Edward M. Podvoll
Aus entrückten Welten – Psychosen verstehen und behandeln

CoverGebunden, 505 Seiten, 14 x 22 cm, ISBN 978-3-7205-2560-2. München: Ariston Programm im Heinrich Hugendubel Verlag 2004. Vergriffen, nicht mehr lieferbar

Empfohlener Ersatztitel: Michael Herrick / Anne Marie DiGiacomo / Scott Welsch: "Windhorse", in: Peter Lehmann / Peter Stastny (Hg.): "Statt Psychiatrie 2", 2007, S. 173-186 / E-Book 2014
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Erweiterte Neuausgabe des Buches "Verlockung des Wahnsinns" (vergriffen; original 1990). US-amerikanischer Psychiater, buddhistisch geprägt, entwickelt aus detailliert dokumentierten Selbstzeugnissen seine Theorie der Psychose und ihrer Heilung und beschreibt das Windhorse-Projekt (1983-89) und das nachfolgende »Haus der Freundschaft«: therapeutische Gemeinschaften jenseits der Psychiatrie. Darüber hinaus hilft Podvoll bei der Bewältigung innerer Stimmen, die beim Meditieren eine verwirrende Wirkung entfalten können. Amerikanisches Original der Neuausgabe 2003

Original-Verlagsinfo

Dieser Klassiker lässt sich einreihen in die großen Themen der Psychologie. Edward M. Podvoll erläutert und analysiert anhand von Fallbeispielen verschiedene Facetten des Wahnsinns Vorgänge, die zum Wahnsinn führen, Phasen des Wahnsinns und den Prozess der Heilung. Er entwickelt einen eigenen Heilansatz, in dem alte Weisheiten westlicher und östlicher Kulturen sowie mitmenschliche Zuwendung zum Erkrankten verbunden werden. Ein Buch, das über viele Jahre zur therapeutischen Praxis gehört.

Über den Autor

Edward M. Podvoll (1936-2003) war Psychiater und Psychoanalytiker. Gründung der Abteilung 'Kontemplative Psychotherapie' an der Naropa Universität in Boulder/Colorado. Außerdem Gründer und medizinischer Direktor des Windhorse Projekts – einer experimentellen psychiatrischen Gemeinschaft, die das Selbstheilungspotential des Patienten in den Vordergrund stellt.

Weitere Bücher mit Beiträgen über Windhorse im Antipsychiatrieversand

  • Lehmann, Peter / Peter Stastny (Hg.): Statt Psychiatrie 2 mit dem Artikel "Windhorse" von Michael Herrick / Anne Marie DiGiacomo / Scott Welsch (S. 173-186)  

  • Stastny, Peter / Peter Lehmann (Eds.): Alternatives Beyond Psychiatry with the contribution "The Windhorse Project" by Michael Herrick / Anne Marie DiGiacomo / Scott Welsch (pp. 164-176)

Rezension zu "Verlockung des Wahnsinns"

Podvoll ist ein amerikanischer Psychiater, der von drei sehr genauen Selbstbeschreibungen ausgehend eine Psychosetheorie entwickelt (dem Adligen John Thomas Perceval aus dem 19. Jh., verrückt, Zwangsjacke, Aufdeckung in 2 Büchern, antipsychiatrisch aktiv; John Custance, geb. 1900, Banker, Geheimdienst, »manisch-depressiv«, Anstalten, Schocks, Bücher, Kämpfer für Patientenschutz; Donald Crowhurst, 1932-69, Ingenieur, der als Ein-Mann-Segler die Welt umrunden wollte, dabei größenwahnsinnig wurde und starb, minutiös Logbuch schrieb). Psychose ist für ihn »die natürliche Folge der besonderen Lebensumstände eines Menschen«, die bestimmte Stadien durchläuft (»Teufelskreis des Verrückt-Werdens«, »Spirale des Größenwahns«) und einer »natürlichen Heilung« zugänglich ist: »Letzten Endes hängt die Heilung eines Psychotikers davon ab, welche Bereitschaft und Fähigkeit er besitzt, sich auf die detaillierte Erkundung seines eigenen Geisteszustandes einzulassen, und zwar aus eigenem Antrieb und ganz auf sich allein gestellt.«

Es geht Podvoll aber nicht um die aus esoterischen Kreisen bekannte Trennung der »spirituellen Krisen« von den psychiatrischen, sondern er ruft auf zur Selbsthilfe. Ob man seinen Theorien und Ratschlägen nun folgt oder nicht, Grundlage und Herzstück des Buches sind die Selbstbeobachtungen (s.o.) und die praktischen Konsequenzen im zweiten Teil: das Windhorse-Projekt (intensiv betreute WG's mit einer/m vorher Psychiatrisierten. Die WG's beruhten auf Respekt, Alltagshilfen, Psychopharmakareduzierung) und in der Folge das »Haus der Freundschaft« (fünf LangzeitinsassInnen, zwei HausgenossInnen, dreißig zum Großteil ehrenamtliche HelferInnen).

Schlüsselwort für beide Projekte ist die »Basisbetreuung«: Für drei Stunden täglich steht den einzelnen »Betreuten« jemand zur Verfügung, um genau das zu tun, was diese gerade brauchen. Das kann alles sein, ein Spaziergang, zusammen aufräumen, ins Kino gehen, reden, schweigen. Es klingt so einfach, erfordert aber, wie Podvoll ausführlich beschreibt: »Präsent sein«, »den andern einlassen«, »gewähren lassen«, »mitnehmen«, »wahrnehmen«, die »Entdeckung der Freundschaft«. Die Beschreibungen der sechs Jahre Windhorse und des einen Jahres »Haus der Freundschaft« haben mir besonders gefallen und mich auch großzügig gemacht gegenüber dem üblichen Vokabular, das Podvoll sorglos benutzt. Er spricht von Geisteskranken, die der Pflege bedürfen, er lobt Eugen Bleuler und zitiert stolz dessen Sohn Manfred. Aber er schreibt auch: »Jeder kann endgültig den Verstand verlieren, wenn er nicht sehr gut für ihn sorgt.« Ein nutzbares Buch, respektvoll, bodenständig und buddhistisch angehaucht.

Kerstin Kempker, FAPI-Nachrichten