Bernd Kempker
Dem eigenen Ableben emotionslos zusehen – Psychopharmaka in Altenheimen

Bild der H&oouml;rkassetteHörkassette, Produktion: Deutschlandfunk 1999, Sprecherin: Marietta Bürger, 45 Minuten, ISBN 978-3-925931-16-1. Berlin: Antipsychiatrieverlag 2000. € 9.90 / sFr 14.85 / sofort lieferbar In den Warenkorb
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In Pflegeeinrichtungen werden unbequeme alte Menschen in beängstigendem Ausmaß – wie selbstverständlich – mit Psychopharmaka ruhiggestellt. Oft verstärken sich dadurch Krankheiten und Altersverwirrtheit. Dem Journalisten Bernd Kempker gelang es in seiner Reportage, Pfleger, Ärzte und betroffene alte Menschen zum lauten Nachdenken über diese lebensbedrohlichen Praktiken zu bringen.

Original-Verlagsinfo

In seiner Reportage zeichnet Bernd Kempker ein beeindruckendes Bild vom normalen Ablauf des Alltags in Altenheimen. Originalaussagen von MitarbeiterInnen und psychopharmakagedämpften alten Menschen regen an, sich kritische Gedanken über die krankmachende chemische Ruhigstellung der Pflegebedürftigen zu machen.

Die Verabreichung von Psychopharmaka, oft verschrieben aus Zeitnot und Unbeholfenheit gegenüber den Problemen des Älterwerdens, kann jeden treffen und zerstört die Hoffnung auf ein Alter ohne Verlust von Lebensqualität. Noch werden Psychopharmaka von Angehörigen und Betroffenen bereitwillig akzeptiert. Engagiertes Pflegepersonal sowie Angehörige könnten mit Kenntnissen von der Wirkungsweise und den Risiken dieser Substanzen einer unreflektierten Argumentation von Medizinern einen eigenen, an den Interessen der Pflegebedürftigen orientierten Standpunkt entgegensetzen.

O-Ton, Heimleiter: »Ich finde es toll, dass Sie heute hier sind, denn innerhalb unserer Gruppe wird was wachgerüttelt, merken Sie das? Obwohl wir uns eigentlich relativ häufig darüber unterhalten, auch in der Morgenrunde, wird mir jetzt eigentlich bewußt, wie schlimm manche Bewohner mit ihren Medikamenten dran sind.«

Diese Hörkassette ist kein Hör-Spiel. Die geschilderte Praxis in Altenheimen ist bittere Realität. Wer genau hinhört, erkennt das verwunderte Erstaunen des Pflegepersonals über die Folgen der eigenen Handlungen. Die Mitarbeiter öffnen Akten, deren Inhalt sie vergessen oder durch häufigen Personalwechsel nie zur Kenntnis genommen hatten. Zusammenhänge zwischen Psychopharmakaverordnung und gesundheitlicher sowie mentaler Verschlechterung werden sichtbar und von erfahrenen, fachlich kompetenten Altersforschern kurz und verständlich kommentiert.

Nachträglich verwies Bernd Kempker den Antipsychiatrieverlag auf Samuel Becketts Buch »Murphy« und zitierte daraus:

»Da die Patienten die Pfleger so häufig, den Arzt dagegen so selten sähen, sei es natürlich, dass sie die ersteren als ihre Verfolger und den letzteren als ihren Retter betrachteten.« (Beckett, »Murphy«, Reinbek 1959, S. 91)

Foto von Bernd KempkerDer Autor

Bernd Kempker, geb. 1959, freier Rundfunkjournalist, lebt abwechselnd in Berlin und Zürich. Das Radio-Feature »Dem eigenen Ableben emotionslos zusehen« wurde im September 1999 im Deutschlandfunk gesendet.

Kurzinformation: ›Psychopharmaka in Altenheimen‹

Hintergrundinformation: ›Psychopharmaka in Altenheimen‹