Jeffrey M. Masson (Hg.) Gebunden
mit Schutzumschlag, XXXII + 613 Seiten, 11 Faksimiles und 29 Abbildungen,
14 x 21,2 cm, ISBN 978-3-10-022802-4. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag,
Neuauflage. € 49. / sFr 73.50 / Termin
unbestimmt ![]() Jeffrey M. Masson | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home | zurück zur letzten Seite Tagebuchartiges Protokoll einer tiefen wissenschaftlichen und persönlichen Krise, aus der Freud in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Paradigma der Psychoanalyse entwickelte. Ungekürzte Ausgabe, Bearbeitung der deutschen Fassung von Michael Schröder. Transkription von Gerhard Fichtner Original-Verlagsinfo »Ganz ohne Publikum kann ich nicht schreiben, kann mir aber ganz gut gefallen lassen, daß ich es nur für Dich schreibe.« Freud an Wilhelm Fließ am 18. Mai 1898 Sigmund Freuds Briefe an seinen nahen Freund Wilhelm Fließ, den Berliner Hals-Nasen-Ohrenarzt und Biologen, hier erstmals ohne Kürzung veröffentlicht, sind das bewegende tagebuchartige Protokoll der tiefen wissenschaftlichen und persönlichen Krise, aus der Freud, von der akademischen Welt isoliert, in den neunziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts das Paradigma der Psychoanalyse entwickelte. Der Leser kann gleichsam die Geburt eines Ideensystems miterleben, welches wie kaum ein zweites das Denken unserer Zeit geprägt, das Wissen des Menschen über sich selbst von Grund aus revolutioniert hat. Auf unbemerkt-selbstverständliche Weise nehmen wir uns und andere heute in Freudschen Begriffen wahr. Niemand wird mehr bezweifeln, dass die Psychoanalyse mit den Konzepten des Unbewussten, der infantilen Sexualität und des Ödipuskomplexes das Denken des Menschen über sich selbst grundlegend verändert hat. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Sigmund Freud diese theoretischen Vorstellungen entwickelt: Er wusste damals bereits, dass seine neurotisch erkrankten Patienten nicht an Hirnschäden oder konstitutioneller Nervenschwäche, sondern an »Reminiszenzen« litten, denen mit den herkömmlichen organmedizinischen Methoden nicht beizukommen war. Indem er sich von den Symptomen zur Symptomgenese und schließlich zur Lebensgeschichte zurückfragte, verließ er Physiologie und Neurologie und wechselte zur Psychologie über. Gleichzeitig nahm er eine radikale Veränderung des traditionellen Arzt-Patient-Verhältnisses vor; er machte den vorher entmündigten Kranken zum Partner des analytisch-therapeutischen Forschungsdialogs. Unter dem Druck quälender eigener neurotischer Beschwerden steigerte er seine gelegentliche Selbstbeobachtung zur systematischen, mit unerbittlicher Disziplin geübten Selbstanalyse, in der er bald ein »notwendiges Zwischenstück« in seinen Forschungen erkannte. Von der Schwere dieser Jahre des Kampfes erfahren wir aus Freuds offiziellen autobiographischen Schriften wenig. Doch gibt es ein einzigartiges Dokument, in das, wie in ein Logbuch, der dramatische Forschungsprozess, die Mühsal der Selbstanalyse, aber auch die intellektuelle Schönheit der Arbeit und das Glück der großen Funde eingetragen sind: Freuds Briefe an Wilhelm Fließ, mit dem er in jener Phase die intimste Freundschaft seines Lebens unterhielt. Sie zerbrach Anfang des neuen Jahrhunderts. Von der Witwe nach Fließ' Tod Ende der zwanziger Jahre danach befragt, meinte Freud sich zu erinnern, dessen Briefe schon vor langem vernichtet zu haben. Bis auf einige wenige Stücke fehlt von ihnen tatsächlich jede Spur. Hingegen sind Freuds eigene Briefe nahezu vollständig erhalten geblieben und auf abenteuerlichen Wegen in den Besitz von Marie Bonaparte, einer Schülerin Freuds, gelangt. Als er davon erfuhr, beteuerte er: »Unsere Korrespondenz war die intimste, die Sie sich denken können.« Und: »Ich möchte nichts davon zur Kenntnis der sogenannten Nachwelt kommen lassen.« Marie Bonaparte, die die Bedeutung des Dokuments erkannte sie verglich es mit Goethes Gesprächen mit Eckermann ‚ rettete das Konvolut durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs. Unter dem Titel Aus den Anfängen der Psychoanalyse ist 1950 in London, Jahre nach Freuds Tod, eine Auswahl erschienen, 1962 und 1975 von S. Fischer nachgedruckt. In sorgfältiger neuer Edition wird nun die lange erwartete ungekürzte Fassung, mit sämtlichen seinerzeit fortgelassenen Briefen und Briefteilen, zugänglich gemacht. Der amerikanische Psychoanalytiker Jeffrey Moussaieff Masson ist der Herausgeber der bei Harvard University Press erschienenen englischsprachigen Ausgabe. Der Berliner Soziologe und Historiker Michael Schröter hat deren editorischen Apparat für die deutsche Originalfassung bearbeitet und wesentlich ergänzt; er hat auch die maßgebenden Kommentare einbezogen, die seinerzeit Ernst Kris für die Erstausgabe von 1950 verfasste. Für die Verlässlichkeit der neuen Transkription bürgt der Tübinger Medizinhistoriker Professor Gerhard Fichtner. Jeffrey Moussaieff Masson war Direktor des Sigmund-Freud-Archivs und Psychoanalytiker. Ist in keiner Weise psychotherapeutisch tätig. Lebt in Neuseeland. Veröffentlichungen u.a.: »A Dark Science: Women, Sexuality, and Psychiatry in the 19th Century«, New York: Farrar, Straus & Giroux 1986; »Die Abschaffung der Psychotherapie. Ein Plädoyer«, München: C. Bertelsmann 1991; »Final Analysis: The Making and Unmaking of a Psychoanalyst«, London: Harper/Collins 1991, u.v.m. Weitere Informationen siehe www.jeffreymasson.com Weitere Bücher mit Beiträgen von Jeffrey Masson im Antipsychiatrieverlag
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