Marc Rufer
Wer ist irr?

CoverKartoniert, 224 Seiten, 15 x 21 cm, ISBN 978-3-7296-0376-9. Bern / Bonn / Wien: Zytglogge Verlag 1991. € 24.50 / sFr 29.40 / sofort lieferbar In den Warenkorb
Autor | Rezension von Rolf Bräm, Zürcher Magazin | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home
Über ethnisch-rassistische und sadomasochistische Psychiatrie

Original-Verlagsinfo

Der bekannte Antipsychiater übt massive Kritik an der Psychiatrie. Er illustriert seine Thesen mit zwei fiktiven Geschichten eines Schizophrenen und eines Manisch-Depressiven, die den Handlungsrahmen abgeben. Er fordert eine breit angelegte Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit und eine vorwiegend soziologische Orientierung der Psychiatrie, Einfühlung statt Zwang und Gesellschaftskritik. Ein flammender Aufruf, der trifft und betroffen macht.

Foto von Marc Rufer

Der Autor

Dr. med., Psychotherapeut. Nach Abschluss meines Medizinstudiums arbeitete ich als Assistenzarzt in einer grossen staatlichen Psychiatrischen Anstalt. Von Anfang an tat ich mich sehr schwer mit der psychiatrischen ›Diagnostik‹ und ›Behandlung‹ von psychischen ›Störungen‹. Den Schritt zur Kritik der Psychiatrie als Ganzes machte ich erst nach einer Zeit der intensiven Auseinandersetzung. Mit meinen Büchern und vielen Zeitschriften- und Zeitungsartikeln versuche ich, psychiatriekritische Gedanken öffentlich zu machen.

Weitere lieferbare Titel von Marc Rufer oder mit Beiträgen von ihm:

Rezension von Rolf Bräm (Zürich): Psychiatriekritisches

in: »Kleiner Bund« vom 10. August, Nr. 185

Von zwei »fiktiven und pseudoliterarischen... Berichten« gesprochen wird in der Kritik über Marc Rufers neues Buch »Wer ist irr?«. Aufgrund von eigenen Erfahrungen und von Aussagen Betroffener sehe ich in den beiden Fällen eine sehr realistische Schilderung, um so mehr, als Rufer die menschlichen Probleme auch sehr eindrücklich schildert, um dann aber die schrecklichen Folgen der psychiatrischen Behandlung schonungslos aufzuzeigen. Als Fiktionen sehe ich eher jene Flut von Publikationen, in denen sich die Psychiater selber rühmen und Erfolge behaupten, die bei dieser mechanistisch-chemischen Psychiatrie gar nicht möglich sind. Wer nun aber die unangenehme Wahrheit über diese Psychiatrie nicht von Marc Rufer geschildert haben will, kann sich den Film »An Angel At My Table« ansehen. Auch hier sind die menschlichen Probleme von Jane Campion nicht verschwiegen, und man sieht dann eben auch, wie eine Diagnose »Schizophrenie« einen achtjährigen Klinikaufenthalt mit 300 Elektroschocks zur Folge hat. Die Rehabilitierung erfolgt erst klinikextern durch die Gesellschaft.

Dazu müsste man eigentlich Marc Rufers Frage stellen: Wer ist irr? Hier handelt es sich zwar um einen Film, der sehr schön und poetisch ein Frauenschicksal darstellt, aber es ist eine Autobiographie. Damit entfällt der Einwand, der Marc Rufer in der Kritik vorgeworfen wird. Solche »Geschichten«, in denen die Psychiatrie jämmerlich versagt, gibt es eben zuhauf – sie sind nicht fiktiv.

Weitgehend richtig ist der kritische Vorwurf, dass der Autor zur Hauptsache kritisiere. Müssen wir aber nicht vorerst froh sein um Kritik, wenn über die Psychiatrie fast nur verharmlosende und beschönigende Berichte zu vernehmen sind? Froh sein, dass einer aussteigt aus einer autoritären, Selbstkritik-unfähigen Kaste?

Rezension: Wer ist irr?

Das fragt sich schon seit vielen Jahren einer, der es eigentlich wissen muss: der 1942 in Berg geborene Marc Rufer. Er war Assistenzarzt in der kantonalen psychiatrischen Klinik Königsfelden, führt seit 1975 eine psychotherapeutische Praxis in Zürich und ist publizistisch tätig. Sowohl sein erstes Buch »Irrsinn Psychiatrie« (1988) und eben »Wer ist irr?« (1991) sind beide im Zytglogge Verlag Bern erschienen.

Rufer gehört zu den – zweifellos notwendigen – Kritikern einer medizinischen Richtung, die oft im Kreuzfeuer steht, doch dieser Kritiker weiss wovon er schreibt. »Es ist ein Buch«, so Rufer in einem Radiointerview, »mit Geschichten, die sich leicht lesen. Gedacht für all jene, die keine Fachbücher lesen wollen.« Das Buch enthält, neben fünf Essays, zwei fiktive Geschichten, jene von Eugen und Martin. Der eine gilt als »manisch«, der andere als »schizophren«. Rufer hat sich in zwei Menschen hineinversetzt und erzählt, wie es »Geisteskranken« ergeht, wie es jedem von uns ergehen kann, wenn er mal in die Mühlen der Psychiatrie kommt: »Ich habe mir dabei überlegt, wie würde ich mich fühlen, wenn ich zwangseingeliefert würde. Und dabei habe ich eben meine Gefühle ausgedrückt.« Ein erschütterndes Buch, ein Buch, das Angst machen kann, zugleich aber auch neue Hoffnungen wachsen lässt.

in: Zürcher Magazin 3/92