Dörte von Drigalski
Blumen auf Granit – Eine Irr- und Lehrfahrt durch die deutsche Psychoanalyse

Cover Taschenbuch, 352 Seiten, 11,5 x 19 cm, ISBN 978-3-925931-37-6. Berlin: Antipsychiatrieverlag, aktualisierte Neuausgabe 2003. € 16.90 / sFr 24.90 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Aktualisierte Neuausgabe. Was »Der chemische Knebel« für die Psychiatrie, das ist »Blumen auf Granit« für die Psychoanalyse: eine durch eigene Erfahrung gefestigte Grundsatzkritik an einem (noch) etablierten Therapieverfahren und die schonungslose Offenlegung seiner Gefahren und Manipulationsmöglichkeiten. Original 1980. Geleitwort von Gaby Sohl und mit Adressen von Selbsthilfegruppen, Schlichtungsstellen und Internetseiten

Information der Autorin

»In anderen Bereichen der Medizin ist ja die Beschäftigung mit Kunstfehlern und deren Diskussion heutzutage Standard. Die meisten gängigen Lehrbücher der Psychoanalyse schweigen zum Thema Therapieschäden und Kunstfehler. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die Psychiatrie. In einschlägigen Datenbanken findet man kaum etwas zum Thema. In Sachen Kritikfähigkeit bildet die Fachgruppe der PsychoanalytikerInnen das Schlusslicht der medizinischen Wissenschaft.«

Foto von Dörte von DrigalskiDie Autorin

Dörte von Drigalski, Jahrgang 1942. Kinderfachärztin und Psychotherapeutin. 1970-1975 Ausbildung (»Lehranalyse«) im Rahmen der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung. Seit 1977 in Hamburg als Ärztin tätig.

Geleitwort

Als dieses Buch 1980, also vor dreiundzwanzig Jahren, zum ersten Mal erschien, löste es eine Lawine von Zuschriften und Zeitungsartikeln aus. Der radikalste deutsche Klassiker der Psychoanalysekritik hat leider nichts von seiner Brisanz verloren: Heute gilt die Psychoanalyse, anerkannt von allen deutschen Krankenkassen, immer noch unangefochten als »Edeltherapie Nummer 1«. Kritik an den Ausbildungsmethoden der Analyse, der sogenannten Lehranalyse, soll – wenn überhaupt – lieber hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Dörte von Drigalskis öffentliche »Abrechnung« mit ihrer eigenen Lehranalyse verbindet in anschaulicher Sprache drei Blickwinkel zu einem einzigartigen Dokument moderner Therapiekritik:

  • es vermittelt fundierte Grundkenntnisse über die Methodik der klassischen Lehranalyse

  • es führt eine schonungslose Diskussion über die Schäden sogenannter Kunstfehler, die im psychotherapeutischen Bereich immer noch tabuisiert werden

  • es erhält besondere Brisanz durch das persönliche Engagement der Autorin, die hier ihr eigenes Zu-Schaden-Gekommen-Sein dokumentiert.

Es gibt bis heute kein vergleichbar tiefgehendes und persönliches Werk der Grundsatzkritik an der renommiertesten Therapiemethode unserer Zeit. Der zunehmende Konkurrenzkampf auf dem Therapiemarkt fordert zwar ethische und fachliche Qualitätsdiskussionen, weicht den Fragen nach Mängeln, Fehlern und auch Anmaßungen der Psychotherapie allerdings oft aus. Hier ist »Blumen auf Granit« eine wertvolle Orientierungshilfe für Therapiesuchende, Geschädigte, ÄrztInnen und TherapeutInnen.

Gaby Sohl, Berlin

Vorwort zur aktualisierten Neuausgabe

1997 erreichten mich Anfragen, weil mein seit 1980 im Verlag Ullstein erscheinendes Buch vergriffen war. Eine Neuauflage? Ich hatte mich ganz anderen Themen zugewandt und sah auf den ersten Blick darin wenig Sinn. Schnee von gestern – ich hielt das Thema und mein Buch für überholt. In anderen Bereichen der Medizin ist ja die Beschäftigung mit Kunstfehlern und deren Diskussion heutzutage Standard.

Bei näherem Hinsehen erhielt mein Optimismus einen Dämpfer. Die meisten gängigen Lehrbücher der Psychoanalyse schweigen zum Thema Therapieschäden und Kunstfehler. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für die Psychiatrie. In einschlägigen Datenbanken findet man kaum etwas zum Thema. Viel zu wenig bekannt geworden – und PatientInnen gegenüber praktisch verschwiegen – sind die Ergebnisse der Menninger-Studie über Langzeit-Psychoanalyse: iatrogene Psychosen, Abhängigkeiten, Suizide (s. Grawe 1994, S. 173 ff.). Der erste Sammelband zum Thema, »Therapieschäden – Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie« (Hg. Märtens / Petzold 2002), wird von der Fachwelt angelegentlich beschwiegen. Die Wagenburg-Mentalität, die einst für die meisten medizinischen Disziplinen kennzeichnend war, hier hat sie sich erhalten. In Sachen Kritikfähigkeit bildet die Fachgruppe der PsychoanalytikerInnen das Schlusslicht der medizinischen Wissenschaft.

Woran liegt das? Zum einen ist diese Fachgruppe sicher eine Ansammlung von überdurchschnittlich ängstlichen Charakteren. Das hat etwas mit der besonders langen und demütigenden Abhängigkeitssituation in ihrer Ausbildung zu tun sowie mit der Vorauswahl von Persönlichkeitsstrukturen, die bereit sind, dies auf sich zu nehmen. Zum anderen muss man die Ökonomie des Berufsstandes im Auge haben. Standespolitisch besteht ein ökonomisches Interesse, das Thema Therapieschäden zu beschweigen. Es ging um die Durchsetzung der Interessen der Psychoanalytiker bei der Kassenregelung und um den Wettbewerb mit anderen therapeutischen Richtungen. Gerade die PsychoanalytikerInnen hatten die schlechtesten Gründe gehabt, in die Kassenregelung aufgenommen zu werden. Nach Lage der Forschung hätten sie sogar ausgeschlossen werden müssen, da kein Beleg ihres therapeutischen Nutzens nach wissenschaftlichen Standards vorlag. Ohne das konsequente Ausblenden der Therapieschäden-Problematik hätten sich die Einzelinteressen dieser Berufsgruppe zu Lasten anderer therapeutischer Richtungen schwerlich so durchsetzen lassen wie geschehen.

Als hilfreich hat sich mein Buch erwiesen als Orientierungshilfe im Vorfeld einer Therapie oder als unterstützendes Back-up für PatientInnen, die in die Abhängigkeit von einer schädigenden Therapie geraten sind und Schwierigkeiten haben, sich zu lösen.

Die Kardinalfrage, die mir immer wieder gestellt wird, lautet: Wie kann ich die traumatische Erfahrung einer schädigenden, lebensuntüchtig machenden Analyse verarbeiten? Wie werde ich damit fertig? Wie kann ich mich lösen? Ich meine, die beste Antwort liegt in einer entschiedenen Hinwendung zu neuen Lebensfeldern. Das ist leicht gesagt, aber schwer gelebt, ich weiß. Und es bedarf der Hilfe von FreundInnen außerhalb des therapeutischen »Milieus«. In einem ersten Schritt jedenfalls kann das Buch bestärken, die Fixierung auf ein »Versagen« in der Therapie zu relativieren, und es kann ermutigen.

Dörte von Drigalski
Hamburg im August 2003

Nachwort zur 1. Auflage

Ich hatte 1977 mit Schreiben angefangen, um überhaupt mit dem Ganzen (686 Stunden, davon 583 als Lehranalyse) fertig zu werden; ich habe dann zwei Jahre gebraucht. Das Schreiben war kein überwiegend guter Zustand, auch quälend und körperlich belastend (Gehörgangsentzündung, Unterleibsschmerzen, Übelkeit, Reizhusten, Magenbeschwerden).

Meine Hauptschwierigkeit war, im intellektuellen Alleingang nicht das Vertrauen in mich zu verlieren, mich nicht für verrückt oder dumm zu halten. Einige, mit denen ich mich fachlich hätte austauschen können, waren nicht erreichbar; andere verletzten derartig mit freundschaftlich verpackten Deutungen, dass ich mich dann hütete. Vergleiche mit anderen Analyseverläufen haben mich bestärkt, meine persönlichen Erfahrungen als typisch ernstzunehmen, sie nicht als seltene, unglückliche Ausnahme abzuwerten, wie mir konsequent und monoton nahegelegt wurde. Im Laufe meiner Arbeit habe ich in zunehmendem Maße von Analysezwischenfällen bis hin zu Suiziden, tödlichen Unfällen und Erkrankungen, gehört, die als Zufall abzutun m. E. leichtfertig wäre und deren Erklärung als zwangsläufige Folge ursprünglicher Neurose mir nicht einleuchtet.

Rückblickend sehe ich in mancher zögernden, tastenden Formulierung und Vermutung meinen Analyseschaden; heute würde ich mich entschiedener ausdrücken.

Warum »deutsche Psychoanalyse ? »Deutsch« im Untertitel bezieht sich auf das psychoanalytische Klima, das ich – als Analysandin, Auszubildende an drei analytischen Instituten, Kollegin, Kongressteilnehmerin, Bekannte, Freundin – von 1969 bis 1975 erfahren habe; ein spezifisches Klima, welches auf seine Weise die politischen Verhältnisse in diesem Land widerspiegelt.

Mein Eindruck ist, dass sich die etablierte Psychoanalyse hier deformiert in Richtung konservativ wertender Erziehung, Anpassung, bürokratischer Unmenschlichkeit, – parallel der politischen Entwicklung –‚ dass sie kritische Substanz zum Teil freiwillig, voreilig und ohne bedrohlichen äußeren Zwang aufgibt, dass sie, wie Ivan Illich es von der Organmedizin beschreibt, summa summarum mehr Schäden setzt als behebt. In der Organmedizin wird, wenn auch widerwillig, über Kunstfehler diskutiert – im psychoanalytischen Bereich wird dergleichen nicht thematisiert; auch der Ausdruck »negative therapeutische Reaktion« zielt einseitig auf den Patienten, der das positive Ergebnis (guter Therapie) vereitelt.

Natürlich leben und arbeiten Psychoanalysierende nicht im gesellschaftlich luftleeren Raum; und es ist zu erwarten, dass eine politische Tendenz, die sich seit der Studentenbewegung u. a. in Abhörpraxis, Berufsverboten und Umgang mit »Terroristen « niedergeschlagen hat, auch auf diese Gruppe Einfluss gehabt hat. Nur ist bedauerlich, speziell widersinnig für Psychoanalyse, wenn kritische Selbstreflexion mit möglichen unbequemen Ergebnissen nicht auch auf die eigene Tätigkeit, persönliche Wertungen und gesellschaftliche Funktion angewandt wird.

Auf dem Höhepunkt der Fahndungsaktivitäten Herbst 1977 nahm die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung ein standespolitisches Thema (Frage der Einführung des »Facharztes für Psychoanalyse«) zum Anlass, einen zusätzlichen Kongress einzuberufen. Eine offizielle Stellungnahme zu anderer beunruhigender Thematik erfolgte nicht.

Dabei gehört es zu fachlichem Grundwissen, dass Außenseiter in Gruppen, speziell solche, die emotional heftig bekämpft werden, meist ein gemeinsames (beunruhigendes und daher verdrängtes) Problem dieser Gruppe deutlich machen; dass es der Gruppe nicht nur nicht hilft, sondern geradezu die Lösung der bedrängenden Probleme verhindert, wenn die, die sich mit ihnen beschäftigen, ausgeschlossen und verteufelt werden.

Den nordamerikanischen Psychoanalytiker, der an Hand eines gefangenen Vietkong als Ursache des Vietnam-Krieges ausagierte Vaterproblematik diagnostiziert hatte, hatte ich als Kuriosum eingeordnet; allerdings ist bis zu (oft stillschweigend emotional, verbal meist differenzierter und distanzierter gezogenen) Gleichungen: politisch links = Vaterproblematik, Feminismus ebensolche, modischer solche mit der frühen Mutter, kein allzu weiter Weg. Es nützt wenig, wenn differenziert in Fachzeitschriften diskutiert, im übrigen abstinent geschwiegen wird. Es ist auch kein neues Problem, wie weit Abstinenz mitschuldig machen kann.

Auch wenn einiges dafür spricht, dass die konservative Entwicklung der Psychoanalyse eine internationale ist (Erich Fromm, Die Krise der Psychoanalyse), scheint die Bundesrepublik doch darin vorn; und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in solcher Perfektion und Geschwindigkeit möglich gewesen wäre ohne die »substantiellen Verluste« (B. Engelmann, Deutschland ohne Juden) seit 1933. Insofern meine ich »deutsche Psychoanalyse« auch im Sinne von »arischer Psychoanalyse«.

Dörte von Drigalski
Oktober 1979

Inhalt

Geleitwort von Gaby Sohl ..... 7
Vorwort zur aktualisierten Neuausgabe ..... 8
Chronologisches ..... 13
Danach ..... 227
Krümel ..... 251
Anmerkungen ..... 304
Nachwort zur 1. Auflage ..... 326
Vorwort zur Sachbuch-Ausgabe (1991) ..... 329
Literatur ..... 339
Adressen ..... 345

Rezension von Jeffrey M. Masson (in: Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung, 22.Jg. [2004], Nr. 1., S. 57-58; ebenfalls publiziert in: www.Kulturkritik.net)

Dörte von Drigalski hat ein Buch über ihre eigene Lehranalyse in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts geschrieben – fünfeinhalb Jahre der Auseinandersetzung mit den hierarchischen und patriarchalisch orientierten Strukturen des psychoanalytischen Lehrgebäudes und seiner Verwalter. Direkt und schonungslos, auch sich selbst gegenüber, beschreibt sie ihre Zweifel, ihre Demütigung, ihr Aufbegehren, ihre Bewusstseinsentwicklung, schließlich ihre Erkenntnis über die grundlegenden Gefahren der Psychoanalyse und die von ihr gesetzten und möglicherweise lebenslang wirkenden psychischen Schäden. Mir fallen nur wenige Bücher ein, die – aus eigenem Erleben – ähnlich grundlegende Zweifel an Psychiatrie und Psychotherapie äußern wie Dörte von Drigalskis »Blumen auf Granit«. Ich denke an das Buch von Kate Millett »Der Klapsmühlentrip«, eine wichtige Anklage gegen Zwangsbehandlung, Kerstin Kempkers autobiographische und mit vernichtendem Witz verfasste Abrechnung »Mitgift – Notizen vom Verschwinden«, Janet Frames Biographie »Gesichter im Wasser«, den Bericht »Zu viel Zorn, zu viele Tränen« von Janet und Paul Gotkin oder Tina Stöckles »Die Irren-Offensive – Erfahrungen einer Selbsthilfeorganisation von Psychiatrieopfern«.

Was der Autorin passierte, ist erschreckend, es ist jedoch kein Einzelfall, und es ist keine akademische Frage der »Passung« (zwischen ihr und ihren AnalytikerInnen). Was Dörte von Drigalski beschreibt, ist die emotionale Tyrannei, die in der Psychoanalyse einsetzt, wenn sich Analysierte wünschen, ihren eigenen Weg zu gehen, die Dinge auf ihre Weise zu sehen, und wenn sie die leeren Phrasen und die routinierten, formelartigen Interpretationen der Durchschnittsanalytiker nicht länger akzeptieren. (Beispiel: »Ihre Unfähigkeit, mich zu bewundern, ist ein Ausdruck Ihrer Psychopathologie.«)

Jeder Analytiker ist im Grunde ein durchschnittlicher Analytiker, auch wenn er sich selbst gern für einzigartig weise hält. Ein gutmütiger Analytiker nimmt eine eigene Sichtweise der Analysanden vielleicht hin, findet sie engstirnig oder unfähig zu psychologischem Denken (denn alles, was Analytiker nicht wertschätzen, müssen sie etikettieren) und lässt die fehlende Übereinstimmung als solche durchgehen. Aber dies ist schon eine Idealsituation, die meiner Überzeugung nach im wirklichen Leben sowie im Leben von Menschen in Analyse selten eintritt.

Zu häufig verwandeln sich die Meinungsverschiedenheiten in einen Machtkampf, und zwar in einen mit zwei ungleichen Parteien, denn jemand in Not – ob durch Leiden oder durch den Druck, einen Arbeitsplatz zu bekommen – ist nicht in der Position, unabhängig und ungehemmt zu argumentieren.

Die Autorin vergleicht die Situation in der Analyse oft mit einer schlechten Ehe, und sie hat zweifellos recht. Allerdings würden wir selbst nach jahrelanger Ehe kaum behaupten, unseren Partner wirklich zu »kennen«. Warum der Analytiker dieses Privileg der Vertrautheit beansprucht, es aber oft nach nur wenigen Sitzungen mit einer negativen Diagnose besiegelt, ist ein Rätsel. Es ist eine sehr ungleiche Ehe, in der sich die Macht auf einer Seite konzentriert. Ich würde Analyse mit der Ehe mit einem gewalttätigen Mann vergleichen.

Sicherlich werden viele Leser anderer Meinung sein als ich. Sie werden viele Analysen kennen, die nicht so sind, und AnalytikerInnen, die anders sind als die von Dörte von Drigalski. Ich bezweifle nicht, dass es warme, mitfühlende Menschen gibt, die Psychotherapie praktizieren. Aber ich bin überzeugt, es wäre ein Fehler, Dörte von Drigalskis Buch als die Beschreibung eines Einzelfalls einer fehlgeschlagenen Psychoanalyse abzutun. Es zeigt ein viel größeres Problem auf, das sich aus der Situation selbst ergibt.

Die Autorin gibt genügend spezifische Illustrationen der abgedroschenen Interpretationsversuche: Kastrationsbedürfnis, Kastrationsangst, Penisneid usw. Diese Versatzstücke können problemlos in jede Geschichte hineininterpretiert werden, die man einem Therapeuten erzählt. Ihre Wirkung kann zerstörerisch sein. Dörte von Drigalski zeigt, dass das zerstörerische Potential in der Natur der Psychotherapie liegt, in der Ausbildung der Psychotherapeuten und in der Literatur, die diese lesen.

Ihr Buch spricht die Möglichkeit an, dass nicht nur die Analyse, sondern alle Formen der Psychotherapie problembehaftet sind, dass gerade die Annahme, man könne in der Therapie eine andere Person erkennen, voller Gefahren ist, kurzum: in die Irre führt. Keine der Therapieformen ist frei von diesem Makel. Der Grundgedanke hinter jeder Form der klinischen Psychotherapie muss überprüft werden. Und dies muss auf der Basis von Material gemacht werden, wie es Dörte von Drigalski bereitstellt. Ihr Buch ist eine große Unterstützung für alle diejenigen, die sich zu fragen beginnen, ob sie wirklich »krank« sind und ob irgend jemand – außer einem Freund – das Recht hat, ihnen »Hilfe« anzubieten. »Blumen auf Granit« ist einfach das beste Buch über den Schrecken der Psychoanalyse. Ein Insiderbericht, und Dörte von Drigalski scheut sich nicht, die Wahrheit auszusprechen.

Jeffrey M. Masson
Auckland (Neuseeland), 19.8.2003

Jeffrey Moussaieff Masson war Direktor des Sigmund-Freud-Archivs in Washington und Psychoanalytiker. Ist in keiner Weise psychotherapeutisch tätig. Veröffentlichungen: »Was hat man dir, du armes Kind, getan? Sigmund Freuds Unterdrückung der Verführungstheorie«, Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1986; »A Dark Science: Women, Sexuality, and Psychiatry in the 19th Century«, New York: Farrar, Straus & Giroux 1986; Herausgeber von: Sigmund Freud, »Briefe an Wilhelm Fliess. 1887-1904«, Frankfurt am Main: S. Fischer 1986; »Die Abschaffung der Psychotherapie«, München: C. Bertelsmann 1991; »Final Analysis: The Making and Unmaking of a Psychoanalyst«, London: Harper/Collins u.v.m.

Weitere Stimmen zum Buch

»... eine profunde Kritik an der Qualität, der Intelligenz und der Sensitivität der überwältigenden Mehrheit aller in Deutschland praktizierenden Analytiker.« Ernest Bornemann (Vorwärts)

»... in gewisser Weise ein Meilenstein in der Erhellung vieler Probleme während des therapeutischen Prozesses.« Tilmann Moser (Zeit)

»... der radikalste deutsche Klassiker der Psychoanalysekritik. Eine wertvolle Orientierungshilfe für Therapiesuchende, Geschädigte, ÄrztInnen und TherapeutInnen.« Gaby Sohl (Hamburger Ärzteblatt)