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Sibylle Prins (Hg.)
Seitenwechsel Psychiatrieerfahrene Professionelle erzählen
Kartoniert,
189 Seiten, 14,8 x 21 cm, ISBN 978-3-926200-70-9. Neumünster:
Paranus Verlag, 2. Auflage 2010. € 16.80 / sFr 20.20 / sofort
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Wie sieht die Psychiaterin nach ihrem Klinikaufenthalt als Patientin
die Psychiatrie und wie, wieder im Job, ihre eigene Arbeit?
Und was berichten Psychiatriebetroffene, die die Seiten wechseln und
im psychiatrischen Bereich arbeiten? Originalausgabe 2006
Original-Verlagsinfo
Psychiatrie teilt sich seit jeher in "zwei Lager": Die, die behandelt
werden, auf der einen Seite, und die, die behandeln, auf der anderen.
Dazwischen eine scheinbar unüberbrückbare Kluft.
Sibylle Prins hat Menschen gesucht und gefunden, die beide Seiten
aus eigener Erfahrung kennen professionelle Mitarbeiter/innen
aller Berufsgruppen in der Psychiatrie, die selbst psychische Krisen
und psychiatrische Behandlung erfahren haben.
Wie sieht die Psychiaterin nach ihrem Klinikaufenthalt als Patientin
die Psychiatrie und wie, wieder im Job, ihre eigene Arbeit?
Und was berichten Psychiatrie-Erfahrene, die die Seiten wechseln
und erfolgreich im psychiatrischen Bereich arbeiten obwohl
ihnen gesagt wurde, sie dürften auf keinen Fall einen sozialen Beruf
ergreifen, schon gar nicht in der Psychiatrie? Ist eine solche doppelte
Psychiatrie-Erfahrung hilfreich oder problematisch oder beides
zugleich? Wie sieht es aus mit der viel beschworenen Abgrenzungs-
und Rollenproblematik? Ist die bewusste Schaffung von Arbeitsplätzen
für Psychiatriebetroffene in der Psychiatrie ein Modell der Zukunft?
Die erzählenden Interviews in diesem Buch geben aufschlussreiche
Antworten und überwinden damit das "Lagerdenken" in der Psychiatrie.
Eine längst überfällige Diskussion ist eröffnet.
Über die Herausgeberin
Sibylle Prins, geb. 1959, ursprünglich Sonderschullehrerin, nach
kaufmännischer Umschulung zwölf Jahre als Verwaltungsangestellte
tätig, inzwischen berentet; Psychiatrie-Erfahrung seit 1986, seit
1991 aktiv in Selbsthilfe und Trialog, u.a. als Autorin und mit
Tagungsbeiträgen.
Leseprobe
Sibylle Prins: War dein psychiatrisches Vorverständnis dir
in und nach deinen eigenen Krisen eher förderlich oder hinderlich?
Margret Osterfeld: Erst einmal war es sehr hilfreich. In dieser
akuten Zeit des Eingesperrtseins habe ich oft zu mir und manchmal
auch zu anderen gesagt: "Wenn ich nicht selber Psychiaterin wäre
und wüsste, warum sie so handeln und was die sehen, worauf sie ihre
Entscheidungen gründen, dann würde ich hier verrückt." Also ohne
mein professionelles Vorwissen wäre ich in diesen Wochen völlig
durchgedreht. Ich hätte nie wieder gewusst, wem ich trauen kann
usw. Es gab aber auch Situationen, wo mein Fachwissen es mir schwerer
gemacht hat. Wenn ich zum Beispiel nur naiv medikamentengläubig
gewesen wäre, wären gewisse Konflikte gar nicht erst entstanden.
Das andere ist aber, dass jede so tief gehende Krise und solches
Erleben, die Gewalterfahrungen ich nenne das einmal "seelische
Vergewaltigung" -, die hinterlassen natürlich seelische Spuren,
sind für jeden Menschen schwierig die ganze Identität ist
in Frage gestellt. Es war sehr lange schlimm für mich, dass meine
berufliche Identität eben auch völlig in Frage gestellt war, dass
ich eben nicht mehr wusste, ob und wie ich mich überhaupt noch mit
dem Beruf identifizieren kann.
Hat sich im Umgang, im Verhältnis zu deinen Patienten etwas
verändert für dich?
Die Antwort ist ein klares Ja. Heute suche ich das Verständnis
natürlich an vielen Stellen sehr viel bewusster, wenn es die Zeit
erlaubt. Ich selber bin sehr viel zurückhaltender geworden mit Zwangsmaßnahmen.
Auch da hat sich meine Haltung sehr geändert erst mal zu
reflektieren, was gibt es für andere Möglichkeiten und was können
wir machen? Ich könnte nicht auf einer geschlossenen Station arbeiten,
weil ich da diese ständigen Zwangsentscheidungen nicht mittragen
könnte, geschweige denn, sie auch nur halbwegs vernünftig finden
könnte. Da sehe ich mich allemal als traumatisiert.
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