in: Hannelore Klafki, »Meine Stimmen – Quälgeister und Schutzengel. Texte einer engagierten Stimmenhörerin«, Berlin / Eugene / Shrewsbury: Antipsychiatrieverlag 2005, S. 139-140

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Hannelore Klafki

E-Mail an den BPE-Vorstandskollegen Klaus Laupichler vom 30. März 2005


Mein lieber Klaus,

ganz herzlichen Dank für deine Mail. Ich kann mir ungefähr vorstellen, was in dir vorgeht, gerade wenn wir auch noch mit Dreck beschmissen werden und wenn es dir nicht so gut geht. Auch ich sehe mit Schrecken, wie viele von uns vor dieser grausamen Welt kapitulieren. Auch ich möchte mich manchmal irgendwohin verkriechen und einfach nur leben können – ohne Stimmen, ohne Anfeindungen, Krieg und Kampf. Ich leide mitunter an einer sehr tiefen Traurigkeit und bin oft ganz hoffnungslos. Die viele Arbeit in der Psychiatrieszene mache ich, damit die vielen, die vom System abhängig sind, besser versorgt werden. Aber nicht nur deswegen – auch für mich. So erscheint mir mein Leben nicht vollkommen sinnlos – ich habe eine Aufgabe und werde gebraucht.

Du vertrittst eine große Gruppe der Betroffenen im BPE. Ich vertrete eine andere Gruppe, die vielleicht nicht so groß, dafür aber um so lauter ist. Wir wissen, wie viele unterschiedliche Strömungen es innerhalb des BPE und der Psychiatrieszene drumrum gibt. Deshalb ist es so wichtig, dass wir – trotz unterschiedlicher Standpunkte – zusammenhalten. Ich habe schon oft gesagt, dass es ideal wäre, wenn im Vorstand die unterschiedlichen Richtungen vertreten sind, damit sich möglichst viele Betroffene von uns vertreten fühlen. Eigentlich bin ich der Meinung, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind. Wichtig ist dabei, die Meinung des Anderen zu respektieren und nicht niederzumachen. Gottseidank gibt es solche zerstörerischen Tendenzen bei uns im Vorstand ja nicht (da habe ich leider schon ganz andere Sachen erleben müssen!).

Ich achte und schätze dich sehr, lieber Klaus, und wäre sehr traurig, wenn du nicht mehr mitarbeiten würdest. Vielleicht können wir – so wie wir uns das schon mal vorgenommen haben – öfter miteinander telefonieren, um uns gegenseitig Mut zuzusprechen.

Sei lieb umarmt
Deine Hannelore