Pro Mente
Sana Aktuell
Editorial | Inhalt | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home | zurück zur letzten Seite Rückblick auf die Tagung Stationäre Alternativen vom 25. bis 26. November 1992 in Nottwil, Luzern. Mit Beiträgen von Ingrid Albrecht, Jean Ayme, Asmus Finzen, Edgar Heim, Daniel Hell, Theodor Itten, Kerstin Kempker, Matthias Krisor, Peter Lehmann, Vreni Maurer, Hans Red, Soteria Bern, Urs Ruckstuhl, VASK Zürich, Rudolf Welter u.v.m. (Damit wir das Heft kostengünstig als Büchersendung versenden können, haben wir beim Kopieren die Werbeanzeigen überdeckt.) Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin beim Redigieren des PMS-Aktuell 1/93 zum Thema »Stationäre Alternativen«. Das Heft soll ein Rückblick auf die Tagung in Nottwil vom 25-26. November 1992 werden. Alle Berichte der Arbeitsgruppen sind inzwischen eingetroffen, ausser einem, jenem von Roberto Lobos. Telephonisch ist er nicht erreichbar. Dann ruft mich eine seiner ehemaligen Mitarbeiterinnen an. Lobos wird den Bericht über seine Arbeitsgruppe (Thema: Therapeutisches Milieu in klinischen Institutionen) nicht mehr schreiben können: Er ist tot, gestorben am 26. Januar 1993 im Alter von 49 Jahren an einem schweren Krebsleiden. Ich bin erschüttert. Dass Roberto krank war, wusste ich seit dem Frühjahr 1992, als ich ihn einlud, an der Jahrestagung der Pro Mente Sana mitzuwirken. Er erwähnte, dass er eine schwere Krankheit durchgemacht habe und nun auf Rekonvaleszenz hoffe. Gerne würde er mitmachen, aber garantieren könne er seine Anwesenheit im Herbst nicht. Ich hoffte natürlich, dass Roberto gesunde, zitterte hin und wieder, er könnte im letzten Augenblick absagen. Aber Roberto kam nach Nottwil, leitete seine Gruppe, obwohl es ihm schon damals sehr schlecht ging. Ich kannte Roberto von früher, als er erfolgreich die Arbeitserziehungsanstalt Arxhof in eine offene therapeutische Gemeinschaft umwandelte. Er war immer zurückhaltend, nachdenklich, aber sehr bestimmt, von innen heraus bestimmt. Jetzt stand er vor mir: blass, geschwächt, hager, mit einem ungemein sanften Lächeln. Ich dachte, er sei noch rekonvaleszent, aber er war todkrank. Wir wechselten einige Worte. Ich sagte: Es ist schön, dass Sie da sind... Und ich hatte in der Hektik der Tagung (als Tagungsleiter) keine Zeit für ein Gespräch. In der Tat, Robertos Anwesenheit in Nottwil war mir ausserordentlich wichtig: Warum, führe ich in einer kleinen Würdigung auf Seite 40 aus. Während eines Jahres mobilisierte Roberto Lobos all seine Kräfte, um wider alle Wahrscheinlichkeit seine Krankheit zum Stillstand zu bringen. Er sprach davon, dass es etwas vom schwersten auf diesem Weg gewesen sei, sich von Bitterkeit, von Rachegefühlen und von nutzlosen Schuldzuweisungen an die Kleingeister, die sein Lebenswerk zerstört hatten, freizumachen (WoZ). Mit grosser Tapferkeit auch, schon vom Tod gezeichnet, kam Roberto nach Nottwil, weil es ihm wichtig war, noch einmal ein paar Interessierten etwas von seinem Anliegen weiterzugeben. Zurück zum Telefonat mit der ehemaligen Mitarbeiterin von Lobos, das ich eingangs erwähnte. Als ich ihr gegenüber meine Vermutung äusserte, sein früher Tod könnte mit dem Ende des Arxhof in Zusammenhang stehen, antwortete sie schluchzend: Ja, sie sehe das auch so. Die Kränkungen, die er in dieser Zeit habe einstecken müssen, seien ungeheuer gewesen. Die Sache hat ihn also regelrecht umgebracht. Kränkbar muss er gewesen sein, auch er, der die Kränkungen und tiefen Verletzungen seiner Jugendlichen so gut verstanden hatte. Und die Jugendlichen fühlten sich von ihm verstanden und schätzten ihn über alle Masse. Eine weitere Legende ist tot und ein trauriges Lehrstück mehr, dass sich nicht allzu viel aufs Mal verändern darf ist über die Bühne gegangen. Mit freundlichen Grüssen
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