Am 1. August 2005 um 10 Uhr sollte Hannelore Klafkis Praktikum im Antipsychiatrieverlag beginnen. Um 16 Uhr klingelte sie an der Tür, blass, alles andere als gesund aussehend. Sie habe gerade eine Rippenfellentzündung überstanden, kaum geschlafen, zudem mit Rauchen aufgehört. Ich brachte sie auf den Balkon, gab ihr den Liegestuhl und betüttelte sie mit Tee. Und ich schimpfte mir ihr, dass sie in diesem Zustand überhaupt gekommen war und sich nicht ins Bett gelegt hatte. Seit zehn Jahren kannte ich Hannelore schon, schätzte sie als zuverlässige und kompetente Psychiatriebetroffene. Gelegentlich waren wir uns bei Kongressen begegnet, zum Beispiel bei der Mannheimer-Kreis-Tagung 1996 in Bremen sowie 1998 in Kaufbeuren beim gemeinsamen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) und des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE). Ich erinnere mich an die lustige Geschichte, wie mir dort Ilse Eichenbrenner mitteilte, Thomas Bock würde jetzt gleich das Netzwerk Stimmenhören gründen. Eine Minute später lief mir Hannelore über den Weg, die Stimmenhörer würden jetzt gleich das Netzwerk Stimmenhören gründen. Hannelore bat mich schmunzelnd um die Formulierung eines Satzungsparagraphen, mit dem sich die Stimmenhörer die Mehrheit im Vorstand sichern wollten, Grundlage für die produktive Zusammenarbeit mit nichtbetroffenen Profis in ihrem Verein. Immer wieder trafen wir uns bei Veranstaltungen, unsere psychiatriepolitischen Bewertungen deckten sich. Ich bewunderte sie für die Anerkennung, die sie trotz ihrer kritischen Haltung in der sozialpsychiatrischen Landschaft erworben hatte. Es lag wohl an ihrem moderaten Auftreten und ihrer großen Toleranz gegenüber anderen. Ihr Wechsel von den Stimmenhörern zum BPE brachte noch mehr Berührungspunkte, und schließlich landete sie bei unserem Für alle Fälle e.V., einem gemischten, an der humanistischen Antipsychiatrie orientierten Verein, der u.a. Forschung und Fortbildung aus der Perspektive von Psychiatriebetroffenen betreibt. Zwei Jahre lang stand Hannelores Idee im Raum, ihre Zuverdienstarbeit bei Pinel e.V. zu beenden und beim Antipsychiatrieverlag anzufangen. Im Praktikum im August 2005 erwies sie sich als patente Mitarbeiterin; ihre gesundheitlichen Probleme waren zwar noch da, aber sollten ja doch irgendwann mal vorbei sein. Für den November 2005 buchten wir zusammen einen Flug in die USA, um bei einem psychiatriekritischen Kongress von NARPA (National Association for Rights Protection and Advocacy; Nationaler Verband für Rechtsschutz und Fürsprache) Arbeitsgruppen in englischer Sprache anzubieten, sie zum Thema »Stimmenhören und Selbsthilfe«, ich zum Thema »Absetzen von Psychopharmaka«. Am Abend des 31. August 2005 lud ich sie zum Griechen ein, und wir vereinbarten, dass sie ab 1. September 2005 fest im Antipsychiatrieverlag arbeiten würde. Anschließend brachte ich sie zur S-Bahn. Das war das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe. Wenige Tage später starb sie an einem Hirnaneurysma, einer geplatzten Ader im Gehirn. Ihr genauer Todestag konnte nicht festgestellt werden. Von Reinhard Wojke, der sich zusammen mit Hannelore in der Berliner Organisation Psychiatrie-Erfahrener und Psychiatrie-Betroffener (BOP&P) e.V. sowie bei der Psychiatriebetroffenen-Zeitschrift Der Bunte Spleen engagierte, erhielt ich eine CD mit den Dateien von Hannelores Computer und Laptop. Eigentlich wollte ich ihre Vorträge und Artikel nur ins Internet auf die Website des BPE stellen. Je mehr ich las, desto mehr wurde mir die Einmaligkeit und das weite Spektrum von Hannelores Texten klar. Da diese für sich selbst sprechen, wäre es absurd, sie hier zu kommentieren oder gar zu interpretieren. Und ich entdeckte Parallelen in unserem Leben: Heiraten um von den Eltern wegzukommen (was nur schief gehen kann), Engagement bei linksalternativen Gruppen und Parteien (inklusive Austritt nach Enttäuschungen), Gründen von Initiativen von Psychiatriebetroffenen, Engagement, Austreten, Neugründen auch hinsichtlich dieser Aktivitäten waren wir uns wohl ähnlich. Dass sie sich Mitte der 70er Jahre ausgerechnet bei der Mieterinitiative (am Klausener Platz in Berlin-Charlottenburg) engagiert hatte, über die ich seinerzeit meine Diplomarbeit schrieb und wo sich unsere Wege unbekannterweise natürlich vermutlich schon das erste Mal kreuzten, über all diese Geschichten konnte ich mit Hannelore nicht mehr reden. Es dürfte wenig Psychiatriebetroffene auf der Welt geben, die wie Hannelore derart umfassend, beharrlich, im Ton moderat und in der Sache klar tätig sind. Mit ihr haben viele einen wunderbaren Menschen verloren. Dieses Buch soll die Erinnerung an sie wach halten und auch mahnen, unsere MitstreiterInnen vor Überlastung, Verausgabung und persönlichen Enttäuschungen zu bewahren, um sie unseren Organisationen und uns selbst zu erhalten. Wir sind so wenige. Die Aufteilung in drei Kapitel dient einzig der besseren Überschaubarkeit. Die Fußnoten stammen von mir. Wiederholungen ließen sich nicht völlig vermeiden. Hannelore liebte es, ihre vielen Artikel und Vorträge aus Textbausteinen aufzubauen. Passagen, die mehrmals vorkamen, habe ich gelöscht, die Löschungen durch ein [...] kenntlich gemacht. Nur wo die Entfernung einer Wiederholung sinnentstellend gewesen wäre, habe ich auf eine Streichung verzichtet. Peter Lehmann Als Peter Lehmann mich gegen Ende September 2005 fragte, ob ich ihm bei der Sammlung und Wiederbeschaffung von Hannelores Veröffentlichungen und Reden im Rahmen eines Buchprojektes helfen wolle, befanden sich viele ihrer Manuskripte durch einen Zufall in meinem Besitz. Da wir seit 2002 in der Zeitungsgruppe Der Bunte Spleen zusammen gearbeitet haben, ich darüber hinaus aber auch mit Hannelore an der Neugründung der Berliner BPE-Landesorganisation (BOP&P) beteiligt war und an ihren Fortbildungen teilgenommen habe, kannte ich viele ihrer Beiträge. Natürlich habe ich mein Wissen und das, was der Zufall mir in die Hände gelegt hatte, gerne zu diesem Buch beigesteuert. Es war Hannelores Idee, ihre aus Speckstein gefertigten Skulpturen zu fotografieren: Bei einigen dieser Figuren, so hatte mir Hannelore erzählt, habe sie das Gefühl, sie müssten »aus dem Stein befreit« werden. Leider haben wir ihren Wunsch, Aufnahmen von den Skulpturen anzufertigen, zu ihren Lebzeiten nie verwirklicht. Die Abbildungen in diesem Buch habe ich noch vor der Trauerfeier angefertigt, als sich eine Gelegenheit ergab, die Skulpturen in Ruhe aufzunehmen: kleine, aber ausdrucksstarke Kunstwerke, deren viel zu kurze Linie nun für immer brutal abgebrochen bleiben wird. Da Hannelore vor ihrem Tod schon eng mit Peter Lehmann zusammengearbeitet hatte und sich ab September dauerhaft beim Antipsychiatrieverlag engagieren wollte, bin ich mir sicher, dass ihre Vorträge und Artikel hier gut aufgehoben sind. Dass daraus nun ein umfangreiches Buch wurde, finde ich wunderbar: So wird ihre Stimme weiter vernehmbar bleiben. Reinhard Wojke Hannelore sprach lange nicht über die Stimmen, die sie hörte, seit sie 16 Jahre alt war. Sie hatte gelernt, mit ihnen umzugehen mal mehr, mal weniger erfolgreich. In ihrer Beziehung zu den Stimmen spiegelten sich ihre positiven und negativen Erfahrungen wieder. Unangenehme Erfahrungen wurden als Quälgeister laut, während ihre persönliche Stärke in ihren Schutzengeln hervortrat. Ihre Stimmen Quälgeister wie Schutzengel machten sie zu einer Kämpferin für Autonomie und Empowerment. In einer bedrohlichen Lebenssituation Jahre später erwähnte sie in der Psychiatrie ihre Stimmen und wurde dadurch, dass die Psychiatrie ihr ihre Kraft und Autonomie raubte und sie so in eine Opferrolle drängte, erneut verletzt. Also fing sie an, gegen diese psychiatrische Grundhaltung zu kämpfen. Bei ihren Bestrebungen, ihre Autonomie zurückzuerlangen, fand sie eine Sozialarbeiterin, der sie besonderes Vertrauen entgegenbrachte: »Ihr und ihren Kolleginnen verdanke ich es auch, dass ich vom Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener und von den Stimmenhörernetzwerken in England und Holland erfuhr. Angelehnt an die Psychoseseminare wurde im Treffpunkt eine so genannte Trialoggruppe eingerichtet, die aus Angehörigen, Psychiatrie-Erfahrenen und Profis bestand. Erst hier lernte ich zuerst vorsichtig, dann immer unbefangener , in einer Gruppe über meine Stimmen zu sprechen.« Zu dieser Zeit, um 1994, trafen wir Hannelore zum ersten Mal. Bei uns zu Hause in Maastricht bereiteten wir das Gründungstreffen von Intervoice vor, der internationalen Organisation für Stimmenhörer und von Stimmenhörern. Es kamen Stimmenhörer und psychosozial Tätige aus Großbritannien, Österreich, Italien, Schweden, Finnland, Deutschland und den Niederlanden. Damals kannten wir in den einzelnen Ländern noch keine Stimmenhörer, deshalb hatten wir die Profis gebeten, Experten aus Erfahrung mitzubringen. Hannelore kam zusammen mit Thomas Bock. Sie fühlte sich bei Intervoice sofort wohl und debattierte lebhaft mit den anderen Stimmenhörern. Sie spürte die Anerkennung und entschloss sich, eine Organisation für Stimmenhörer in Deutschland zu gründen. Der Schotte Ron Coleman war der aktivste und bekannteste Stimmenhörer bei unserem Treffen. Es dauerte nicht lange, bis sich Hannelore und Ron im Rauch ihrer Zigaretten auf der Wiese verbündeten und wie zwei übermütige Kinder den Plan für eine deutsche Stimmenhörerorganisation schmiedeten. Ron hatte in Großbritannien schon ein breites Netzwerk aufgebaut, er wurde Hannelores Vorbild und Berater, obwohl sie zu jener Zeit mit Männern eigentlich wenig zu tun haben wollte. Es gelang Hannelore dann, in Deutschland das Netzwerk Stimmenhören ins Leben zu rufen. Sie steckte viel Energie in das Projekt und erreichte, was sie sich vorgenommen hatte: »Ich lernte immer mehr Stimmenhörer kennen und merkte, wie normal und gut wir uns über unsere Stimmen austauschen können. (...) Unsere Stimmenhörergruppe, die nach einer etwas zähen Anlaufzeit jetzt seit Januar 1997 existiert, wächst langsam, aber kontinuierlich. Wir treffen uns zweimal im Monat, tauschen uns aus, haben inzwischen einen Aufruf für die Gruppe veröffentlicht, ein Heft Unser kleines Stimmenhörer-Journal herausgebracht und eine Stimmenhörertagung in Berlin organisiert.« Die Medien entdeckten Hannelores anspruchsvolles Projekt. Sie wurde wiederholt zu Talkshows eingeladen und konnte ihre Lebensgeschichte und die darin für andere Stimmenhörer enthaltene Botschaft mit Schwung und Elan rüberbringen. Sie zeigte, dass man aus der Opferrolle herauskommen kann. Hannelore hatte sich ein Ziel gesetzt, blieb diesem Ziel treu und entwickelte sich damit zu einem Vorbild für andere Stimmenhörer. In ihrem Kampf um Anerkennung ihrer Erfahrungen konnte Hannelore heftig reagieren. Sie mochte unsere Devise, Stimmen zu akzeptieren, aber sie kritisierte unsere Arbeit, wenn wir ihrer Meinung nach die jeweilige Lebensgeschichte nicht genügend berücksichtigten. Unsere Forschungsarbeit hatte eine klare Beziehung zwischen den Stimmen und der Lebensgeschichte ergeben. Stimmen müssen als Reaktionen auf ein Trauma oder eine Situation verstanden werden, in der die Betroffenen keine Handlungsmöglichkeit mehr haben. Wir versuchten, eine Technik zu entwickeln, mit der Therapeutinnen und Therapeuten diese Struktur des Zustandekommens von Stimmen aufspüren können. Obwohl Hannelore unser Verständnis von Stimmenhören teilte, war ihr unsere Herangehensweise zu vereinfachend. Sie sei ein Mensch mit spezifischen persönlichen Erfahrungen, die mehr seien als ein Trauma, und wolle sich nicht auf ein Traumakonzept zwecks Beweis unserer Theorie reduzieren lassen. Wir erinnern uns noch heute an diese intensive Debatte beim Kochen, als sie bei uns zu Besuch war: Marius auf einem Barhocker, Sandra am Herd und Hannelore, ihre Zigarette rauchend. Und sie hatte Recht. Wir verallgemeinerten damals zu sehr. Statt nach den Botschaften in den Stimmen zu suchen, schreckten wir die Leute ab. Später fanden wir eine gemeinsame Basis. Durch die Einbeziehung von Erfahrungen anderer waren wir drei alle weiser geworden. Dass jede Erfahrung einzigartig ist und als solche respektiert werden muss, wurde zum Zentrum unserer Arbeit. Hannelore schrieb: »Durch die Gruppe habe ich gelernt, dass ich meine Stimmen nicht isoliert, sondern in Zusammenhang mit meiner Biographie sehen sollte.« Das Leben konfrontierte Hannelore mit vielen unangenehmen Dingen. Die Stimmen brachten dies zur Sprache, und am Anfang war das ausgesprochen beängstigend. Später entwickelte Hannelore ein anderes Verhältnis zu den Stimmen und fand, dass diese auch eine positive und schützende Seite haben. Hannelore war eine mutige Frau, die sich neue Ziele steckte und dadurch eine Zukunft schuf. Sie ließ sich ihre eigenen Ziele und ihre eigene Zukunft von niemandem einreden. Von anderen unterstützt fand sie ihren Lebensinhalt selbst. Das gab ihr auch die Kraft, die Stimmen einen Sinn haben zu lassen. Über die Jahre hinweg hat Hannelore mehrere Rollen entwickelt. Sie wurde Organisatorin, führte Fortbildungen durch, unterstützte andere Stimmenhörer, und sie wurde Künstlerin. In ihrer Kunst kamen ihre Gefühle zum Ausdruck. Auch wenn unsere Erinnerungen an sie im Laufe der Jahre etwas verblassen mögen, ihre Kunst und dieses Buch werden sie uns lebendig halten. Hannelore ist zu jung gestorben. Sie stand gerade am Beginn eines neuen Lebensabschnitts, einer neuen Herausforderung. Die Stimmen waren in den Hintergrund gerückt. Ihr Leben war bunter geworden. In der Tradition ihrer bisherigen Arbeit hatte sie an einem neuen Arbeitsplatz der Psychiatrie den Kampf angesagt. Vielen von uns scheint es unfair, wie ihr plötzlicher Tod Hannelore ihre Zukunft nahm. Marius Romme & Sandra Escher Übersetzung aus dem Englischen von Pia Kempker Vorwort (Peter Lehmann) Zur Entstehung dieses Buches (Reinhard Wojke)
Stimmenhören
Psychiatriepolitik
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Nachwort (Marius Romme & Sandra Escher ) Wer erinnert sich nicht an Hannelore, deren plötzlicher Tod die BPE-MVV 2005 so schockte? In liebevoller Kleinarbeit und mit Unterstützung einer Vielzahl von Personen und Verlagen, angefangen bei Reinhard Wojke, der eine Kopie von Hannelores Festplatte und Fotodateien ihrer ausdrucksstarken Plastiken zur Verfügung stellte, bis hin zu Thomas Bock, Irene Stratenwerth und Dorothea Buck, hat nun Peter Lehmann, in dessen Verlag Hannelore in der Woche ihres Todes zu arbeiten beginnen wollte, all ihre verfügbaren Texte zu einem interessanten Sammelband zusammengestellt. Diese Denkschrift wird nicht nur die Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau wachhalten. Auch ihre leidenschaftlichen Vorträge zum Thema Stimmenhören, ihre ungeschminkten biographischen Erinnerungen und ihre von trockenem Witz durchsetzten psychiatriekritischen Texte bleiben auf Dauer erhalten. Das Buch liefert allen Einsteigern einen hervorragenden Überblick über die wesentlichen Themen, die in der aktuellen Psychiatriediskussion eine Rolle spielen (u.a. Psychopharmaka, Trialog, ambulante Zwangsbehandlung, Alternativen). Hannelores Stimmen Quälgeister wie Schutzengel haben sie, wie sie sagte, "... zu einer Powerfrau erzogen, ich hab irgendwann beschlossen aufzuhören, Opfer zu sein." Hoffentlich können sich viele Psychiatriebetroffene auch darin Hannelore zum Vorbild nehmen. Im Nachwort schreiben Marius Romme und Sandra Escher, die Gründer der internationalen Stimmenhörerbewegung: "Hannelore war eine mutige Frau, die sich neue Ziele steckte und dadurch eine Zukunft schuf. Sie ließ sich ihre eigenen Ziele und ihre eigene Zukunft von niemandem einreden. Von anderen unterstützt, fand sie ihren Lebensinhalt selbst. Das gab ihr auch die Kraft, die Stimmen einen Sinn haben zu lassen. Auch wenn unsere Erinnerungen an Hannelore im Laufe der Jahre etwas verblassen mögen, ihre Kunst und dieses Buch werden sie uns lebendig halten." Übrigens: Das Buch eignet sich auch prima als Geschenk, wenn man anderen mit etwas Schönem und gleichzeitig Inhaltsvollem eine Freude machen will. Constance Dollwet (in: Mitgliederrundbrief
des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V., 2007, Nr. 1, S. 23) Ein Leben mit Stimmen Im Herbst 2005 ist Hannelore Klafki im Alter von 53 Jahren gestorben. Nun ist eine Auswahl ihrer Schriften erschienen. Ganz unterschiedliche Texte. Sehr persönliche Erfahrungsberichte über Ihr Erleben, ihren Umgang mit Stimmen. Reden, Stellungnahmen, programmatische Texte einer Frau, die sich von Anfang an im deutschen Netzwerk Stimmenhören und darüber hinaus engagierte. Schließlich zahlreiche Abbildungen von Klafkis Skulpturen. Bisweilen anrührende Kunstwerke, in denen sich Trauer, Verletzung, aber auch ein Lächeln ausdrücken. Man kann bei der Lektüre noch einmal die Geschichte der Stimmenhörerbewegung nachvollziehen. Und das Sich-kennen-lernen einer Frau, die im Laufe der Jahre ein Verhältnis zu ihren Stimmen entwickelt, das sie nicht mehr ausschließlich zum Opfer ihrer Stimmen (und der Psychiatrie) macht. Ein selbstbewusster Umgang, den sie auch anderen durch ihre Texte und Seminare vermittelte. Bisweilen verbindet sich die Entwicklung einer Bewegung ganz eng mit einer Person. Bei Hannelore Klafki und dem Netzwerk Stimmenhören war das wohl so. So liegt mit diesem Buch auch eine erste Geschichte des Netzwerks Stimmenhören vor. Aus sehr persönlicher Sicht. Wer etwas über diese Bewegung erfahren will, wer etwas über die persönliche Entwicklung des Umgangs mit Stimmen wissen will, wer verstehen will, wie das sich anfühlt, mit Stimmen zu leben der sollte zu diesem Buch greifen. Jürgen Blume (in: Brückenschlag, Band 23 [2007], S. 199-200) |