Bestellen Sie nachhaltig antipsychiatrisch! 

Joachim Schnackenberg / Christian Burr
Stimmenhören und Recovery – Erfahrungsfokussierte Beratung in der Praxis

CoverKartoniert, 172 Seiten, 4 Abbildungen, 16,5 x 24 cm, ISBN 978-3-88414-656-9. Köln: Psychiatrieverlag 2017. € 25.– / Preis in sFr / sofort lieferbar
Über die Autoren | Rezension |     home
Buch über die einzelnen Schritte des erfahrungsfokusierten Beratungsprozesses (unter anderem das »Maastricher Interview«) für Mitarbeiter der stationären, teilstationären und ambulanten Betreuung stimmenhörender Menschen. Mit dem Beitrag »Stimmenhören bei Kindern und Jugendlichen« von Senai Debesay, einem Geleitwort von Sandra Escher und Marius Romme und einem Vorwort von Gianfranco Zuaboni. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Experience Focussed Counselling (efc) ist ein psychosozialer Beratungsansatz, der von Prof. Dr. Romme und Dr. Escher an der Universität Maastricht entwickelt wurde. Das Phänomen Stimmenhören wurde entpathologisiert – das Erfahrungswissen von Betroffenen schuf einen neuen Zugang zu den Stimmen und einem konstruktiven Umgang mit ihnen. Wie Pflegefachpersonen und Profis aus sozialpsychiatrischen Arbeitsfeldern diesen Ansatz in der Pflegepraxis erfolgreich umsetzen, stellen zwei Experten aus der Praxis überzeugend dar.

Pflegefachpersonen und Sozialarbeitende finden in diesem Buch theoretisches und sehr praktisches Wissen zum efc-Konzept. Fallbeispiele erschließen den erfahrungsfokussierten Ansatz für Pflegefachpersonen und Sozialarbeitende kompakt und praxisnah entlang des Pflegeprozesses. Schwerpunkt ist die praktische Unterstützung von Stimmenhörenden im Alltag und verschiedenen Settings. Aber auch der konventionellen Behandlung des Symptoms Stimmenhören durch Medikamente ist ein besonderes Kapitel gewidmet, das zeigt, dass der erfahrungsfokussierte Beratungsansatz nicht im Widerspruch zur medikamentösen Behandlung steht, aber oft zur Reduzierung der Dosis oder gar zum Absetzen der Medikamente führen kann.

Ein Buch aus der pflegerischen und beratenden Praxis für die Praxis.

Über die Autoren

Joachim Schnackenberg hat Pflege studiert und nach der Übersetzung von Stimmenhören verstehen das efc-Institut (experience focused counseling) gegründet.

Christian Burr ist Pflegeexperte MScN und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Forschung und Entwicklung Pflege der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Bern.

Weitere Bücher mit Beiträgen von Christian Burr im Antipsychiatrieversand: Recovery in der Praxis – Voraussetzungen, Interventionen, Projekte

Rezension

Das Buch handelt von den einzelnen Schritten des erfahrungsfokussierten Beratungsprozesses für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der stationären, teilstationären und ambulanten Betreuung stimmenhörender Menschen. Diese Herangehensweise soll einen völlig neuen Zugang ermöglichen zu bisher in der Psychiatrie als nicht verstehbar eingestuftem Erleben und zu einem respektvollen, effektiven und psychopharmakafreien Umgang mit psychiatrischen Ausnahmesituationen im ambulanten, Akut- und Langzeitsetting – »noch besser als zuvor«, natürlich personenzentriert und unter Berücksichtigung der Perspektive und Erfahrung der Betroffenen. Geschrieben ist das Buch meist umgangssprachlich, was angenehm zu lesen ist, allerdings sprechen die Autoren recht selbstgefällig von psychiatrisch Tätigen als »Fachpersonen«, weisen ihnen damit von vornherein eine fachliche Kompetenz zu, was für Nichtfachpersonen, die Betroffenen, nur noch den Laienstatus übrig lässt. Die Kapitel des Buches behandeln die Bedeutung des Stimmenhörens, Hilfsmittel der erfahrungsfokussierten Beratung (das Maastrichter Interview, ein konstruktives Gespräch über die Erfahrung des Stimmenhörens; den Maastrichter Bericht, eine geordnete Zusammenfassung eines Interviews durch die »Fachperson«; das Maastrichter Konstrukt, die inhaltliche Interpretation durch die »Fachperson«). Allerdings findet alles in Absprache mit den Betroffenen statt, das Ziel soll eine gemeinsame Sichtweise sein. Weiter geht das Buch mit dem Begleitprozess der verschiedenen Phasen der erfahrungsfokussierten Beratung: der Informationssammlung, den Instrumenten der Einschätzung (Skalen, Fragebögen), dem gemeinsamen Festsetzen von Zielen des Begleitprozesses, der Haltung der »Fachperson«, dem Anbieten von Bewältigungsstrategien, der Entwicklung langfristiger Strategien der Kontrolle der Stimmen und dem Prozess der gemeinsamen Stimmenarbeit anhand von Beispielen von Begleitern sowie von Betroffenen. Obwohl deren Namen anonymisiert sind, erhalten sie in traditionell infantilisierender Weise nur Vornamen, bei »Fachpersonen« wird dagegen hier auch ein Nachname genannt. Zuletzt folgen noch die Artikel »Stimmenhören bei Kindern und Jugendlichen« sowie »Stimmen und Antipsychotika«: erfahrungsfokussierte Beratung führe oft zur Reduzierung dieser Substanzen, gelegentlich gar zum Absetzen. Die Entscheidung von Betroffenen, ihre Psychopharmaka abzusetzen, solle respektiert werden, sie sollten beim Absetzprozess unterstützt werden – eine sympathische Haltung, offenbar Folge des Symposiums »Psychopharmaka absetzen: Warum, wann und wie« von Asmus Finzen und Peter Lehmann bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. 2014 (nachzulesen in: Soziale Psychiatrie, 2/2015 – www.antipsychiatrieverlag.de/artikel/gesundheit/pdf/absetzen-bremen.pdf). Hoffen wir, dass das Verständnis stimmenhörender Menschen und eine daraus folgende humanistisch orientierte Behandlung, wie sie Christian Burr und Joachim Schnackenberg befürworten, irgendwann nicht nur Stimmenhörern widerfährt, sondern auch Bildersehern und Gedankenhabern. (Peter Lehmann, FAPI-Nachrichten)