Marie-France Hirigoyen
Die Masken der Niedertracht – Seelische Gewalt im Alltag und wie man sich dagegen wehren kann

CoverKartoniert, 240 Seiten, 12 x 19 cm, ISBN 978-3-423-36288-7. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 17. Auflage 2016. € 9.90 / Preis in sFr / sofort lieferbar In den Warenkorb oder Bestellung mit Formular
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Arbeit einer Pariser Familientherapeutin über die verbreitete Praxis, in Ehe, Familie und am Arbeitsplatz durch die Zerstörung anderer das eigene Ego zu erhöhen (original 1998). Deutsche Erstausgabe 2002

Original-Verlagsinfo

Aus alltäglicher Erfahrung wissen wir: Es ist schwer, sich gegen eine Gewalt zu wehren, die nicht zuschlägt, die keine Blutspur hinterlässt und doch verletzt. Verachtung beispielsweise trifft tief, aber wie soll man darüber sprechen? Seelische Gewalt nähert sich unauffällig in Worten und Gesten. Sie erniedrigt, sie nimmt die Selbstachtung, sie macht hilflos und sie kann die Betroffenen zur Selbstauslöschung treiben. Marie-France Hirigoyen beleuchtet ein Problem, das gerne vertuscht wird: wie Personen durch die Zerstörung von anderen ihr eigenes Ego erhöhen. In der Gier nach Bewunderung und Anerkennung müssen sie andere ›zerbrechen‹, herabwürdigen, um Achtung vor sich selbst zu gewinnen. Die Autorin zeigt mit zahlreichen Fallbeispielen, wie verbreitet seelische Gewalt in der Ehe, am Arbeitsplatz, in der Familie ist, ja wie unsere ganze Gesellschaft von dieser Umgangsform durchdrungen ist.

Die Autorin

Marie-France Hirigoyen studierte Medizin und Viktimologie in Frankreich und USA und praktiziert als Psychoanalytikerin und Familientherapeutin in Paris. Ihr Buch hat in ihrer Heimat eine heftige und anhaltende öffentliche Diskussion ausgelöst.

Rezension: »Subtile Quälereien im Alltag«

Endlich ein Buch, das die Tatsachen beim Namen nennt, das die gut getarnten alltäglichen Quälereien aufdeckt. Ein wertvolles Buch für all jene, die ahnen, dass Macht über sie ausgeübt wird. Macht im ganz subtilen Sinn. Macht, die kaum nach aussen sicht- oder spürbar ist. Macht, die lähmt, verändert, tötet.

Die Autorin spricht eine deutliche Sprache, wenn sie manche Täter als Perverse bezeichnet. Sie zieht klare Linien zwischen gesunden und kranken Aktionen. Durch viele Beispiele wird der Vorgang der Machtausübung von einer Person über eine andere veranschaulicht, sowohl im privaten wie auch im beruflichen Leben. Es wird aufgezeigt, nach welchen Kriterien ein Opfer ausgewählt wird, wie es durch den Täter sukzessive destabilisiert wird. Blauäugig tappt das Opfer in die Falle, weil es sich nicht denken kann, dass PartnerIn, ChefIn, Mutter, Vater oder Kind so hinterhältig berechnend handeln kann.

Alle Schuld sucht das Opfer bei sich, fragt sich, mit welchem Verhalten es den andern zu solchen Reaktionen reizt, und bemerkt dabei nicht mehr, dass es dessen Aktionen sind. Dieses Buch bietet Betroffenen die Möglichkeit, genau hinzusehen. Vielleicht das erste Mal zu hören, dass es solche Machtübergriffe gibt, dass nicht sie spinnen, wie sie vielleicht jahrelang der festen Überzeugung waren, sondern, dass sie bis in ihre Grundmuster manipuliert worden sind. Sie finden in diesem Buch zu ihren Empfindungen und Intuitionen zurück. Sie lernen wieder zwischen Perversion und normalem zwischenmenschlichem Verhalten zu unterscheiden. Ein Buch, das Mut macht, sich aus diesen Fängen zu lösen. Das Mut macht, den Schritt zu sich zu wagen. Die durch den deutschen Titel des Buches aufkeimende Hoffnung, patente Hilfe, Rezepte zu finden, wird jedoch nicht erfüllt. Denn, es scheint ein langer Weg aus der Abhängigkeit zu sein. Es wird aber deutlich, dass es enorm wichtig ist, die Therapieform und die TherapeutIn sorgfältig auszuwählen.

Sollte eine TherapeutIn, was noch immer häufig vorkommt, auf die Schilderungen erwidern, das sei wohl ein Überreagieren; oder man würde gar einen Lustgewinn aus den Quälereien ziehen, dann ist die Therapiestelle sofort zu wechseln. Denn zur Heilung der Verletzungen durch seelische Gewalt gehört an erster Stelle ein Mensch, der wahrzunehmen weiss, der die Strukturen eines Perversen erkennt und demzufolge verstehen kann, dass das Opfer sich nicht anders geben konnte, als wie es gehandelt hat.

Ursula Maerz
(in: Intra – Psychologie und Gesellschaft (Schweiz), 11. Jg. (2000), Heft 43, S. 63)