Pro Mente
Sana Aktuell
Zeitschrift, 40 Seiten, 21 x 29,5 cm, Kopie des vergriffenen Heftes 1/1998.
€ 5.90 / sFr 6.90 / sofort lieferbar
Editorial | Inhalt | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home Kontroverse Beiträge von Psychiatern, Angehörigen und Betroffenen, u.a. von Jürg Gassmann, John P. Kummer, Peter Lehmann, Jakob Litschig, Renate Meier, Marco Merlot, Peter Müller, Sabina Roth, Berthold Rothschild, Eckart Rüther, Marlen Rusch und Adriano Vasella. (Damit wir das Heft kostengünstig als Büchersendung versenden können, haben wir beim Kopieren die Werbeanzeigen überdeckt.) Liebe Leserin, lieber Leser, das Thema Psychopharmaka gehört nach wie vor zu den »heissen Eisen« der Psychiatrie. Es ist darüber hinaus aber auch von gesellschaftlicher Bedeutung. So wird das Arbeitsklima in Zeiten wirtschaftlicher Flauten härter, die Angst vor Stellenverlust steigt vielerorts begründeterweise. Damit nimmt das Bedürfnis nach Beruhigungs- und Schlaftabletten zu. Nie zuvor wurden hierzulande so viele Antidepressiva verschrieben wie heute. In den USA »feiert« man 1998 zehn Jahre Glückspille Prozac, bei uns liegt Fluctine unter den hausärztlich verordneten Antidepressiva auf Rang zwei. »Mother's little helpers« gehören somit fast schon zum Alltag... Und doch wird es um Psychopharmaka nicht ruhig. Um Neuroleptika schon gar nicht. Die Kontroverse hat jedoch an Radikalität und Ideologie verloren, die Zeit der erbitterten Grabenkämpfe scheint vorbei. Stand früher noch das »Ob« im Mittelpunkt, geht es heute punkto Medikamente um das »Wie«. Die Anzeichen mehren sich, dass die Bereitschaft der Fachleute, auch die Bedürfnisse von Patienten wahrzunehmen, wächst. So wird heute laut Berthold Rothschild weniger selbstverständlich »aus dem vollen Köcher mit medizinischen Pfeilen auf die Patienten geschossen«. Liegt das daran, dass die Stimmen von Betroffenen heute ernster genommen werden als früher? Verstehen sie sich wirklich nicht länger als passive Behandlungsobjekte? Pro Mente Sana hat Erfahrene und Betroffene selber gefragt. Ihre Antworten finden Sie im ersten Beitrag. Die mit der Einführung von Antipsychotika und Antidepressiva verbundene Hoffnung ist mittlerweile einer gewissen Ernüchterung gewichen. Fachleute und Betroffene mussten akzeptieren, dass Heil(s)erwartungen an die chemischen Mittel, auch unbewusste, enttäuscht werden. Deren Einsatzmöglichkeit liegt hauptsächlich im Akutbereich. Mehr darüber lesen Sie im Artikel von Marco Merlo. Gewiss, Neuroleptika und Antidepressiva können bei der Wiedereingliederung eine bedeutende Hilfe sein. Ich denke an eine sechzigjährige Frau, die mir vergangenen Sommer schrieb, immerhin könne sie dank der Medikamente noch regelmässig zur Arbeit gehn, und somit ein normales Leben führen. Das Beispiel verdeutlicht, wie Psychopharmaka das Alltagsleben erleichtern können, indem sie Leistungsfähigkeit und Anpassung stabil halten. Insofern erfüllen sie auch eine sozialpsychiatrische Funktion, auch wenn die seelischen Ursachen von Störungen und Leiden damit noch unberücksichtigt und unverstanden bleiben. Darin liegen die Grenzen der Neuroleptika. Über ebendiese Grenzen in der Langzeitbehandlung von Menschen mit schizophrenen Psychosen berichten die Mannheimer Autoren Rüther und Müller. Wertvolle und nötige Hilfestellungen zum Absetzen beschreibt Peter Lehmann. Wie kann es zwischen Arzt und Patient in Sachen Psychopharmaka einen fairen Austausch geben jenseits des Machtgefälles? Diese Frage beantwortet Berthold Rothschild in einem Interview. Um psychoedukatives Training im halbstationären Bereich geht es im Beitrag meiner Kollegin Marlen Rusch. Über die verhängnisvollen Folgen von Medikamenten im Altersheim hat Renate Meier aus der Sicht einer Angehörigen geschrieben. Mit diesem Heft haben wir versucht, nicht neuerlich zu polarisieren, sondern zu einer fairen Diskussion beizutragen. Dabei war es uns wichtig, die Anliegen von direkt Betroffenen gebührend zu berücksichtigen. Sie waren es auch, die erfreulicherweise die Zeichnungen für das Heft geschaffen haben. Ihnen gilt unser besonderer Dank! 1998 feiert die Schweizerische Stiftung Pro Mente Sana ihr 20jähriges Bestehen. Das nächste Heft ist deshalb eine Sondernummer zum Jubiläum. Übrigens: Mit dieser Nummer von Pro Mente Sana aktuell sind wir einem Wunsch unserer Leser nachgekommen und haben durch eine sanfte Anpassung des Layouts die Lesbarkeit der Textbeiträge verbessert. Als weitere Neuerung bieten wir Ihnen jedesmal einen Fall aus unserer juristischen oder psychosozialen Beratung. Diesmal auf Seite 38. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre! Adriano Vasella
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