Peter
Lehmann
Betroffenenkontrollierte Fortbildung als Baustein der Psychiatriereform?
Wie eine Reihe anderer Verbände auch, nutzt der
Berliner Verein "Für alle Fälle" e.V.
den Erfahrungsschatz Psychiatriebetroffener für seine
betroffenenkontrollierte Fortbildung und als Antidiskriminierungsmaßnahme.
Wer interessiert sich für solch ein überfälliges
Angebot?
Betroffenenkontrollierte Fortbildung ist eine der Antworten
auf einen gravierenden Missstand im psychiatrischen System:
Die Kompetenzen Psychiatriebetroffener werden systematisch
ausgeklammert:
- Erfahrungen mit eigenen psychischen Krisensituationen
samt deren Verarbeitung gelten als Hinderungsgrund für
Beschäftigungsverhältnisse.
- Im Rahmen des medizinischen Krankheitsmodells werden
in der Ausbildung Menschen mit psychischen Problemen sozialer
Natur auf bloße Träger von Stoffwechselstörungen
reduziert.
- In Forschungsvorhaben spielen Betroffene lediglich
eine Rolle als zu beforschende Objekte.
- Psychiatrische Fachzeitschriften sind in der Regel
von den Geldern von Pharmafirmen abhängig und verbreiten
entsprechende tendenziöse Inhalte.
- Psychiater haben gelegentlich oder parallel Pharmafirmen
als Arbeit- und Geldgeber und machen nicht den Eindruck,
an den Kenntnissen von Betroffenen interessiert zu sein.
- Angehörigenverbände und manche Selbsthilfegruppen
werden von Pharmafirmen außer mit Geld auch mit
entsprechenden interessensgeleiteten Gratis-"Fachinformationen"
gesponsert.
- Psychiatriebetroffene, die psychische Probleme auf
eigene, nichtpsychiatrische Weise bewältigen und
dies öffentlich machen, werden bestenfalls ignoriert,
zumeist jedoch mit Misstrauen oder Feindseligkeit bedacht.
Eine Ausnahmeerscheinung im deutschsprachigen Gebiet war
die im September 2005 tragischerweise gestorbene Hannelore
Klafki, die gelegentlich auch für die DGSP als
Fortbildnerin tätig war. Ihre politische Heimat hatte
sie beim Berliner Verein "Für
alle Fälle e.V.", der unten noch Thema sein
wird. In der von Für alle Fälle e.V. herausgegebenen
Broschüre "Beteiligung von Betroffenen in der
psychosozialen Arbeit", an der auch Hannelore Klafki
mitgearbeitet hatte, werden verschiedene Ursachen der allgemeinen
Missachtung des Erfahrungsschatzes Psychiatriebetroffener
genannt:
"Die psychosozialen Angebote basieren auf
dem fachlichen Wissen und Verständnis der Professionellen,
die in den Projekten und den entsprechenden Entscheidungsgremien
tätig sind. Professionelle beschreiben die Bedürfnisse
der Klienten und Klientinnen, definieren die Zielgruppen,
für die sie sich zuständig fühlen, legen
Qualitätsmerkmale und Standards der Arbeit fest. In
diese wichtigen Entscheidungsprozesse werden bisher diejenigen,
an die sich die Angebote richten, kaum miteinbezogen. Neben
allen historischen, ökonomischen und sonstigen Gründen
hat dies sicherlich auch mit der in unserer Gesellschaft
allgemein niedrigen Wertschätzung von Erfahrungswissen
zu tun. Akademischem Wissen wird eine vergleichsweise erheblich
größere Bedeutung beigemessen. Es kann jedoch
Erfahrungswissen nicht ersetzen." ("Beteiligung"
2005, S. 4)
Erfahrungsschatz oder "Betroffenengelaber"?
Das psychiatrische System bietet Betroffenen, die als freie
Subjekte mit eigenen Kompetenzen auftreten, keinen Platz.
Einige Professionelle des psychiatrischen Systems mögen
diese diskriminierende Behandlung von Betroffenen nicht
mehr hinnehmen, insbesondere nachdem bekannt wird, dass
in anderen Ländern, vornehmlich USA und Kanada, die
Beteiligung von Betroffenen mehr als zwanzig Jahre zurückreicht
und in Großbritannien seit 1990 über Vereinbarungen
mit (Mental Health Trusts) Psychiatriestiftungen verbindlich
verankert ist, Honorarverträge sowie Festanstellungen
sind dort bereits seit den 80er Jahren üblich. Die
Distress Awareness Training Agency im nordwestenglischen
Oldham beispielsweise entwickelte 1988 laut Aussage ihres
Mitglieds Andrew
Hughes als erste Gruppe betroffenenkontrollierte Programme.
Diese beinhalten die Fortbildung von Betroffenen hinsichtlich
eigenständiger Fortbildungstätigkeit sowie ihr
Engagement als Betroffenenvertreter in psychiatriepolitischen
Instanzen. Interessant hierbei ist, dass nicht nur die Tätigkeit
der AusbilderInnen entlohnt wird, sondern dass auch die
TeilnehmerInnen der Lehrgänge bezahlt werden (Hughes
2005).
Eine großartige Übersicht über die verschiedensten
Formen von Betroffenenbeteiligung incl. Beteiligung an Fortbildungsmaßnahmen
einschließlich der Untersuchung ihrer Ernsthaftigkeit
stellte das Team um Diana Rose vom Londoner Institute of
Psychiatry zusammen (Rose 2002). Von Betroffenen entwickelte
Fortbildungsmaßnahmen werden seit 1997 auch in den
Niederlanden von Psychiatriebetroffenen organisiert, sowohl
für Betroffene als auch für Profis (Boevink 2005,
S. 4), ebenso in Frankreich, hier beispielsweise von Advocacy
France.
Fortbildungsmaßnahmen im Namen von Betroffenen werden
auch vom europäischen Verband der Eltern Psychiatriebetroffener,
EUFAMI, angeboten, mitfinanziert vom Pharmamulti Eli Lilly.
Angesichts der finanziellen Zuwendungen dieses Angehörigenverbands,
der außer von Eli Lilly noch von Astra Zeneca, Janssen
Pharmaceutica und Pfizer Inc. gesponsert wird und eine entsprechende
Psychiatriepolitik betreibt, wird die Notwendigkeit einer
betroffenenkontrollierten Konvention über Fortbildungsmaßnahmen
deutlich, an denen Psychiatriebetroffene maßgeblich
mitarbeiten, ohne sich für die Zwecke Dritter instrumentalisieren
zu lassen. Wenn eine solche Konvention auch nicht verhindern
wird, dass es immer wieder einzelne Psychiatriebetroffene
geben wird, die ihr eigennütziges Geltungs- und Sendungsbewusstsein
befriedigen wollen, indem sie sich durch Pharmafirmen hofieren
lassen, so würde eine solche Konvention ein zusätzliches
Zeichen gegen die vermehrten Vereinnahmungsversuche von
Betroffenen- und insbesondere Elternverbänden seitens
der Pharmaindustrie setzen (Lehmann 1996; Keller 2005).
Auch im deutschsprachigen Raum organisieren sich Betroffene
inzwischen, einige erwarben sich einen Ruf als kompetente
Menschen in vielerlei Hinsicht. Kritisch betrachtet, will
man diese in die eigenen Zusammenhänge einbinden; wohlwollend
betrachtet, möchte man an ihren Erfahrungen teilhaben
und von ihnen lernen.
In Psychosegesprächsgruppen dürfen Psychiatriebetroffene
ihre Krankheitsgeschichte Angehörigen und so
genannten Fachpersonen vom Laienstandpunkt aus als
Einzelfälle darbieten. Sozialpsychiatrische
Zeitschriften und Verlage fordern Psychiatriebetroffene
hin und wieder zum Verfassen von (unbezahlten) Beiträgen
auf. Sich als besonders fortschrittlich verstehende Verbände
laden gelegentlich Psychiatriebetroffene ein, bei Kongressen
zu sprechen oder Arbeitsgruppen zu veranstalten, in der
Schweiz gelegentlich sogar gegen Honorar. In Deutschland
werden ausgewählte Psychiatriebetroffene hin und wieder
als Co-ReferentInnen oder gar als EinzelreferentInnen für
Zusatzausbildungen eingeladen, beispielsweise in Ostwestfalen-Lippe
zur Ärztefortbildung, Ausbildung Facharzt Psychiatrie
und Psychotherapie, Thema "Selbsthilfe/Trialog".
Behandlungsvereinbarungen, in denen sich Betroffene vor
einer Klinikeinweisung wünschen können, ob sie
zuerst isoliert, fixiert oder zwangsgespritzt werden wollen
und falls Letzteres, ob mit herkömmlichen oder so genannten
atypischen Neuroleptika, sind auch ein Thema, zu dem einzelne
Betroffene gerne eingeladen werden; das Thema "Psychiatrisches
Testament" (Schutz vor Zwangsbehandlung) ist weniger
en vogue. Einladungen zu Vorträgen an Fachhochschulen,
vornehmlich die Fachbereiche Sozialarbeit & Pflegewissenschaften,
werden vereinzelt ebenso ausgesprochen wie Einladungen innerhalb
der Fachbereiche Ergotherapie, Heilpädagogik & Heilerziehungspflege.
Einzelne Verbände leiten Praktikanten an, sowie psychiatriekonforme
Gruppen wie MüPE (München) oder antipsychiatrische
wie das betroffenenkontrollierte Team des Weglaufhauses
(Berlin).
Man kann sich streiten, ob innerhalb des psychosozialen
Systems mit seinem medizinischen, stoffwechselstörungsorientierten
Verständnis psychischer Probleme die Einbeziehung lebensgeschichtlicher
und fachlicher Erfahrungen von Psychiatriebetroffenen überhaupt
Sinn macht, ob die jetzige Form der Einbeziehung eher ein
Tropfen auf den heißen Stein ist oder aber der Anfang
einer Entwicklung zum Guten. Fest steht, dass die derzeitige
Situation des Ausschlusses des Erfahrungsschatzes Psychiatriebetroffener
aus dem psychosozialen System die Diskriminierung von Psychiatriebetroffenen
fortschreibt.
Fortbildung anstelle von Diskriminierung
Von 2001 bis 2005 wurde innerhalb der Europäischen
Union "Das
Aktionsprogramm gegen Diskriminierung und Schikane
von Menschen mit psychosozialen Beeinträchtigungen
im Gesundheitsbereich" durchgeführt,
gefördert von der Europäischen Kommission. Das
Projekt diente dazu, Diskriminierung und Schikanierung von
Psychiatriebetroffenen im Gesundheitsbereich und im Bereich
der Psychiatrie zu erfassen, zu untersuchen und Maßnahmen
zu finden, wie dieses gängige und kaum hinterfragte
Verhalten minimiert werden kann. Beteiligt waren Mental
Health Europe (europäischer Zusammenschluss nichtstaatlicher
psychosozialer Verbände), das belgische Forschungsinstitut
LUCAS, das Europäische
Netzwerk von Psychiatriebetroffenen (ENUSP), der österreichische
und der britische Sozialpsychiatrieverband Pro Mente Salzburg
bzw. MIND sowie Angehörigen- und Betroffenenverbände
aus Spanien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.
Um die Diskriminierung von Psychiatriebetroffenen aus deren
Erfahrung zu erfassen, wurden 2002/2003 von den nationalen
Partnern moderierte Fokus-Gruppen veranstaltet. In einem
zweiten Schritt bezog man Angehörige und im Gesundheitswesen
Tätige in die Untersuchung mit ein, zuletzt noch die
Kenntnisse von ENUSP. Das Ergebnis der Befragungen war eindeutig:
Diskriminierung (im Sinne von schlechterer Behandlung als
so genannte normale Patienten) erfahren die Betroffenen
in unterschiedlicher Form (Feindseligkeit, Anzweifeln, Vorenthalten
medizinischer Hilfe, Gewalt usw.) und in unterschiedlicher
Umgebung: in Arztpraxen aller Fachrichtungen, Krankenhäusern,
Notaufnahmen, Psychiatrien usw.
Zur Überwindung der alltäglichen, oft unbemerkten
Diskriminierung wurde ein ganzes Maßnahmenpaket
vorgeschlagen, wobei die Bedeutung der Beteiligung von Psychiatriebetroffenen
bei der Formulierung und Verankerung dieser Maßnahmen
betont wurde: Betroffenenbeteiligung auf allen Ebenen ist
der Ausgangspunkt des Kampfes gegen Diskriminierung und
Schikane, welche psychisch kranke oder als psychisch krank
bezeichnete Menschen und ihre Angehörigen erleben.
Die von Betroffenen beigetragenen Kenntnisse und Erfahrungen
sind einzigartig und wertvoll. Maßnahmen hinsichtlich
Diskriminierung und Schikane müssen von den Leidtragenden
dieser Situation sowie von Experten und Professionellen
erarbeitet werden. Das Motto "Nichts über uns
ohne uns" des Europäischen Jahres der Menschen
mit Behinderungen 2003 muss in die Praxis umgesetzt werden.
Zum Maßnahmenpaket gehört:
- Die Förderung der Organisierung der Psychiatriebetroffenen:
Die Organisierung der Psychiatriebetroffenen soll unterstützt
und geschulte Psychiatriebetroffene sollen auf der Ebene
der politischen Organe und der Fachverbände von Professionellen
einbezogen werden. Materielle und immaterielle Unterstützung
sollten investiert werden in
- die Sensibilisierung und ein Training der Beschäftigten
im Gesundheitsbereich: Die Erfahrungen und Sichtweisen
von Psychiatriebetroffenen sollten von Anfang an in alle
Stufen der Ausbildung im Gesundheitsbereich einbezogen
sein. Auf diese Weise werden die Professionellen mit der
Betroffenenperspektive vertraut, die sich per definitionem
von ihrer eigenen unterscheidet. Ein gutes Prinzip sei
es, Psychiatriebetroffene an Einstellungsverfahren zu
beteiligen.
Öffentlichkeitsarbeit, Musterprojekte, die Schaffung
von Behandlungsstandards und Gleichstellungsgesetze mitsamt
Beschwerdeinstanzen zur Sicherstellung der Einhaltung von
Menschenrechten (u.a. Approbationsverlust bei Behandlung
ohne informierte Zustimmung) sind weitere Empfehlungen,
nachzulesen im Internet unter www.peter-lehmann.de/empfehlungen
Klar ist, dass sich diese Empfehlungen nur umsetzen
lassen, wenn die politischen Entscheidungsträger
dies organisatorisch wie finanziell unterstützen.
Für alle Fälle ...
Als Musterprojekt schlug der Bundesverband
Psychiatrie-Erfahrener (BPE) "Für
alle Fälle e.V." vor, der für nutzerkontrollierte
Forschung und Fortbildung steht. Wie ein ernst zu nehmendes
Miteinander in Aus-, Fort- und Weiterbildung aussehen könnte,
wird am Beispiel der Fortbildungen deutlich, die der Verein
anbietet. Dessen Besonderheit besteht darin, dass seine
Mitglieder (Betroffene, Angehörige und so genannte
Fachpersonen) seit teilweise über zwanzig Jahren im
Bereich der Selbsthilfe und des Aufbaus von Alternativen
zur Psychiatrie tätig sind.
Seit 2003 bieten die ReferentInnen Fortbildung in den
eigenen Räumlichkeiten in Berlin-Mitte oder je
nach Wunsch auch gerne vor Ort bei den Einladenden an.
Die Fortbildung richtet sich an Psychiatriebetroffene,
psychiatrisch Tätige und Angehörige und umfasst
die Themenkomplexe, die in der traditionellen Fortbildung
gemeinhin ausgeblendet sind:
- Alternativen zur Psychiatrie: Umgang mit Krisen
und außergewöhnlichen Wahrnehmungen, individuelle
und institutionelle Alternativen
- Umgang mit psychiatrischen Psychopharmaka (Neuroleptika
auch "atypische" , Antidepressiva,
Lithium, Carbamazepin, Tranquilizer), Wirkungsweise
und Auswirkungen, Risiken und Möglichkeiten des
Absetzens, "Danach"
- Umgang mit Krisen und außergewöhnlichen
Wahrnehmungen, individuelle und institutionelle Alternativen
- Vorausverfügungen: Psychiatrisches Testament,
Betreuungsverfügungen u.a.
- Nur für Psychiatriebetroffene: Selbsthilfe,
Empowerment und Projektaufbau
Auf der Website www.faelle.org
kann man sich informieren über die Termine und Bedingungen
anstehender Fortbildungsangebote, z.B. "Absetzen von
Psychopharmaka und was dann?", gerichtet an
alle im psychosozialen Bereich Tätige, Psychiatriebetroffene
und Angehörige, um Möglichkeiten eines relativ
gefahrlosen Absetzens auszuloten und Fehler infolge Unbedachtheit
und Uninformiertheit beim Absetzen zu minimieren.
Art, Umfang und Inhalt der Fortbildung werden im Vorfeld
eng mit den jeweiligen Fragen und dem Arbeitsalltag
der Interessierten abgestimmt. Besonders angesprochen
werden mit dem Fortbildungsangebot die Bewohner/Nutzer/PatientInnen
psychosozialer Einrichtungen. Insofern wird auch eine
gemeinsame Fortbildung von Betroffenen und MitarbeiterInnen
gerne angeboten.
Wenn Sie Interesse an einer Fortbildung durch Für
alle Fälle e.V. haben, wenden Sie sich bitte an
Für
alle Fälle e.V.
Resümee
Die Bedeutung der Einbeziehung von Psychiatriebetroffenen
wird von vielen nicht hoch genug angesiedelt. Auch Diana
Rose und Team empfahlen:
"Das Training des Personals durch Betroffene
ist ein wichtiger Faktor zur Ermöglichung von Betroffenenbeteiligung;
Training für Betroffene ist ebenfalls wichtig.
Deshalb sollte erforscht werden, wie ein solches Training
am effektivsten entwickelt werden kann." (Rose
2002, S. 20)
Dass eine wirksame Beteiligung auch auf Widerstände
stoßen wird, ist selbstverständlich. Wo immer
Veränderungen angestrebt werden, sind Widerstände
programmiert, Beispiele sind die penetrante Festschreibung
der überkommenen Rollenteilung "Fachperson
versus Laie" oder "Kranker versus Gesunder",
die fortgesetzte Ausgrenzung von Betroffenen bei der
Planung von Fortbildungen, das fortgesetzte willkürliche
Herauspicken wohlgelittener Betroffener, die Inanspruchnahme
vorhandener Gelder für die eigenen Interessen.
Manche Betroffene lassen sich gerne hofieren und ordnen
sich problemlos in vorbestimmte Ausbildungsgängen
samt vorbestimmter Inhalte ein.
Die Bereitschaft, betroffenenkontrollierte Fortbildungsangebote
anzunehmen, lässt sich als Prüfstein für
die Offenheit psychiatrisch Tätiger für den
Erfahrungsschatz kompetenter Psychiatriebetroffener
betrachten. Es ist noch ein weiter Weg, bis solche Fortbildungen
systematisch von qualitätsbewussten betroffenenkontrollierten
Verbänden angeboten, zertifiziert und zur Grundlage
des Abschlusses von Arbeitsverträgen und deren
Fortführung gemacht werden. Hierzu bedarf es zudem
kompetenter und kollegial arbeitender Psychiatriebetroffener
unterschiedlichster Erfahrungen und Ausrichtungen. Eine
qualitative Veränderung des psychosozialen Systems
erscheint ohne betroffenenkontrollierte Fortbildung
allerdings unmöglich.
Literatur
-
Keller, Martina: "Pharmaindustrie Geben
und einnehmen. Selbsthilfegruppen sind für Schwerkranke
ein letzter Halt dabei arbeiten sie oft mit Pharmakonzernen
zusammen und riskieren ihre Glaubwürdigkeit, in
Die Zeit, 61. Jg. (2005), Nr. 21 vom 19.5.2005, Dossier;
www.zeit.de/2005/21/Pharmafirmen_neu
-
Lehmann, Peter:
Ein Quatrolog der besonderen Art. Psychiatriebetroffene,
Eltern, Psychiater und Industrie in Wien im Gespräch,
in: Mitgliederrundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener
(BRD), 1996, Nr. 3, S. 13
-
Rose, Diana / Pete Fleischmann / Fran Tonkiss u.a.:
"User and Carer lnvolvement in Change Management
in a Mental Health Context: Review of the Literature",
Hg. Service User Research Enterprise, London: Institute
of Psychiatry 2002
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