Utrecht befragte,
und aus einer Reihe von (bisher nur in kleinem Umfang veröffentlichten) Mitteilungen
Psychiatriebetroffener sowie Betreibern alternativer Einrichtungen. Uta Wehde
fasst diese alternativen Erfahrungen zusammen und liefert damit gleichzeitig einen
exzellenten Literaturüberblick zum Thema »Alternativen zur Psychiatrie«.
In der Diskussion ihrer Erkenntnisse berücksichtigt sie die deutsche Situation
ebenso wie diejenige in Österreich und der Schweiz. So setzt sich die Autorin
u.a. mit dem kalifornischen Soteria-Projekt auseinander, das in der Schweiz
allerdings nur dem Namen nach kopiert wird und als Vorbild für die
aktuellste psychiatrische Reformbestrebung gilt. Im Anhang stellt Uta Wehde die
aktuelle Konzeption des geplanten Berliner Weglaufhauses vor und dokumentiert,
spannend zu lesen wie ein Krimi, das Hin und Her um die öffentliche Finanzierung
des durch eine Millionenspende angekauften Weglaufhauses (das übrigens das
Cover des Buches ziert). Gewöhnliche Psychiater werden sich über
das Buch ärgern; dafür kommen neugierig gebliebene Betroffene und Angehörige,
SozialwissenschaftlerInnen, JuristInnen, MedizinerInnen sowie aufgeschlossene
psychiatrisch Tätige voll auf ihre Kosten.
| Die
Autorin
Uta Wehde, Psychologin, geb. 1963 in Niedersachsen, lebt in Berlin.
Ihr Bruder nahm sich während psychiatrischer Behandlung das
Leben. Seit 1987 engagiert sich Uta Wehde in verschiedenen antipsychiatrischen
Gruppen. Innerhalb des Vereins zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt
e.V. arbeitet die Autorin für die Einrichtung des Berliner
Weglaufhauses; außerdem ist sie im Vorstand des Forums Anti-Psychiatrischer
Initiativen (FAPI) e.V. sowie Geschäftsführerin der Weglaufhaus
GmbH Berlin. Ihren Lebensunterhalt verdient sie durch die Arbeit
in einem Café (Stand: 1991)
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