Bettina Schöne-Seifert / Davinia Talbot / Uwe Opolka / Johann
S. Ach (Hg.) Kartoniert,
367 Seiten, 15,4 x 22,3 cm, ISBN 978-3-89785-602-8. Paderborn: mentis Verlag
2009. € 39.80 / sFr 63.90 / sofort lieferbar
Inhaltsverzeichnis | Über die Herausgeber & Herausgeberinnen | Pressestimme | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home | zurück zur letzten Seite Ärztliche und philosophische Betrachtungen über den Einsatz psychiatrischer Psychopharmaka und sonstiger Substanzen als Lifestylemedikamente bei Normalen zur (vermeintlichen) Steigerung ("Enhancement") des Lebensniveaus. Was beispielsweise rechtfertigt die prinzipiell andere Beurteilung medizinisch-synthetischer Substanzen (wie z. B. das amphetaminähnliche Ritalin zur Manipulation des Hirnstoffwechsels gegenüber natürlichen Mitteln wie z.B. Kaffee)? "Zeigt sich nicht schon jetzt", fragt die Mitherausgeberin Bettina Schöne-Seifert, "dass die bloße Verfügbarkeit selbst dubioser Aufputscher in unseren Ellbogen-Gesellschaften ein gewaltiges Zwangspotenzial zum Mitmachen-Müssen birgt?" Die überfällige Diskussion neuropsychopharmakologischen Hirndopings beginnt. Originalausgabe Original-Verlagsinfo Unter Neuro-Enhancement versteht man Maßnahmen zur gezielten Verbesserung geistiger Fähigkeiten oder psychischer Befindlichkeiten bei Gesunden. Dank des großen neurowissenschaftlichen Erkenntniszuwachses der letzten Jahre sind etliche Ansätze zum Verständnis und zur Behandlung von krankhaften Befunden wie Gedächtnisschwund, Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen oder Narkolepsie (Schlafsucht) entwickelt worden. Die pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Interventionen, die hier wirksam Abhilfe schaffen können, eignen sich zum Teil zugleich auch als Enhancement-Methoden – eben bei Gesunden. Der vorliegende Sammelband beleuchtet ethische und soziale Aspekte, die sich aus der Anwendung von Neuro-Enhancement ergeben: neben den grundsätzlichen Möglichkeiten für Neuro-Enhancement Fragen der Authentizität und Verantwortlichkeit des Individuums, soziale Folgen mit Blick auf Gerechtigkeit und Wettbewerbspraxis, zugrundeliegendes ärztliches Aufgaben- und Rollenverständnis. Das Buch ist ein transdisziplinärer Diskurs mit Stimmen aus Philosophie, Medizin, Rechts-, Neuro- und Politikwissenschaften. Über die Herausgeberinnen & Herausgeber Bettina Schöne-Seifert, geb. 1956, Studium der Humanmedizin und Philosophie in Freiburg, Wien und Göttingen. Ärztliche Approbation und medizinische Promotion 1982. Habilitation 2000 an der Philosophischen Fakultät Göttingen. Seit 2003 Inhaberin des Lehrstuhls für Medizinethik an der Universität Münster. Davinia Talbot, Studium der Humanmedizin, Philosophie und Anglistik in Münster, Witten-Herdecke und York. Ärztliche Approbation 2005, Magistergrad 2006. Derzeit mit je halber Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Universität Münster und als Assistenzärztin in der Anästhesiologie und Intensivmedizin an der St. Barbara-Klinik Hamm. Uwe Opolka, Studium der Philosophie, Germanistik, Politikwissenschaft, Soziologie und Musikwissenschaft in Tübingen. Wissenschaftlicher Referent am Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) in Delmenhorst. Johann S. Ach, geb. 1961, Studium der Philosophie,
Theologie und Soziologie in Augsburg und Münster. 1997 Promotion. Seit Oktober
2003 Geschäftsführer des Centrums für Bioethik der Universität Münster. Weitere Bücher von Bettina Schöne-Seifert und Davinia Talbot im Antipsychiatrieversand: Enhancement Die ethische Debatte "Aus der Sicht eines Psychiatriebetroffenen, dem Psychiater nur mit brutaler Gewalt ihre Psychopharmaka verabreichen konnten, ist die vorliegende Problemlage auf den ersten Blick absurd: Andere nehmen psychiatrische Psychopharmaka von sich aus ein, als Lifestylemedikament, zur Verbesserung der Laune oder der geistigen Leistungsfähigkeit. Um Neuroleptika geht es allerdings nicht, die geben höchstens Dressurreiter ihren Pferden als "Dopingmittel", damit diese die antrainierten Bewegungsabläufe wiederholen, ohne von der natürlichen Bewegungslust abgelenkt zu werden. Vielmehr geht es um Antidepressiva wie den Serotoninwiederaufnahmehemmer Fluoxetin, das aus welchen Gründen auch immer in der Szene als nicht abhängig machende Glückspille gilt, um Methylphenidat (Ritalin), das bei Erwachsenen eine den den Amphetaminen vergleichbare aufputschende Wirkung hat, oder das Stimulanzmittel Modafinil (Vigil, Provigil), das Mediziner zur Behandlung von Narkolepsie (exzessiver Tagesmüdigkeit) verschreiben. Dem Beispiel von Medizinern, alle möglichen Medikamente "off label", also nach Gusto und jenseits der zugelassenen Indikationen einzusetzen, folgen inzwischen Normalbürger, die als gesund gelten, jedoch glauben, dass sie Psychopharmaka zwecks Hirndoping einnehmen können. Da sie dies in zunehmendem Umfang tun und sich nicht mehr auf äußere chirurgische Eingriffe wie Brustvergrößerung, Penisverlängerung, Fettabsaugen am Popo, Gesichtsliften, Schamlippen- oder Nasenkorrektur beschränken, um sich besser zu präsentieren, drängt sich die Diskussion über das sogenannte Neuro-Enhancement auf: die vermeintliche Steigerung ("Enhancement") des Lebensniveaus bei Normalen durch das Schlucken zentralnervös wirksamer Substanzen. Was beispielsweise rechtfertigt bei der Manipulation des Hirnstoffwechsels die prinzipiell andere Beurteilung medizinisch-synthetischer Substanzen als natürliche Mittel? "Zeigt sich nicht schon jetzt", fragt die Mitherausgeberin Bettina Schöne-Seifert, "dass die bloße Verfügbarkeit selbst dubioser Aufputscher in unseren Ellbogen-Gesellschaften ein gewaltiges Zwangspotenzial zum Mitmachen-Müssen birgt?" Der Sammelband beleuchtet ethische und soziale Aspekte, die sich aus der Anwendung von Neuro-Enhancement ergeben: neben den grundsätzlichen Möglichkeiten für Neuro-Enhancement Fragen der Authentizität und Verantwortlichkeit des Individuums, soziale Folgen mit Blick auf Gerechtigkeit und Wettbewerbsdruck, zugrunde liegendes ärztliches Aufgaben- und Rollenverständnis. Das Buch ist ein transdisziplinärer Diskurs mit Stimmen aus Philosophie, Medizin, Rechts-, Neuro- und Politikwissenschaften." (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten) |