Dorothea Buck-Zerchin Kartoniert,
209 Seiten, 2 Abbildungen, 20,5 x 14,5 cm, ISBN 978-3-926049-32-2 (Norderstedt: Anne Fischer Verlag) / ISBN 978-3-935693-58-5 (Leipzig: Leipziger Universitätsverlag)
2002. € 12.50 / sFr 18.75 / sofort lieferbar ![]() Autorin | Inhalt | Kommentar | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht | home | zurück zur letzten Seite Das Buch der Autorin von Auf der Spur des Morgensterns dokumentiert ihren Einsatz für die Menschenwürde und die Arbeit an der Sinnfindung ihres Psychose-Erlebens in Vorträgen und Aufsätzen u.v.m. Mit einer Einleitung von Axel Tischer Original-Verlagsinfo Die Autorin von Auf der Spur des Morgensterns Psychose als Selbstfindung (1990) gewann aus ihrer Erschütterung über die verdrängten Patientenrnorde im NS-Regirne ihr Engagement für eine andere Psychiatrie. Das Buch dokumentiert diesen Einsatz für die Würde der betroffenen Menschen und die Arbeit an der Sinnfindung ihres Erlebens in Vorträgen und Aufsätzen, in einem Theaterspiel, in Aufrufen und in einem Antrag beim Bundesgesundheitsministerium für einen trialogisch besetzten Arbeitskreis für mehr Mitsprache der Betroffenen bei einem Psychoseverständnis, das sich auf ihre unmittelbaren Psychoseerfahrungen gründen muss. Eine Liste der heute bestehenden mehr als 130 Psychoseseminare in der BRD und im benachbarten Ausland zeigt, inwiefern hier eine Selbsthilfebewegung entstanden ist, die aus einem dringenden Bedürfnis der Psychose-Erfahrenen, der Angehörigen und der Professionellen lebt. Das Buch möchte Mut machen, durch ein besseres Verstehen des psychotischen Erlebens ganz persönliche Wege zur Heilung oder zum Leben mit der Psychose zu suchen. Es wird hier bezeugt, dass durch ein solches Verständnis eine Bereicherung der eigenen Existenz geschehen kann.
Weitere Bücher von und mit Dorothea Buck-Zerchin im Antipsychiatrieversand:
Zur Autorin: Die Bildhauerin Dorothea S. Buck-Zerchin, geb. 1917 in Naumburg a. d. Saale, erlebte zwischen 1936 und 1959 fünf schizophrene Schübe. In ihrem ersten Schub 1936 wurde sie in den v.Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel während des NS-Regimes zwangssterilisiert. 1989 gründete sie zusammen mit Thomas Bock an der Psychiatrie der Hamburger Universitätsklinik das erste Psychoseseminar, einen Trialog zwischen Psychoseerfahrenen, Angehörigen und Profis. Unter anderem war sie auch Gründungs- und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE). Als Psychose-Erfahrene warb sie bei Buchlesungen, Fachkongressen, bei Veranstaltungen sozialpsychiatrischer Einrichtungen und in den Medien für ein neues inhaltliches Verstehen der Psychosen. Ihr Einfluss auf die Psychiatrie entstand vor allem durch ihre Biographie: Auf der Spur des Morgensterns Psychose als Selbstfindung (1990), in der sie ihr gewonnenes Verständnis der erlebten Psychose und das Einbeziehen dieser Erfahrung ins normale Leben beschreibt. Nach freier künstlerischer Tätigkeit war Dorothea von 1969 bis 1982 Lehrerin für Kunst und Werken an der Fachschule für Sozialpädagogik I in Hamburg. Dorotheas Buch »LASST EUCH NICHT ENTMUTIGEN« fängt an mit einem selbstgeschriebenen Theaterstück über die Verbrechen der Nazi-Psychiatrie. In welchem sie das Publikum darüber aufklärt, wie weit über Hunderttausend psychisch Kranker und Behinderter Menschen in der Nazizeit Opfer der damaligen »Euthanasie« wurden. Weit über Hunderttausend wurden unter dem Namen »Euthanasie« (heute ein Wort, das soviel wie humane Sterbehilfe bedeutet) vergast, mit Überdosen weggespritzt oder ausgehungert bis zum Tode. Dorothea selbst wurde damals zwangssterilisiert. Trotzdem dass Dorothea immer wieder auf die schrecklichen Ereignisse der Nazizeit zurückkommt, handelt das Buch doch hauptsächlich von ihrem persönlichen Psychose-Verständnis und ihren Verbesserungsvorschlägen für die heutige Psychiatrie. Ihr zweites Kapitel handelt über die Anthropologische Psychiatrie (Anthropos = Mensch). Das Psychoseerleben verstehen und integrieren statt bekämpfen Heilung statt Symptomverdrängung. Sie schreibt: »«Selbstbesinnung gründet auf der Selbsterfahrung des Menschen. ......, dass eine verstandene und ins normale Leben integrierte Psychose neue Psychosen unnötig macht und das Leben bereichert.» Auch macht sie den Vorschlag spielerisch mit Psychoseerfahrungen umzugehen. »Wenn eine psychotische Vorstellung sich verfestigt, dann hat es wahrscheinlich am Ausleben in der Phantasie gefehlt. Der Psychiater müsste zu solchen spielerischen Phantasien anregen, statt sie zu bekämpfen. Dieses Spielen mit den psychotischen Vorstellungen, die aus dem Unbewussten aufgebrochen sind, könnte wichtig und hilfreich sein. Man lässt sich auf sie ein, lernt sie genauer kennen und geht mit ihnen um.« Sie schreibt, dass Psychosen oft von symbolhaften Wirklichkeiten geprägt sind, die ein verändertes Weltgefühl sonst nicht gespürter Sinnzusammenhänge beinhalten. Später schreibt sie dazu: »Das kann dazu führen, nicht sich auf das Ganze, sondern das Ganze auf sich bezogen zu erleben. Mit dem Gefühl der Angst erlebt, kann das als persönliche Bedrohung erfahren werden und zu Verfolgungsideen führen.« Sie beschreibt, dass durch zu hohe Dosierungen von Psychopharmaka den Betroffenen der Sinn ihrer seelischen Erfahrung in der Psychose beraubt und damit ihre Entwicklungs- und Reifungsmöglichkeit durch die Psychose verhindert wird und dass durch dieses »medizinische Krankheitsmodell« die Selbstheilungskräfte blockiert und die Betroffenen, durch das in der Psychiatrie gängige Behandlungskonzept (Pillen statt Gespräche! Pillen statt Therapie!), ent- statt ermutigt werden. Was ihr zum Psychose- und Selbstverständnis half:
Sie geht auf die Angst vor der Psychose und vor der Psychiatrie ein: »... die Furcht vor dem Ausgeliefertsein ... das Gefühl der Ohnmacht .... nur dann überwunden werden können, wenn der Patient sich als Mensch mit seinem Erleben ernstgenommen fühlt. Denn das macht die Psychiatrie in ihrer Machtfülle so beängstigend, dass es ihr seit Emil Kraepelin (1856 1926) nicht mehr um den Patienten als Mensch mit seinem Erleben und dem Sinnzusammenhang mit seiner Lebensgeschichte geht, sonder wie in der Körper-Medizin um seine Krankheits-Symptome und um sein von der NORM abweichendes Verhalten.« Dorothea selbst wurde als schizophren diagnostiziert. Sie ist überzeugt: »Die sogenannte Spaltung liegt also darin, dass wir uns von unserem Psychoseerleben ergriffen fühlen, ohne es aus uns selbst kommend zu erkennen. Schizophrene Patienten bezeichnen sich selbst wohl auch nur selten als gespalten sondern als ergriffen oder als beeinflusst von Gott oder anderen guten oder bösen Mächten oder Menschen. In jedem Fall wird ein seelischer Konflikt, eine Lebenskrise oder Belastung vorausgehen, die durch das Psychoseerleben auf irgendeine Weise beantwortet wird. Darin scheint mir der Heilungsversuch der Schizophrenie zu liegen, der sie ebenso wie die meisten Körperkrankheiten sein wird. Der Patient müsste so viel Vertrauen in die Verständnisbereitschaft unserer Psychiatrie haben können, dass er den seiner Psychose vorausgegangenen, meist sehr persönlichen, Konflikt auch äußern mag, der mit ihm verarbeitet werden müsste. ... Sagen z.B. die Stimmen etwas Negatives über ihn, ist das viel beängstigender, als wenn er weiß: sie kommen aus dir selbst und überlegen muss, was das eigene Selbstbertrauen so beeinträchtigen konnte.« »Dazu müssten Psychiater und Therapeuten akzeptieren, dass seelische Erfahrungen, und seien sie noch so beängstigend oder verrückt, der Reifung des Menschen dienen können, wenn die Botschaft, die sie enthalten, erkannt wird.« »Und es kommt nur darauf an, dass die verstandenen Psychoseinhalte zu einem um die Erfahrungen seines Unbewussten erweiterten Menschen führen.« Im Kapitel »Antrag auf einen Arbeitskreis für mehr Mitbestimmung Betroffener in der Psychiatrie« schreibt sie: »Welche Hilfe wäre es nicht nur für uns, sondern auch für unsere Familien gewesen, wenn sie und wir unsere Schizophrenie als Aufbruch unseres eigenen Unbewussten einige Wochen nach einer seelischen Erschütterung oder Belastung verstanden hätten, und was dieses Unbewusste enthält und sagen will. Das wäre eine wirksame Erste Hilfe in der Ratlosigkeit über dieses noch ganz ungewohnte Erleben zu Beginn des ersten Schubes gewesen. Darum sollte diese Kenntnis auch zur Allgemeinbildung gehören.« »Niemand erwartet von unseren Psychiatern, dass sie sich wie Professor Benedetti eingehend in den Patienten einfühlen. Das wäre die Aufgabe von Psychotherapeuten, die mit dem Unbewussten vertraut sind. Sie könnten die Zahl der Langzeitpatienten und Frührentner verringern und dadurch Kosten sparen, die man für ihre Einstellung scheut.« »Ebenso wie der körperlich Kranke hat auch der seelisch Betroffene ein Recht auf Heilung, die nicht durch eine nur medikamentöse Symptomverdrängung erreicht werden kann, weil man verstehen muss, was man erlebt.« Sie beendet das Buch mit einem Einblick in das Soteria-Konzept und schreibt unter anderem: »Die Psychose und ihre Symptome werden daher möglichst nicht medikamentös verdrängt um wie alles Verdrängte irgendwann erneut aufzubrechen , sondern in ihrem Sinn verstanden und ins normale Leben integriert.« »Die Beziehung zwischen den PatientInnen und den Mitarbeitern war hier, wo die Psychose als eine sinnvermittelnde Erfahrung, als eine Entwicklungskrise verstanden wird, durch die das Team die PatientInnen begleitete, natürlich eine persönlichere, als in Psychiatrien, die sich am medizinischen Krankheitskonzept: einer sinnlosen Fehlfunktion des Gehirns orientieren, die mit einer Diagnose zu etikettieren und mit Psychopharmaka zu bekämpfen ist.« Inzwischen habe ich auch ihr Buch »Auf der Spur des Morgensterns Psychose als Selbstfindung« gelesen und war mehr als begeistert. Ich finde diese Lektüre sollte ein muss für jeden Betroffenen, Angehörigen und Profi sein, um den Sinn verstehen zu können, der hinter einer Psychose-Erfahrung steht. |
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