Pro Mente Sana Aktuell
Psychiatrie der Zukunft

CoverZeitschrift, 40 Seiten, 21 x 29,5 cm, Kopie des Heftes 1/2010. € 7.60 / sofort lieferbar / Derzeit keine Lieferung in die Schweiz In den Warenkorb

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Wo steht die Psychiatrie heute? Welche aktuelle Trends zum Besseren gibt es? Welche besorgniserregende Entwicklungen sind zu verzeichnen? Kontroverse Beiträge von Christoph Abderhalden, Gerhard Ebner, Sibylle Glauser, Peter Lehmann, Christoph Lüthy, Gaby Rudolf, Andréa Winter u.v.m. (Damit wir das Heft kostengünstig als Büchersendung versenden können, haben wir beim Kopieren die Werbeanzeigen überdeckt.)

Original-Verlagsinfo

Wo steht die Psychiatrie heute? Welche aktuellen Trends erscheinen uns hoffnungsvoll und sollten verstärkt werden? Wo sind Entwicklungen zu beobachten, die uns mit Besorgnis erfüllen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die vorliegende Ausgabe von Pro Mente Sana aktuell.

Ein Einstiegstext von PD Dr. med. Holger Hoffmann, Chefarzt bei den Universitären Psychiatrischen Diensten (UPD) Bern, bietet einen breiten Überblick über Wünsche und Befürchtungen im Hinblick auf die zukünftige psychiatrische Versorgung in der Schweiz. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage, ob das sozialpsychiatrische Gedankengut wieder erstarken und sich gegenüber den derzeit dominanten neurobiologischen Ansätzen wieder wird behaupten können. Auf diesem Boden könnten auch die Anliegen der Recovery-Bewegung auf breiter Basis Eingang in die Praxis finden. Einen Schritt weiter geht Peter Lehmann, Leiter des Antipsychiatrieverlags (Berlin) in seinem Beitrag: Anstelle einer besseren Psychiatrie fordert er Alternativen dazu und zeigt richtungsweisende Beispiele auf.

Hoffnungsvolle Entwicklungen ergeben sich zurzeit aus der Trialogbewegung, die den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen zum Ziel hat und in der Schweiz schon gut etabliert ist. Neue Impulse für die Angehörigenarbeit setzt ferner das "Netzwerk Angehörigenarbeit", welches diese "dritte Säule der Psychiatrie" fördern will. Weitere Beiträge befassen sich mit der künftigen Rolle der niedergelassenen PsychiaterInnen und mit dem sich verändernden Berufsbild der psychiatrischen Pflege. Thematisiert werden ferner neue Modelle zur Existenzsicherung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung, Fragen rund um die Ökonomisierung der Psychiatrie und ein Gespräch mit drei betroffenen Frauen zeigt deren Wünsche und Visionen auf.

Das Heft "Psychiatrie der Zukunft" ist Ende März 2010 bei Pro Mente Sana erschienen. Redaktion: Jürg Gassmann

Editorial

LIEBE LESERINNEN UND LESER

Der Wunsch, die Zukunft vorauszusagen, ist allgegenwärtig. In den Medien werden wir täglich mit zahlreichen Informationen zu Wirtschafts-, Wetter- und ähnlichen Prognosen eingedeckt. Wer im Internet mit Hilfe von „Google“ einen Blick in die Zukunft tun will, wird auf eine grosse Fülle von Wahrsagern, Hellseherinnen und Astrologen verwiesen. Das seriöse wie auch das weniger seriöse Geschäft mit der Zukunft scheint einem menschlichen Grundbedürfnis entgegenzukommen. Natürlich sind auch wir neugierig darauf, wie die Zukunft der Psychiatrie aussehen wird. Trotzdem geht es in diesem Heft nicht um Vorhersagen oder gar Spekulationen über die Zukunft. Vielmehr möchten wir uns folgenden Fragen annehmen: Wo steht die Psychiatrie heute? Welche aktuellen Trends und Vorschläge erscheinen uns hoffnungsvoll und sollten verstärkt werden? Wo sind Entwicklungen zu beobachten, die uns mit Besorgnis erfüllen?

Einen breiten Überblick über Wünsche und Befürchtungen im Hinblick auf die zukünftige psychiatrische Versorgung gibt der Artikel von Holger Hoffmann (Seite 7). Er geht in Anlehnung an Asmus Finzen von einer Pendelbewegung zwischen sozialpsychiatrischem Gedankengut und neurobiologischen Ansätzen in der Psychiatrie aus. Ich schliesse mich seinem Wunsch an, dass die Dominanz der neurobiologischen Psychiatrie zurückgedrängt werden möge, das Gedankengut der Sozialpsychiatrie wieder erstarkt und die Anliegen der Recovery-Bewegung auf breiter Basis in die Praxis Eingang finden. Einen Schritt weiter geht Peter Lehmann, der anstelle einer besseren Psychiatrie Alternativen dazu fordert und in seinem Artikel richtungsweisende Beispiele aufzeigt (Seite 20).

Eine hoffnungsvolle Entwicklung ergibt sich aus der Trialogbewegung. Ursula Stocker präsentiert in ihrem Artikel (Seite 10) die Erfolgsgeschichte des Trialogs. Ich bin überzeugt, dass sie im kommenden Jahrzehnt fortgeschrieben werden kann. Dem Trialog liegt die Erkenntnis zugrunde, dass nicht nur die Fachleute, sondern auch Betroffene und Angehörige als „ExpertInnen in eigener Sache“ darüber mitreden sollen, wie die psychiatrische Versorgung ausgestaltet wird. Zwei psychiatrieerfahrene Frauen formulieren im Artikel auf Seite 23, was sie sich für die Zukunft wünschen. Herausgekommen sind alltagsnahe Wünsche, wie zum Beispiel weniger „vorgefasste Meinungen“ und mehr Zeit für psychotherapeutische Gespräche. Es stimmt nachdenklich, dass so elementare Anliegen vielerorts ihrer Umsetzung harren. Angehörige gelten heute in vielen Konzepten als „dritte Säule der Psychiatrie“. Das im Jahre 2006 gegründete „Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie“ setzt sich dafür ein, dass der Stellenwert der Angehörigenarbeit nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis aufgewertet wird (Seite 27).

Vor grossen Umwälzungen stehen sowohl die PsychiaterInnen wie auch das psychiatrische Pflegepersonal. Beide Berufsgruppen kämpfen mit Nachwuchsproblemen und sind herausgefordert, das eigene Berufsverständnis den tiefgreifenden Veränderungen im Gesundheitswesen anzupassen. Christian Bernath (Seite 12) plädiert dafür, dass niedergelassene PsychiaterInnen vermehrt in Netzwerken arbeiten. Regula Lüthi und Christoph Abderhalden (Seite 25) sind davon überzeugt, dass die psychiatrische Pflege inskünftig vermehrt dort angeboten wird, wo psychisch kranke Menschen leben.

Blenden wir zehn Jahre zurück ins Jahr 2000: Damals hat wohl kaum jemand die Heftigkeit der Turbulenzen vorausgesehen, von denen die Invalidenversicherung in den vergangenen Jahren erfasst wurde. Auch die Zukunft wird uns mit erwünschten oder unerwünschten Ereignissen konfrontieren, die heute schwer voraussehbar sind. Mit der Annahme der IV-Zusatzfinanzierung in der Volksabstimmung vom 27. September 2009 konnte ein gravierender Leistungsabbau in der IV zwar vorerst verhindert werden. Trotzdem wird die Situation der IV, vor allem aber die materielle Existenzsicherung von Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung ein zentrales Thema der nächsten Jahre bleiben. In diesem Zusammenhang könnte es sich lohnen, ausgetretene Pfade zu verlassen: Christoph Lüthy stellt in seinem Artikel (Seite 18) mit der allgemeinen Erwerbsversicherung und dem garantierten Grundeinkommen zwei neue Modelle vor.

Nicht nur die Invalidenversicherung, sondern auch das Gesundheitswesen steht vor grossen finanziellen Herausforderungen. Der zunehmende finanzielle Druck schlägt sich in einer „Ökonomisierung“ der Psychiatrie nieder. In einem Interview (Seite 14) zeichnet Gerhard Ebner ein differenziertes Bild von der Ökonomisierung. Wenn die finanziellen Anreize richtig gesetzt werden, kann diese durchaus im Interesse der Patientinnen und Patienten liegen.

Die Bilder in diesem Heft wurden uns von KünstlerInnen zur Verfügung gestellt, die im Atelier Wolf in der Säule in Zürich arbeiten. Ihnen allen möchte ich ganz herzlich danken. Die Bilder wie auch die Texte wollen zum Nachdenken anregen, aber auch Impulse zum Handeln vermitteln. Denn wir alle sind aufgerufen, die Zukunft der Psychiatrie mitzugestalten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, eine spannende Lektüre!

Jürg Gassmann

Inhalt

  • 2 ..... Pro Mente Sana informiert

  • 4 .....Editorial

  • 6 .....Zum Abschied unserer Stiftungsratspräsidentin Pascale Bruderer

  • 7 .....Psychiatrie der Zukunft: Wunschund Albträume

  • 10 .....Trialog: Eine Erfolgsgeschichte

  • 12 .....Psychiaterinnen: Ein Berufsstand verändert sich

  • 14 .....Ökonomisierung der Psychiatrie: Chance oder Risiko?

  • 18 .....Sozialpolitik der Zukunft

  • 20 .....Eine bessere Psychiatrie oder besser Alternativen?

  • 23 .....Psychiatrie der Zukunft: Was wünschen sich Betroffene?

  • 25 .....Psychiatrische Pflege: Zukunft mit Perspektiven

  • 27 .....Netzwerk Angehörigenarbeit Psychiatrie

  • 29 .....Grundlagen und Literatur

  • 30 .....Akut

  • 32 .....Sprachrohr

  • 34 .....Bücher und Medien

  • 36 .....Psychiatrieszene

  • 38 .....Selbsthilfe

  • 39 .....La page romande