| |
Marc Rufer
Wer ist irr?
Kartoniert,
224 Seiten, 15 x 21 cm, ISBN 978-3-7296-0376-9. Bern / Bonn / Wien:
Zytglogge Verlag 1991. € 16. / sFr 23.95 / sofort lieferbar
Autor | Rezension von Rolf
Bräm, Zürcher Magazin
| Liefer-
& Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home
| zurück zur
letzten Seite
Über ethnisch-rassistische und sadomasochistische Psychiatrie Original-Verlagsinfo Der
bekannte Antipsychiater übt massive Kritik an der Psychiatrie. Er illustriert
seine Thesen mit zwei fiktiven Geschichten eines Schizophrenen und eines Manisch-Depressiven,
die den Handlungsrahmen abgeben. Er fordert eine breit angelegte Auseinandersetzung
in der Öffentlichkeit und eine vorwiegend soziologische Orientierung der
Psychiatrie, Einfühlung statt Zwang und Gesellschaftskritik. Ein flammender
Aufruf, der trifft und betroffen macht. |
Der
Autor Dr. med., Psychotherapeut. Nach Abschluss meines Medizinstudiums
arbeitete ich als Assistenzarzt in einer grossen staatlichen Psychiatrischen Anstalt.
Von Anfang an tat ich mich sehr schwer mit der psychiatrischen Diagnostik
und Behandlung von psychischen Störungen. Den Schritt
zur Kritik der Psychiatrie als Ganzes machte ich erst nach einer Zeit der intensiven
Auseinandersetzung. Mit meinen Büchern und vielen Zeitschriften- und Zeitungsartikeln
versuche ich, psychiatriekritische Gedanken öffentlich zu machen.
Weitere lieferbare Titel von Marc Rufer oder mit Beiträgen
von ihm:
|
-
Lehmann, Peter (Hg.): Psychopharmaka
absetzen. Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva,
Phasenprophylaktika, Ritalin und Tranquilizern. Mit Marc Rufers
Beitrag "Angst machen Angst nehmen. Beim Absetzwunsch
wird die Meinung der Ärzte zur Gefahr" (S. 211-225)
-
Lehmann, Peter (Ed.): Coming
off Psychiatric Drugs Successful Withdrawal from
Neuroleptics, Antidepressants, Lithium, Carbamazepine and Tranquilizers.
With Marc Rufer's chapter "Creating Fear/Removing Fear:
When You Wish to Withdraw, the Opinion of Your Doctor is Dangerous" (pp.
197-209)
-
Lehmann, Peter / Anna Emmanouilidou (Eds.): Βγαίνοντας
από τα ψυχοφάρμακa.
With Marc Rufer's chapter "Creating Fear/Removing Fear:
When You Wish to Withdraw, the Opinion of Your Doctor is Dangerous" in
Greek translation (pp. 149-164)
-
Lehmann, Peter / Peter Stastny (Hg.): Statt
Psychiatrie 2. Mit Marc Rufers Beitrag "Psychiatrie
– ihre Diagnostik, ihre Therapien, ihre Macht" (S. 400-418)
-
Pro Mente Sana Aktuell: Dossier
Psychopharmaka. Mit Marc Rufers Beitrag "Schizophrene,
die hoch dosiert Neuroleptika erhalten, begehen vermehrt Selbstmord"
(S. 34)
-
Rufer, Marc: Irrsinn
Psychiatrie. Psychisches Leiden ist keine Krankheit. Die
Medizinalisierung abweichenden Verhaltens ein Irrweg
-
Stastny, Peter / Peter Lehmann (Eds.): Alternatives
Beyond Psychiatry. Mit Marc Rufers Beitrag "Psychiatry—Its
diagnostics, its therapies, its power" (pp. 378–395)
-
Widerspruch 50: Alternativen!
Mit Marc Rufers Beitrag "Neuromythologie und die Macht
der Psychiatrie Zur Dominanz des neurobiologisch-psychiatrischen
Denkstils" (S. 145-156)
- Wollschläger, Martin (Hg.): Sozialpsychiatrie.
Entwicklungen Kontroversen Perspektiven. Mit
Marc Rufers Beitrag "Psychopharmaka fragwürdige
Mittel zur Behandlung von fiktiven Störungen. Denkanstösse
insbesondere für NichtärztInnen" (S. 225-268)
|
Rezension
von Rolf Bräm (Zürich): Psychiatriekritisches in: »Kleiner
Bund« vom 10. August, Nr. 185 Von zwei »fiktiven und pseudoliterarischen...
Berichten« gesprochen wird in der Kritik über Marc Rufers neues Buch
»Wer ist irr?«. Aufgrund von eigenen Erfahrungen und von Aussagen Betroffener
sehe ich in den beiden Fällen eine sehr realistische Schilderung, um so mehr,
als Rufer die menschlichen Probleme auch sehr eindrücklich schildert, um
dann aber die schrecklichen Folgen der psychiatrischen Behandlung schonungslos
aufzuzeigen. Als Fiktionen sehe ich eher jene Flut von Publikationen, in denen
sich die Psychiater selber rühmen und Erfolge behaupten, die bei dieser mechanistisch-chemischen
Psychiatrie gar nicht möglich sind. Wer nun aber die unangenehme Wahrheit
über diese Psychiatrie nicht von Marc Rufer geschildert haben will, kann
sich den Film »An Angel At My Table« ansehen. Auch hier sind die menschlichen
Probleme von Jane Campion nicht verschwiegen, und man sieht dann eben auch, wie
eine Diagnose »Schizophrenie« einen achtjährigen Klinikaufenthalt
mit 300 Elektroschocks zur Folge hat. Die Rehabilitierung erfolgt erst klinikextern
durch die Gesellschaft. Dazu müsste man eigentlich Marc Rufers Frage
stellen: Wer ist irr? Hier handelt es sich zwar um einen Film, der sehr schön
und poetisch ein Frauenschicksal darstellt, aber es ist eine Autobiographie. Damit
entfällt der Einwand, der Marc Rufer in der Kritik vorgeworfen wird. Solche
»Geschichten«, in denen die Psychiatrie jämmerlich versagt, gibt
es eben zuhauf sie sind nicht fiktiv. Weitgehend richtig ist der
kritische Vorwurf, dass der Autor zur Hauptsache kritisiere. Müssen wir aber
nicht vorerst froh sein um Kritik, wenn über die Psychiatrie fast nur verharmlosende
und beschönigende Berichte zu vernehmen sind? Froh sein, dass einer aussteigt
aus einer autoritären, Selbstkritik-unfähigen Kaste? Rezension:
Wer ist irr? Das fragt sich schon seit vielen Jahren einer,
der es eigentlich wissen muss: der 1942 in Berg geborene Marc Rufer. Er war Assistenzarzt
in der kantonalen psychiatrischen Klinik Königsfelden, führt seit 1975
eine psychotherapeutische Praxis in Zürich und ist publizistisch tätig.
Sowohl sein erstes Buch »Irrsinn Psychiatrie« (1988) und eben »Wer
ist irr?« (1991) sind beide im Zytglogge Verlag Bern erschienen. Rufer
gehört zu den zweifellos notwendigen Kritikern einer medizinischen
Richtung, die oft im Kreuzfeuer steht, doch dieser Kritiker weiss wovon er schreibt.
»Es ist ein Buch«, so Rufer in einem Radiointerview, »mit Geschichten,
die sich leicht lesen. Gedacht für all jene, die keine Fachbücher lesen
wollen.« Das Buch enthält, neben fünf Essays, zwei fiktive Geschichten,
jene von Eugen und Martin. Der eine gilt als »manisch«, der andere als
»schizophren«. Rufer hat sich in zwei Menschen hineinversetzt und erzählt,
wie es »Geisteskranken« ergeht, wie es jedem von uns ergehen kann, wenn
er mal in die Mühlen der Psychiatrie kommt: »Ich habe mir dabei überlegt,
wie würde ich mich fühlen, wenn ich zwangseingeliefert würde. Und
dabei habe ich eben meine Gefühle ausgedrückt.« Ein erschütterndes
Buch, ein Buch, das Angst machen kann, zugleich aber auch neue Hoffnungen wachsen
lässt. in: Zürcher Magazin 3/92 
|