Ingeborg Bachmann Taschenbuch,
528 Seiten, 12 x 19 cm, ISBN 978-3-492-24241-7. München: Piper Verlag,
2. Auflage 2008. € 12.95 / sFr 15.55 / sofort lieferbar
Autorin | Rezension | Liefer- & Zahlungsbedingungen incl. Widerrufsrecht Franza flieht aus der mörderischen Ehe mit einem Wiener Psychiater, »der ohne Interpretation keinen Satz durchgehen ließ«, in die Wüste, »die große Gummizelle aus Himmel, Licht und Sand« Original-Verlagsinfo Die
Gesellschaft ist der allergrößte Mordschauplatz. In einer politisch
bewegten Zeit, Mitte der sechziger Jahre, hat Ingeborg Bachmann einen Roman geschrieben
über die soziale Gewalt und die moralischen Verbrechen innerhalb der Gesellschaft,
die von keiner Justiz geahndet werden. »Dort fließt kein Blut, und
das Gemetzel findet innerhalb des Erlaubten und der Sitten statt, innerhalb einer
Gesellschaft, deren schwache Nerven vor den Bestialitäten erzittern.« Der bekannte Wiener Psychiater Leopold Jordan hat seine Frau Franza seelisch und körperlich zugrunde gerichtet. Aber warum hat sie sich so zerstören lassen und was hat sie vernichtet? Diese Frage stellen sich Franzas Bruder, der sie in ihrem Heimatdorf in Kärnten wiederfindet und auf eine Reise nach Ägypten mitnimmt, von der er allein zurückkehren wird. In dem faszinierenden Romanfragment, das zuerst 1978 unter dem Titel »Der Fall Franza« aus dem Nachlass veröffentlicht wurde, hat Ingeborg Bachmann in der Mitte der sechziger Jahre grundlegende Erfahrungen sozialer Gewalt miteinander verbunden: Die Ausgrenzung und Unterwerfung des anderen sowohl im Verhältnis von Mann und Frau als auch in der neokolonialen Beziehung von westlicher und ägyptischer Kultur und außerdem in der geschichtlichen Katastrophe des Nationalsozialismus. Diese Taschenbuchausgabe eröffnet eine Reihe von Einzelausgaben, die auf dem Text der kritischen Edition von Ingeborg Bachmanns »Todesarten«-Projekt (1955) basieren und die dort erstmals edierten oder völlig neu rekonstruierten Texte auch im Taschenbuch zugänglich machen. Der Fall Franza und Requiem für Fanny Goldmann sollten nach dem Willen der Autorin zusammen mit dem Roman Malina den Zyklus Todesarten bilden, ein Prosa-Epitaph für Frauen, die von einer Männerwelt seelisch wie körperlich zugrunde gerichtet wurden: Die Gesellschaft ist der allerhöchste Mordschauplatz. Opfer dieser mörderischen Inszenierung sind Franza Ranner und Fanny Goldmann beider Weg führt unweigerlich in tödliche Zerstörung. Ingeborg Bachmann, am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren, Lyrikerin, Erzählerin, Hörspielautorin, Essayistin. 1952 erste Lesung bei der Gruppe 47. Zahlreiche Preise. Sie lebte nach Aufenthalten in München und Zürich viele Jahre in Rom, wo sie am 17. Oktober 1973 starb. »Ein Leseerlebnis sondergleichen. Sterben wird nicht als Exitus, als Folge von Krankheit, Koma und Tod beschrieben, sondern als Folge eines Existierens, das falsch anfing und verlief.« (Joachim Kaiser) |