Charlotte Jurk
Der niedergeschlagene Mensch. Depression – Geschichte und gesellschaftliche Bedeutung einer Diagnose

CoverKartoniert, 215 Seiten, 14,7 x 21 cm, ISBN 978-3-89691-751-5. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2008. € 24.90 / sFr 29.90 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Über die Uminterpretation des Leidens an der Gesellschaft zum individuellen Versagen. Originalausgabe

Original-Verlagsinfo

Sigmund Freud beschrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch die Melancholie. Heute scheint sie so gut wie verschwunden. Stattdessen hat die Diagnose Depression eine bemerkenswerte "Karriere" gemacht. Alle Welt ist sich schnell einig, sie zur Volkskrankheit zu erklären und eine breite Behandlungsdürftigkeit vieler für eine Aufgabe notwendiger Selbstsorge zu halten. Die neue Niedergeschlagenheit wird zur massenhaften Stoffwechselstörung, der chemisch-medikamentös zu Leibe gerückt werden soll. Charlotte Jurk kehrt diese Selbstverständlichkeiten, die sich unwidersprochen durchgesetzt haben, gegen den Strich. Wie kommt es zu dieser Medikalisierung und was ist das Menschenbild einer Gesellschaft, die Depression als "Preis für den Fortschritt" hinnimmt? Ihr Buch arbeitet heraus: Der psychiatrisch behandlungsbedürftige Mensch passt in eine Zeit, in der die Bewertung psychischer Qualität zu einem entscheidenden Merkmal sozialer Zugehörigkeit geworden ist. Das Leiden an den sozialen Verwerfungen der Moderne wird in der Depressionsdiagnose zum individuellen Versagen uminterpretiert.

Über die Autorin

Charlotte Jurk (Dr. rer.soc.) hat lange Zeit als Sozialarbeiterin in einer psychiatrischen Klinik gearbeitet. Sie war als Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Wiesbaden und der Universität Gießen tätig. Zurzeit arbeitet sie in der sozialwissenschaftlichen Forschung zu Fragen des Gesundheitswesens.

Pressestimmen

"Ein ausgezeichenter, gut lesbarer Überblick zur allgemeinen 'Medikalisierung'" EB - Erwachsenenbildung

"Die Autorin behandelt die 'Karriere' der Diagnose Depression. Während sie zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch 'Melancholie' genannt und als normaler Seinszustand angesehen wurde, gilt sie hierzulande mittlerweile als Volkskrankheit, die auf eine Störung des Stoffwechsels zurückzuführen sei und der man massiv mit Psychopharmaka auf den Leib rücken soll. Unter Verwendung vieler sorgfältig dokumentierter wissenschaftlichen Quellen beschäftigt sich die Sozialwissenschaftlerin Charlotte Jurk damit, wie sich diese primitive und unbewiesene Sichtweise durchgesetzt hat, das das psychische Leiden an den sozialen Verwerfungen der Moderne zum Versagen des Individuums und seines Stoffwechels uminterpretiert." Peter Lehmann, FAPI-NAchrichten