Hans Weiss
Korrupte Medizin – Ärzte als Komplizen der Konzerne

CoverTaschenbuch, 294 Seiten, 12,4 x 19 cm, ISBN 978-3-462-04217-7. Köln: Kiepenheuer & Witsch, erweiterte Neuausgabe 2010. € 8.95 / sFr 10.75 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Buch eines Journalisten, der in Wallraffscher Manier seine Identität wechselt, in die Pharmaindustrie geht, vor Ort recherchiert und dann aufzeigt, wie umfangreich das Gesundheitswesen und die Psychiatrie unter Kontrolle der großen Pharmakonzerne steht und wie sich zahlreiche Chefärzte und Klinikleiter bereitwillig zu Komplizen machen und an unethischen Psychopharmakaversuchen – z.B. an depressiven Menschen – beteiligen. Über betrügerische Preismanipulationen, Me-too-Marktstrategien, Meinungsbildner und ihre Prämien und Extravergütungen, die Verkaufskampagne für die "Todespille Zyprexa", die mit der Pharmaindustrie offenbar prima kooperierenden Psychiater J. Angst, W. Fleischhacker, W. Gaebel, W. Greil, I. Hand, H. Hippius, W. Maier, H.-J. Möller, D. Naber, N. Sartorius, H. Sass, M. Weller u.v.m. Erweiterte Taschenbuchausgabe mit neuen Namen, neuen Fakten und einem Vorwort zu den Reaktionen der Pharmabranche und ihrer Psychiater auf die Originalausgabe von 2008

Original-Verlagsinfo

Ein Medizinjournalist wechselt seine Identität und wird Pharma-Consultant. Erschreckendes Ergebnis seiner Recherchen: Weite Bereiche unserer Medizin stehen unter der Kontrolle der großen Pharmakonzerne. Und zahlreiche Ärzte – vom Klinikchef bis zum Allgemeinarzt – machen sich zu gut bezahlten Handlangern.

Der Autor absolviert eine sechsmonatige Ausbildung zum Pharmavertreter und gründet – auf dem Papier – eine Beratungsfirma für die Arzneimittelindustrie. Damit baut er sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren eine respektable Identität als Pharma-Consultant auf, nimmt an brancheninternen Symposien teil, erhält Zugang zu Marketingdokumenten und Datenbanken und nimmt Kontakt zu Klinikchefs und Chefärzten auf.

Warum sind Medikamente so teuer? Weil so viel in die Entwicklung und Erforschung von neuen Medikamenten investiert wird, die allen Patienten zugutekommen! So die Antwort der Pharmaindustrie. Tatsächlich wird intern ungeniert kritisiert, dass es mit der Innovationskraft der Industrie nicht weit her ist. Was unter »Forschung und Entwicklung« verbucht wird, sind meist Marketingmaßnahmen, die nur den Zweck haben, den Gewinn der Konzerne zu erhöhen. Die Pharmaindustrie beschäftigt ein ganzes Heer von Marktforschern und Informanten, die ständig untersuchen, wie häufig Medikamente verschrieben werden, welcher Umsatz damit erzielt wird, warum Ärzte bestimmte Medikamente verschreiben und andere nicht, welche Wirkung Pharmavertreter auf die Zahl der Verschreibungen haben. Ohne die aktive Mithilfe von Ärzten wäre das alles nicht möglich. Pharmakonzerne kontrollieren das Gesundheitswesen durch das so genannte »Thought Leader Management« – spezielle Firmenabteilungen, die sich nur damit beschäftigen, wie einflussreiche Ärzte für die Zwecke der Pharmaindustrie am besten eingesetzt werden. Die Antwort: Das geschieht am wirksamsten mithilfe von lukrativen Beraterhonoraren, teuren klinischen Studien und Einladungen zu hoch bezahlten Vorträgen vor Ärzten.

Über den Autor

Hans Weiss, 1950 in Hittisau / Österreich geboren. Studium der Psychologie und Soziologie in Innsbruck, Wien, Cambridge und London. Freier Journalist und Buchautor in Wien. Reportagen und Berichte für Stern, Spiegel, ORF, ZEIT. Mehrere journalistische Preise, zuletzt Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch (2004). Als Autor oder Koautor mehr als ein Dutzend Buchveröffentlichungen mit einer Gesamtauflage von fünf Millionen und zahlreichen Übersetzungen: Zum Beispiel Bittere Pillen – Nutzen und Risiken von Arzneimitteln (Erstausgabe 1983; aktuelle Ausgabe 2008-2010); Kriminelle Geschichten – Ermittlungen über die Justiz (1985); Kursbuch Gesundheit (1990, 2006); Schwarzbuch Markenfirmen – Die Machenschaften der Weltkonzerne (2001, 2003, 2006); 3 x täglich – kritische Gebrauchsinformationen zu über 11.000 Arzneimitteln (2003); Asoziale Marktwirtschaft (2004); Korrupte Medizin – Ärzte als Komplizen der Konzerne (2008).

Aus dem Inhalt

  • Wie Klinikchefs sich zu unethischen und verbotenen Studien an ihren Patienten verführen lassen

  • Eine Liste von 85 einflussreichen Ärzten in Deutschland, Österreich und der Schweiz und ihren konkreten Verbindungen zu Pharmakonzernen

  • Wie die Pharmaindustrie die Ärzte im Griff hat und wie viele Ärzte ihre gesamten Praxis- und Patientendaten den Konzernen liefern

  • Detaillierte Honorarlisten der Pharmaindustrie für Ärzte, die nach ihrer Bedeutung in die Kategorien A, B und C oder "Gold", "Silber" und "Bronze" eingeteilt werden

  • Porträts: Wie Pharmakonzerne im großen Stil betrügen; wie sie Medikamente illegal vermarkten; wie sie Nebenwirkungen vertuschen; wie sie Daten und Studienergebnisse manipulieren; wie sie die Schädigung von Patienten in Kauf nehmen

  • Was die Wirkstoffe der Medikamente wirklich kosten.

Pressestimmen

»Nie zuvor wurden so offen Ross und Reiter benannt: Hans Weiss dokumentiert detailreich den verdeckten Einfluss der Pharmaindustrie auf Politik, Forschung und medizinische Behandlung.«
Robert Jütte, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Die Recherchen (von Hans Weiss) belegen, dass trotz aller Regeln der freiwilligen Selbstkontrolle in der Pharmaindustrie immer noch gilt: Die Pharmaindustrie gibt mehr Geld aus für Marketing als für Forschung. Mit ihren massiven Werbeanstrengungen beeinflusst sie das Verschreibeverhalten der Ärzte.«
WDR-Sendung »Neugier genügt«
»Große Ungeheuerlichkeiten: Pharmakritiker Hans Weiss hat viel darüber zu erzählen, wie Ärzte sich seinen Recherchen nach von Pharmakonzernen korrumpieren lassen.«
Süddeutsche Zeitung
»Korrupte Medizin: Ich bin sehr froh, dass dieses wichtige Thema behandelt wird. Ich sehe das positiv. Die Offenlegung der Firmenverbindungen von Ärzten und Wissenschaftlern ist nicht zu kritisieren, sondern zu loben.«
Dr. Reinhard Krepler, Chef der größten österreichischen Klinik – Wiener Allgemeines Krankenhaus –, im Wiener Kurier
»Es gibt ein neues Buch über (angebliche?) Praktiken der Pharmaindustrie beim Umgang mit Ärzten. Ist das wirklich so? «
Deutsches Ärzteblatt, Forum
»Was Hans Weiss in seinem wahren Beruf als Medizinjournalist kaum gelungen wäre, kaufte er mit der falschen Identität eines Pharmaberaters von einer Consulting-Firma in den USA: eine Studie, die nach Branchenangaben auflistet, welche Stundensätze die Pharmaindustrie Ärzten bezahlt, die für sie tätig werden. Meinungsbildner von globaler oder nationaler Bedeutung erhielten laut Liste umgerechnet bis zu 2400 Euro – pro Stunde.«
Kurt-Martin Mayer, Focus
»Das Bewerben der Medikamente durch die Pharmaindustrie funktioniert genau so wie beschrieben. Sie sucht sich gewisse nationale und internationale Köpfe aus, die dann auf gewissen Fortbildungsveranstaltungen und Kongressen entsprechende Vorträge halten. Die Teilnehmer werden natürlich eingeladen und es wird erwartet, dass dort das kundgetan wird, was für das entsprechende Präparat der Firma nützlich ist. Ich habe Pharmavertreter gefragt, warum sie für solche Veranstaltungen so viel Geld ausgeben. Es wäre doch sinnvoller, gute Studien zu finanzieren, die die Überlegenheit ihres Präparates beweisen. Als Antwort erhielt ich die klare Feststellung, dass derartige Veranstaltungen viel besser für den Umsatz ihrer Präparate sind als wissenschaftliche Arbeiten. Dies würden ihre Umsatzzahlen eindeutig belegen.«
Profil-Leserbrief von Universitäts-Dozent Dr. Erwin Hauser, Landesklinikum Thermenregion Mödling
»Ungerechte Pauschalverurteilung!«
Dr. Walter Dorner, Präsident der österreichischen Ärztekammer
»(...) die Undercover-Masche fördert Details über die gelebte Praxis ans Tageslicht, die ein Negieren des Problems immer schwieriger machen. Vielleicht ist Korrupte Medizin Anlass für die längst überfällige Diskussion über die Ehre des ärztlichen Berufs.«
falter.de
»Der allerneueste Wurf, der mit viel Trara auf den Markt kommt, heißt Korrupte Medizin, eine in Wallraff'scher Aufdeckermanier recherchierte Story, für die der erfahrene Medizinjournalist – er hat in den vergangen Jahren für Stern, Die Zeit und Spiegel gearbeitet und 2004 für seine Leistungen den Bruno-Kreisky-Preis erhalten – weder Mühen noch Kosten gescheut hat. Um hinter die Kulisse zu blicken, ließ sich Weiss zum Pharmareferenten ausbilden, lauschte aufmerksam pharmainternem Branchen-Sprech und baute eine Karriere als Pharmakonsulent auf, für zweifelhafte Studien versuchte er Ärzte zu gewinnen.«
Tageszeitung Der Standard
»Herr Weiss, Herausgeber des kritischen Arzneimittel-Ratgebers Bittere Pillen, wirft der Pharmaindustrie und Ärzten in seinem neuen Buch Korruption vor.«
Sandra Maischberger
»Die Behauptungen sind sehr pauschal und oberflächlich.«
Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie in Österreich