Heinar Kipphardt
Kartoniert, 309 Seiten, 11,5 x 19 cm, ISBN 978-3-499-15877-3. Reinbek: Rowohlt
Taschenbuchverlag, 14. Auflage 2001. € 7.50 / sFr 11.45 / sofort
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Über den Autor | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home | zurück zur letzten Seite Lebens- und Psychiatriegeschichte des Dichters Alexander März in Romanform geschildert von einem kritischen Psychiater (original 1976). Werkausgabe zusätzlich mit Briefen Kipphardts, ein Gespräch mit ihm über »Das Elend der Psychiatrie« (1976). Original-Verlagsinfo Der vorliegende Band enthält im Anhang Materialien aus dem Nachlass des Schriftstellers sowie ein Nachwort des Herausgebers zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Romans. Man braucht keine Fachkenntnisse, um dieses Buch zu verstehen. Da wird die Geschichte hauptsächlich einer Person, des schizophrenen Dichters März, erzählt, dessen Zusammenbruch seines Sozialsystems in ursächlichem Zusammenhang mit dieser tiefgestörten Gesellschaft steht. Der schizophrene Kranke ist wahrscheinlich nur sensibler, dünnhäutiger, verletzlicher, unfähiger zur Adaption, merkwürdig auf sich selbst beharrend, aber keineswegs der absolut andere. Tatsächlich ist mir nach und nach während der Arbeit die Betrachtungsweise, die März hat, immer leichter gefallen...: eine gewisse Naivität, eine gewisse Kindlichkeit, die auch nicht davor zurückschreckt, kindisch zu sein, etwas Radikales in bezug auf einfache, bildhafte Benennungen... Unsere Kultur hat zu tun, wie März einmal sagt, mit einer gewissen Wettbewerbsfolter. Man könnte sich doch durchaus vorstellen, dass ein späterer Beobachter die Leute, die sich so mühevoll abrichten ließen, die ihr ganzes Leben taten, was sie nicht wollten, Lohnarbeit genannt, und die sich wie gutwillige Haustiere benahmen, als »Irre, Wahnsinnige, Verrückte« bezeichnet. Alexander März ist der Name eines dichtenden Schizophrenen, eines schizophrenen Dichters, der seit Jahren in einer psychiatrischen Klinik lebt. Ein junger Arzt versucht, Licht in das Dunkel dieser Existenz zu bringen. Aus Aufzeichnungen des Kranken, Träumen, Gesprächen und Beobachtungen setzt sich allmählich das Bild eines künstlerisch hochbegabten Menschen zusammen, der die »Normalität« unserer Gesellschaft radikal in Frage stellt. »Indem man im Einzelfall sinnlich fassbar macht, welche Sorten von psychischer Verelendung es gibt, stößt man zwangsweise auch auf die Verelendung der Sozietät«, schrieb Heinar Kipphardt. Heinar Kipphardt, geboren am 8. März 1922 in Heidersdorf (Schlesien), gestorben am 18. November 1982 in München, Dr.med., Fachrichtung Psychiatrie, übersiedelte 1949 von Düsseldorf nach Ost-Berlin, wurde Arzt an der Charité und später Chefdramaturg am Deutschen Theater. Seit 1961 lebte er in der Nähe von München. 1970/71 war er Chefdramaturg der Münchener Kammerspiele. Er wurde vor allem als Dramatiker bekannt. Sein Stück »In der Sache J. Robert Oppenheimer« gehört zu den Klassikern des modernen Theaters. Auch sein letztes Stück »Bruder Eichmann« erregte Aufsehen. Kipphardt wurde für seine Arbeiten vielfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er den Prix Italia, den Schiller-Gedächtnispreis, den Gerhart-Hauptmann-Preis und den Adolf-Grimme-Preis. |