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Vera Stein
Menschenfalle Psychiatrie: Mit 14 Jahren weggesperrt. Der mutige Neustart einer von Ärzten als »irrsinnig« abgestempelten Frau

Cover Kartoniert, 190 Seiten, 12 x 19 cm, ISBN 3-8304-2030-7. Heidelberg: Karl F. Haug Verlag 2000. € 12.95 / Preis in sFr / sofort lieferbar
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Fortsetzung des Buches »Abwesenheitswelten«, wobei die Autorin neben der ausführlichen Darstellung ihrer Anstalts- und Klinikerfahrungen auch ihren Schmerzensgeldprozess und insbesondere für Psychiatriebetroffene benachteiligende Konsequenzen des deutschen Rechtssystems anspricht. Mit Ratschlägen, wie man mit ärztlichem Fehlverhalten umgehen kann. Vorwort von Psychiater Reinhart Lempp.

Original-Verlagsinfo

Jugend in der Psychiatrie: Vera Stein klagt die Kliniken an

Mit 14 Jahren kam Vera Stein in die Psychiatrie. Ursache waren Konflikte mit ihren Eltern: die Diagnose lautete: jugendliche Schizophrenie. Eine ärztliche Fehldiagnose, wie Jahre danach der 20-Jährigen durch ein unabhängiges Gutachten bescheinigt wird. Psychopharmaka statt Jugendhilfe: Vera klagt heute die Kliniken an, sie gegen ihren Willen festgehalten zu haben. Sie zeigt auch, dass Psychiatrieerfahrung immer noch eine biographische Katastrophe ist und Angehörige ihre Verantwortung für die Patienten ernst nehmen müssen. Eine mutige Frau – ein parteiischer Bericht. Für Selbsthilfe-Interessierte und LeserInnen, die hinter die Fassade schauen wollen.

»Ein persönlicher Bericht, der aufwühlt und betroffen macht: 1974 schließen sich hinter Vera Stein die Pforten der Frankfurter Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ihre Eltern kommen mit dem immer schwieriger werdenden Kind nicht mehr klar. Die Ärzte stellen eine folgenschwere Diagnose: jugendliche Schizophrenie. Vera Stein ist 14 Jahre alt.

1980 wird Vera endlich aus dem Teufelskreis Psychiatrie befreit. Ein unabhängiger Psychiater bescheinigt ihr, dass sie niemals psychisch krank war. Die Ärzte hatten ihre Verhaltensstörungen, die auf familiäre Probleme zurückzuführen sind, völlig falsch eingeschätzt und sie jahrelang unnötigerweise mit hochdosierten Psychopharmaka behandelt. Vera Stein ist 21 Jahre alt und ein menschliches Wrack.

20 Jahre braucht Vera, um endlich Wiedergutmachung zu fordern. Heute klagt sie die verschiedenen Kliniken an, sie gegen ihren Willen festgehalten zu haben. Zur Verhandlung am 24.11.1999 vor dem Landgericht Frankfurt brachte die Frankfurter Neue Presse einen großen Artikel mit der Überschrift: ›Gesund in Psychiatrie: Vera Stein klagt Uni an‹. Über die Klage vor dem Mainzer Landgericht berichtete die Mainzer Zeitung vom 2.9.1999 ausführlich unter dem Titel ›Teufelskreis Psychiatrie: 41-jährige verklagt Mainzer Uniklinik‹.

Vera Stein beschreibt ihren langen Weg bis hin zu den derzeit laufenden Verfahren in diesem bewegenden Buch.«

Warum bist du hier? In den Jahren, die Vera Stein in der Psychiatrie verbringt, hat sie kaum Kontakt zur Außenwelt. Es gibt für die Patienten keine Möglichkeit am »normalen Leben« teilzunehmen. Pflegepersonal und Mitpatienten sind die einzigen Ansprechpartner. Die Gesprächsthemen sind begrenzt. Wenn die Patienten der Psychiatrie mit fremden Leuten zusammentreffen, lautet die erste Frage unweigerlich »Warum bist du hier?« Die strenge Isolation führt bei Vera Stein zu aggressivem Verhalten und Fluchtgedanken, so dass die Ärzte das Mädchen häufig mit Medikamenten ruhig stellen.

Mit 21 Jahren ein Pflegefall. Nach knapp drei Jahren wird Vera Stein gegen den Rat der Ärzte aus der Psychiatrie entlassen. Die hohe Medikamentendosen haben bereits zu einer Abhängigkeit geführt. Weitere Folgen sind Sprachschwierigkeiten und gesundheitliche Beschwerden. Die einfachsten alltäglichen Handgriffe kann die damals 21-Jährige nicht mehr ausführen. Die junge Frau ist zu einem Pflegefall geworden. Die lange Isolation hat sie völlig von der Außenwelt entfremdet. Mitmenschen lehnen sie aufgrund ihres »andersartigen« Verhaltens ab.

Neue Selbständigkeit lernen. Langsam lernt Vera Stein, sich wieder unter Menschen zurechtzufinden. Sie sehnt sich nach einer anspruchsvollen Tätigkeit. Obwohl die Eltern ihrem Wunsch nach einer Berufsausbildung als technische Zeichnerin mit Skepsis gegenüberstehen, setzt sie ihr ehrgeiziges Vorhaben erfolgreich in die Tat um. Bei der Arbeitssuche wird die junge Frau jedoch als nicht vermittelbar eingestuft. Trotzdem findet sie eine Anstellung in einem kleinen Ingenieurbüro. Mit 32 Jahren hat Vera Stein nun endlich die Möglichkeit, von zu Hause auszuziehen und ein selbständiges Leben zu führen.

Der Teufelskreis Psychopharmaka. Nach Ansicht von Vera Stein haben der teilweise fahrlässige Umgang mit Psychopharmaka und die dauerhafte Verabreichung von viel zu hohen Dosen zu einem Medikamentenmissbrauch geführt. Die Folgen seien irreparable Störungen von Bewegungsabläufen sowie Defekte am Zentralen Nervensystem. Da diese Folgewirkungen mit derzeit verfügbaren Untersuchungsmethoden nicht oder nur gering belegbar seien, so Stein, würden sie oft nicht ernst genommen oder verharmlost. Viele Psychiater seien sich der gefährlichen Nebenwirkungen nicht bewusst, andere deklarieren sie als Einbildung oder schreiben ihnen seelische Ursachen zu, klagt die Autorin. Für den Patienten entstehe so ein Teufelskreis, aus dem er selten ausbrechen könne.

Unterstützung von außen ist wichtig. »Der Patient ist häufig über seine Rechte nicht informiert«, betont Vera Stein. Deshalb besteht ein hoher Beratungsbedarf. Ihrer Ansicht nach ist für stationär zu behandelnde Patienten eine Vermittlerperson »von außen« besonders wichtig, damit seine Interessen und Bedürfnisse vertreten werden. Auch die sozialen Bindungen müssten während der Therapie aufrechterhalten bleiben und das engste Umfeld möglichst mit in die Behandlung einbezogen werden. »Es ist wenig sinnvoll, wenn Therapeuten bestimmte Personen als Sündenböcke hinstellen, da die Schwierigkeiten gemeinsam gelöst werden müssen«, schreibt sie in ihrem Patientenbericht. Aufgrund ihrer Erfahrungen fordert Vera Stein vor allem bei leichteren Fällen eine ambulante Behandlung, damit der Patient weitgehend unabhängig bleiben kann und seine Selbständigkeit nicht verlernt. Eine gute Alternative sind laut Stein Selbsthilfegruppen, in denen ein Austausch von Erfahrungen stattfinden kann.

Über die Autorin

Vera Stein, 1958 in Südamerika geboren, kam 1960 mit ihrer Familie nach Deutschland. Im Alter von drei Jahren erkrankte das Mädchen an Kinderlähmung und kam mit 15 Jahren in die Psychiatrie, die fortan ihr Lehen bestimmte. Sie fand schließlich hei einer Mitpatientin und deren Familie eine liebevolle Aufnahme. Doch ihr Leidensweg war damit nicht zu Ende, denn es begann ihr »beschwerliches Einfinden ins Leben«.

Weitere Bücher von Vera Stein im Antipsychiatrieversand: Abwesenheitswelten – Meine Wege durch die Psychiatrie (1993) · Diagnose unzurechnungsfähig! Sie entkam dem Räderwerk der Psychiatrie und kämpfte um ihr Recht bis zum Europäischen Gerichtshof – mit Erfolg (2006) · Trotzdem. Behindert ist man nicht – behindert wird man (2006) · Mit dem Rücken zur Wand. Ein Ratgeber – So setze ich mein Recht im Arzthaftungsprozess durch! (2012)