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Stefan Weinmann
Die Vermessung der Psychiatrie – Täuschung und Selbsttäuschung eines Fachgebiets

CoverKartoniert, 283 Seiten, 16,5 x 24 cm, ISBN 978-3-88414-931-7. Köln: Psychiatrieverlag 2019. € 25.– / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb  [oder Bestellung mit Formular – Best.Nr. 951]
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Plädoyer für eine Abkehr von der sogenannten »biologischen« Psychiatrie hin zu einer sozial orientierten Wissenschaft; Kritik am Neuroimaging, an Psychoedukation, an der Dopaminhypothese der "Schizophrenie", an den Wirksamkeitshypothesen von Neuroleptika und Antidepressiva; über die Verringerung der Hirnmasse durch Neuroleptika u.v.m. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Die Mechanismen von Täuschung und Selbsttäuschung sind aus der Psychologie gut bekannt. In diesem Buch werden diese Erkenntnisse auf das Fachgebiet Psychiatrie selbst angewendet. Wie sieht es aus mit der sogenannten »Evidenz« zu den Ursachen von Depression und Schizophrenie? Wie mit der Wirksamkeit von Medikamenten und Psychotherapien? Welche Bedeutungen haben Vorurteile, Verzerrungen und sich selbst erfüllende Voraussagen in der psychiatrischen Behandlung und Forschung? Und wieso helfen viele gut erforschte Ansätze so häufig nicht?

Wenn man die gegenwärtige Psychiatrie verstehen will, muss man verstehen, was in den Köpfen von Psychiatern vor sich geht, sagt Weinmann und plädiert dafür, dass sich die Psychiatrie mehr den sozialen und auch den gesellschaftlichen Bedingungsfaktoren stellt. Mit diesem Buch liefert er einen kritischen und hochspannenden Beitrag.

Über den Autor

Stefan Weinmann ist Psychiater und Psychotherapeut mit Abschlüssen in den Gesundheits- und Wirtschaftswissenschaften. Er hat zur psychiatrischen Versorgung geforscht und mehrjährige Erfahrung in Gesundheitssystemen anderer Länder. Derzeit arbeitet er als Psychiater in Berlin.

Weitere Publikationen von Stefan Weinmann und mit Beiträgen von ihm im Antipsychiatrieversand: Erfolgsmythos Psychopharmaka - Warum wir Medikamente in der Psychiatrie neu bewerten müssen · Kerbe Nr. 2/2018

Rezension

Das Buch des Psychiaters Stefan Weinmann, der derzeit in Berlin arbeitet, besteht aus einer heftigen und fundierten Kritik an den Halb- und Unwahrheiten der psychiatrischen "Wissenschaft", die als evidenzbasierte Fakten vermarktet werden, und aus einer Kritik an der biologistischen Herangehensweise der Mainstream-Psychiatrie, die den Blick auf die Lebensgeschichte des einzelnen Menschen verstelle und die Notwendigkeit von Selbsthilfemaßnahmen aus dem Blickfeld rücke. Besonders heikle Punkte, vor denen sich Autoren des Psychiatrieverlags scheuen, spricht auch Stefan Weinmann nicht an: die strafrechtlich relevante Verabreichung von Psychopharmaka ohne informierte Zustimmung, die fehlende Gleichheit seiner Kollegen vor dem Zivil- und Strafrecht (selbst klare Rechtsverstöße werden nicht verfolgt), die menschenrechtswidrige und oft traumatisierende Verabreichung von Neuroleptika durch gewaltbereite psychiatrisch Tätige, die Wiederkehr des aus dem Faschismus stammenden Elektroschocks (speziell Frauen verabreicht), die psychiatrische Verleugnung des Risikos der körperlichen Abhängigkeit von Antidepressiva und Neuroleptika sowie die um zwei bis drei Jahrzehnte reduzierte Lebenswartung von Menschen mit ernsten psychiatrischen Diagnosen. Dafür kritisiert Weinmann das neuromythologische Neuroimaging, die Weitergabe des psychiatrischen Halbwissens in der Psychoedukation, die Konditionierung der Beteiligten zur Psychopharmaka-Verabreichung, die von Mainstream-Psychiatern konsequenzenlos hingenommene intelligenzmindernde Verringerung der Grauen Hirnsubstanz durch Neuroleptika, die unsubstanziierte Dopamin-Hypothese der "Schizophrenie", chronifizierende und keinesfalls rückfallverhütende Wirkungen von Antidepressiva und Neuroleptika u.v.m. Wer die Diskussion innerhalb der fortgeschrittenen Sozialpsychiatrie nachvollziehen will, die Überzeugung des Autors von der Notwendigkeit von Selbstverteidigungsstrategien des psychiatrischen Fachgebiets teilt und Argumentationshilfen für die Diskussion mit Vertretern der herrschenden Psychiatrie sucht, wird in diesem empfehlenswerten Buch fündig. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)