Ulrich Bartmann
Joggen und Laufen für die Psyche – Ein Weg zur seelischen Ausgeglichenheit

CoverKartoniert, 128 Seiten, plus Protokollseiten zum Heraustrennen, 14,5 x 23 cm, ISBN 978-3-87159-095-5. Tübingen: DGVT-Verlag, 5., überarbeitete und erweiterte Auflage 2009. € 11.– / sFr 16.50 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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Joggen als einfacher, aber wirksamer Weg für seelisches und körperliches Wohlbefinden. Original 2001

Original-Verlagsinfo

»Wir joggen für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden und nicht, um anderen zu zeigen, dass wir die schnellsten, besten und größten Läufer sind.«

Unter diesem Leitmotiv steht das vorliegende Buch. Die Leser erhalten Informationen darüber, in welchem Ausmaß seelische Ausgeglichenheit und Stabilität, Kreativität und gesundes Selbstbewusstsein durch das Joggen hergestellt und erhalten werden können. Es wird gezeigt, in welchen Bereichen das Laufen zur Behandlung und Vorbeugung psychischer Probleme genutzt werden kann und welche großen Möglichkeiten bestehen, durch lockeres Joggen Belastungen wie Stress, Ängste und Depressionen abzubauen. Der Autor motiviert insbesondere jene, die sich bislang keinen Dauerlauf zutrauen, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun und zu laufen. Konkrete – wissenschaftlich untermauerte und in der Praxis erprobte – Anleitungen, wie das Joggen erlernt werden kann und wie eventuell auftauchende Schwierigkeiten zu meistern sind, helfen gerade dem Noch-nicht-Jogger, sich diese großartige Möglichkeit einer umfassenden Selbstbeeinflussung anzueignen. Das gilt für alle Altersgruppen und ist unabhängig vom Geschlecht.

Über den Autor

Prof. Dr. Ulrich Bartmann (geboren 1948) lehrt an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Theorien und Handlungslehre der Sozialen Arbeit und leitet den Studienschwerpunkt ›Soziale Arbeit mit psychisch kranken und suchtkranken Menschen‹. Es gehört mit zu seinen Methoden, Menschen, die unter großen Belastungen stehen oder auch psychische Probleme haben, Joggen als effektiven Weg der Selbsthilfe aufzuzeigen. Prof. Dr. Bartmann ist psychologischer Psychotherapeut und anerkannter Supervisor für Verhaltenstherapie. Er veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, insbesondere auf den Gebieten des therapeutischen Laufens und der Abhängigkeiten.

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Inhalt

Vorwort zur 5. Auflage ..... 7

Vorwort zur 4. Auflage ..... 7

  1. Richtigstellung ..... 9

  2. Zentrales zuerst ..... 11

    1. Laufen oder Joggen? ..... 11

    2. Joggen – (k)ein Modesport ..... 12

  3. Ausgewählte körperliche Wirkungen des Joggens ..... 15

    1. Das Herz läuft mit ..... 15

    2. Wir verschaffen uns Luft ..... 17

    3. Laufend Körpergewicht verlieren ..... 19

    4. Was sonst noch so im Körper läuft ..... 20

  4. Laufend die Persönlichkeit verändern ..... 23

    1. Eysencks Extraversionsmodell ..... 23

    2. Cattells Faktorenmodell ..... 27

    3. Rotters Modell der intern und externen Kontrolle ..... 28

  5. Joggend zu psychischer Ausgeglichenheit ..... 31

    1. Laufend zu erholsamen Schlaf ..... 31

    2. Dem Stress davonlaufen ..... 33

    3. Vom Überdruss zum Wohlbefinden laufen ..... 36

    4. Joggend Kreativität und Intelligenz verbessern ..... 40

    5. Mit jedem Lauf zu mehr Selbstbewusstsein ..... 42

    6. Joggen vertreibt die Angst ..... 44

    7. Den Depressionen davonlaufen ..... 46

    8. Psychosomatischen Störungen wegjoggen ..... 49

    9. Über Abhängigkeiten und ›Laufsucht‹ ..... 50

  6. Fragen, die eigentlich keine Fragen sind ..... 55

    1. Wenn Frauen laufen ..... 55

    2. Joggen auch für Kinder? ..... 60

    3. Laufen bringt Schwung ins Alter ..... 64

  7. Wie Joggen die Psyche verändert ..... 67

    1. Physiologische Erklärungen ..... 67

    2. Psychologische Erklärungen ..... 69

  8. Joggen als Therapie? ..... 77

    1. Sind wir eine Therapiegesellschaft? ..... 77

    2. Merkmale einer wissenschaftlichen Therapie ..... 78

    3. Joggen – eine Psychotherapie? ..... 81

    4. Joggen – ein Allheilmittel? ..... 82

  9. Probieren geht über studieren – laufe selbst ..... 85

    1. Vorsicht ist Weitsicht ..... 85

    2. Systematische Laufprogramme ..... 87

    3. Lehrgeld, das man nicht zahlen muss ..... 95

    4. Wer richtig denkt, läuft leichter ..... 106

    5. Joggen, Familie und Beruf: Geht das gut? ..... 110

    6. Wettkampf oder psychische Gesundheit? ..... 112

  10. Nachwort ..... 117

    • Anhang 1: Literaturverzeichnis ..... 119

    • Anhang 2: Namensverzeichnis ..... 125

    • Anhang 3: Sachverzeichnis ..... 127

    • Anhang 4: Das Laufprogramm zum Heraustrennen ..... 129

    • Anhang 5: Das Laufprotokoll zum Heraustrennen ..... 131

Richtigstellung (Einleitung in die 5. Auflage 2009)

"Du läufst doch nur mit den Patienten, weil Du selbst laufen willst", lautete ein gängiges Vorurteil meiner Kolleginnen und Kollegen, als ich während meiner Tätigkeit in einer psychiatrischen Klinik das therapeutische Joggen einführte. Erst nachdem viele Mitglieder des therapeutischen Teams eigene Erfahrungen mit dem langsamen Dauerlauf machten, dämmerte die Erkenntnis, dass Laufen bei vielfältigen, höchst unterschiedlichen Problemen hilft und es keineswegs leicht ist, Psychiatriepatienten zum Joggen zu motivieren und mit ihnen ganz behutsam das Laufen zu trainieren.

Andere – Menschen ohne Lauferfahrung – hingegen meinten, dass ich schon immer ein "Marathon-Freak" gewesen sei und nun mein Hobby als (Pseudo-) Therapie hochstilisierte. Was dabei vergessen wird ist, dass ein Marathonlauf nichts mit therapeutischen Zielsetzungen zu tun hat.

Laufunerfahrene Menschen schrecken Begriffe wie Marathon eher ab als sie dazu zu bewegen, sich auf das Erlebnis Laufen und Joggen einzulassen (hierauf komme ich in Kap. 9.6 zurück). Es geht mir aber gerade darum, die Menschen, die sich läuferisch nichts zutrauen, für diese effektive Methode körperlicher wie seelischer Gesundheit zu motivieren. Diesen Menschen präsentiere ich mich gern als Modell, das sich von einem Lauf-Saulus zu einem Lauf-Paulus gewandelt hat.

Laufen gehörte während meiner Schulzeit zu den Betätigungen im Sportunterricht, die für mich ausgesprochen aversiv waren. Bei dem typischen schulischen 1000-Meter-Lauf hatte ich keine Chance irgendwelche Pluspunkte zu gewinnen. Wenn die Klasse losrannte, fiel ich schon nach wenigen Metern mit den berüchtigten Seitenstichen zurück. Da ich keinen Sinn in diesem auf Leistung statt auf Wohlbefinden ausgerichteten Lauf sah, bin ich dann – zum heftigen Ärger meines damaligen Sportlehrers – ca. 80 % der Strecke gegangen!

Meine Entwicklung zum Läufer erfolgte, als ich – selbst bereits Mitte 30 – in einer Fachzeitschrift einen Artikel des Inhalts las, dass mit Hilfe des langsamen Dauerlaufs Ängste von Alkoholkranken objektiv nachweisbar abgebaut worden seien (Weber, 1984a). Meine Reaktion war die eines typischen Nichtläufers – die Ergebnisse kamen mir kaum glaubhaft vor. Als Verhaltenstherapeut hatte ich bereits ausgiebige Erfahrungen in der Therapie von Angstzuständen und Laufen gehörte nicht zu den mir bekannten Methoden. Erst das systematische Durchforsten der diesbezüglichen wissenschaftlichen Literatur überzeugte mich. "Heimlich" machte ich im Urlaub meine ersten Lauferfahrungen ohne Leistungsdruck und wurde zum begeisterten Läufer.

Ich hätte vor 1984 nie geglaubt, dass ich einmal in der Lage sein würde, zwei Stunden ununterbrochen zu laufen. Und wenn mir damals jemand prophezeit hätte, dass ich auch noch bei Regen, Kälte und Schnee laufen würde – ich hätte denjenigen für krank erklärt. Heute jogge ich nach wie vor regelmäßig, ohne Leistungsehrgeiz, allein für meine körperlich-seelische Ausgeglichenheit. Seitdem ich laufe, geht es mir gesundheitlich um Klassen besser als zu meiner "Nichtläuferzeit". Ein hervorragendes körperliches Wohlbefinden und eine hohe psychische Belastbarkeit sind der Lohn für den beim Laufen vergossenen Schweiß.

Die entscheidenden Punkte für meine Wandlung waren:

  • Das wissenschaftliche Studium der therapeutischen Möglichkeiten des Laufens.
  • Ein Lauflernprogramm ohne Leistungsdruck.
  • Das persönliche Erleben der Verbesserung des körperlich-seelischen Wohlbefindens.
  • Meine Erfahrungen als psychologischer Psychotherapeut mit dem Einsatz des Joggens bei meinen Patienten und Patientinnen im Rahmen einer Gesamttherapie.

Mit meinem Buch will ich gerade die Leser, die sich keinen Dauerlauf zutrauen, motivieren, selbst etwas für ihr psychisches Wohlbefinden zu tun – und zu laufen. Zu diesem Motivationsaufbau gehört zu erfahren, wie nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand Laufen und Joggen zur Behandlung und Vorbeugung psychischer Probleme eingesetzt werden können. Dies geschieht – mit einem kurzen Abriss über die positiven körperlichen Effekte – im ersten Teil des Buches.

Es folgt die Erläuterung, wie diese Veränderungen durch das Laufen zustande kommen, einschließlich einer kritischen Betrachtung des inflationär gebrauchten Begriffs "Therapie".

Schließlich möchte ich den Leserinnen und Lesern ausführlich zeigen, wie sie, sei es allein oder in der Gruppe, das Joggen erlernen können.