Mariella Mehr
Steinzeit

CoverGebunden mit Schutzumschlag, 190 Seiten, 13 x 21 cm, ISBN 978-3-7296-0125-3. Bern: Zytglogge Verlag, 8. Auflage 2009. € 24.50 / sFr 29.40 / sofort lieferbar In den Warenkorb


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Roman, in dem die Autorin, Tochter von Jenischen ("fahrendem Volk"), ihre von heimpädagogischer und psychiatrischer Unterdrückung geprägte Lebensgeschichte verarbeitet (original 1981)

Original-Verlagsinfo

»Um es vorwegzunehmen: Laut meiner Muttersprache, dem Jenischen, bin ich eine Jenische, in der Sprache der Rassenhygiene beziehungsweise der anthropologischen Wissenschaft: eine Nichtsesshafte, eine Asoziale oder zumindest belastete Erbträgerin einer nichtsesshaften, asozialen Sippe, eine Vagantin also, eine von der Sorte der Untermenschen, eine das Volksganze Schädigende, eine moralisch Schwachsinnige, eine Gemeinschaftsunfähige, eine Tagediebin, notorische Bummlerin, Erbkranke, Minderwertige, Arbeitsscheue, sexuell Verwahrloste, eine Gemeingefährliche, eine Psychopatin, dem Pack zugehörig, das ein Hitler zur Recht eingesperrt und unschädlich gemacht hätte. Man liess mir und meinen Schwestern und Brüdern nicht einmal unseren Namen, den Namen unserer Volkes, Jenische.« (Mariella Mehr)

Foto von Mariella MehrDie Autorin

Dr. phil. h.c. Mariella Mehr, geb. 1947 in Zürich. Mitglied im Vorstand von PSYCHEX. 1972 beginnt sie zu schreiben. In verschiedenen Reportagen und Radiobeiträgen setzt sie sich für Aussenseiter – Zigeuner, Kinder, Frauen, Frauenhäftlinge, Psychiatriepatienten – ein. Bücher bei Zytglogge: »Steinzeit«, 1981, (»in diesem traum schlendert ein roter findling«, 1983, »Das Licht der Frau«, 1984, »Kinder der Landstrasse«, 1987, »RückBlitze«, 1990. Theaterstücke: »Ein Requiem für Silvia Z.«, »Kinder der Landstrasse«, »Anni B.«, ein Stück über eine Schweizer Spanienkämpferin. Bei Nagel & Kimche: Die Gewalt-Trilogie bestehend aus den Romanen »Daskind«, »Brandzauber« und »Angeklagt«. Bei Drava: Die Gedichtbände »Nachrichten aus dem Exil«, »Widerwelten« und »Das Sternbild des Wolfes«. Weiteres zu Mariella Mehr

Kommentar

Mit ungezügelter Energie und Sachkenntnis nutzt Mariella Mehr ihre gewaltigen sprachlichen Mittel für die Opfer dieser Gesellschaft und gegen die Mächtigen, die diese Opfer fordern. In ihrem Roman »Steinzeit« berichtet sie vom Erleben und Erleiden ihrer Jugendzeit, einer kontinuierlichen Katastrophe aus Lieblosigkeit, Gewalt, Sadismus und bürokratischer Sturheit, aber auch von ihren hilflosen Versuchen, dagegen anzukämpfen.

»Steinzeit« ist das Dokument, das unsere mitteleuropäische Wohlstands- und angebliche Menschenrechtsgesellschaft auf schonungslose, erschütternde Weise als Sadogesellschaft entlarvt, die für nicht der diktierten Norm entsprechende Menschen nur bürokratisch gedrillte Anstalten und Institute übrig hat.

Mariella Mehrs Aussagen sind, ob sie als Reportagen, als Gedichte, Film oder Theaterstücke ersehenen, immer eindrückliche, wirksame und höchst politische Aussagen, die stets für den Menschen und gegen Macht und Gewalt agitieren. (H.U. Ellenberger)