Miguel Benasayag / Gérard Schmit
Die verweigerte Zukunft – Nicht die Kinder sind krank, sondern die Gesellschaft, die sie in Therapie schickt

CoverGebunden mit Schutzumschlag, 160 Seiten, 12,2 x 19 cm, ISBN 978-3-88897-492-2. München: Verlag Antje Kunstmann 2007. € 16.90 / sFr 25.50 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Plädoyer für neue Erziehungsziele: sich ohne diagnostische Etikettierung einlassen auf das therapeutische Nichtwissen, nicht zu psychologisieren und zu pathologisieren, sondern Raum zu schaffen, Spielraum – gemeinsam mit dem Kind. Aus dem Französischen von Karola Bartsch. Französische Originalausgabe 2003

Original-Verlagsinfo

Eine Gesellschaft in Angst schickt ihre Kinder in Therapie. Zu Tausenden suchen Schulkinder und Jugendliche, Eltern, Lehrer und Betreuer therapeutischen Rat im Umgang mit Lernschwächen und Schlafstörungen, Gewalt und Autoritätskrisen. Effiziente, rasche Hilfe ist angesagt. Doch was heißt das heute, einem Kind wirklich helfen? Diese Frage auf eine neue Grundlage zu stellen, ist das Ziel des international renommierten Kindertherapeuten Benasayag. Sind unsere Kinder in einer Krise oder nicht eher unsere Gesellschaft? Wie kann Erziehung gelingen, Lust auf Lernen, auf Bildung entstehen, wenn die Zukunft nicht mehr als etwas Positives, als Verheißung gedacht wird, sondern als eine Gefahr, gegen die man sich frühzeitig wappnen muss?

Back to the roots: Wer Kindern helfen will, muss sich unbequeme Fragen stellen, auch als Therapeut. Warum gerade der Verlust von Autorität oft zu autoritärem Verhalten führt. Ob individuelle Autonomie tatsächlich das wichtigste Therapieziel ist und nicht vielmehr die Fähigkeit, Bindungen einzugehen. Und dass es nicht um die Beseitigung störender Symptome geht, sondern um die Kraft zu wünschen, zu hoffen, zu leben.

Über die Autoren

Der Psychoanalytiker und Philosoph Miguel Benasayag wurde 1953 in Argentinien geboren. Er arbeitete in Frankreich als Psychoanalytiker, gründete das Kollektiv »Malgré tout« und machte sich durch zahlreiche Veröffentlichungen einen Namen. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Gérard Schmit ist Psychoanalytiker und lehrt als Kinder- und Jugendpsychiater an der medizinischen Fakultät in Reims.

Pressestimmen

Ein fundamentales kleines Buch, das den Kopf für ein Umdenken im Umgang mit unseren Kindern frei macht, "eine wunderbare Lektüre für alle, die sich um Kinder sorgen, und für sie". La Repubblica

Mental erfrischend, fundiert, lebendig und auch leidenschaftlich plädieren hier zwei erfahrene Analytiker von Kindern, Familien und Gesellschaft für einen neuen Blick. Wo Zukunft Angst macht, Wirtschaftlichkeit oberstes Gebot ist, Freiheit aus Macht und Bindungslosigkeit erwächst und Kinder gewappnet werden müssen, ist eine ganze Gesellschaft in der Krise. Psychologen u.ä. müssen sich entscheiden, ob sie diesem System zuarbeiten und junge Menschen symptomfrei funktionieren machen wollen, oder ob sie sich ohne diagnostische Etikettierung einlassen auf ihr eigenes Nichtwissen und eine gemeinsame Suche. "Es gibt Leiden existenzieller Art, die auf die Intoleranz der Gesellschaft zurückzuführen sind. Ist der Therapeut damit konfrontiert, dann ist er auch als Bürger gefragt, und es steht ihm nicht zu, zu 'psychologisieren' und zu 'pathologisieren'." Weil sie die ihnen Anvertrauten ernst nehmen und nicht allein lassen, geht es ihnen darum, "zu entdecken, dass man das Leben nicht 'heilen', sondern ganz einfach 'leben' muss ..." Ein Buch gegen Enge und Zaudern, das ermutigt und Raum schafft, Spielraum. (Kerstin Kempker, FAPI-Nachrichten)